Unterwegs

Geldbrüder und Hallam Foe

Vielleicht sollte ich öfter meinen Wegzug planen, dann würde ich wahrscheinlich noch mehr großartige Orte in meiner Stadt entdecken. Gestern sollte es ein Kino sein: klein, alternativ und urgemütlich. Eigentlich wollten wir zum Schweden Moneybrother, der an diesem Abend den ausverkauften Prime Club beglückte (ein Ticket hatten wir allerdings nicht, geschweige denn Lust, Geld für eines auszugeben). An der Abendkasse wurden Resttickets für 20€ verscherbelt und es bildete sich eine lange Schlange. “Haha, Geldbrüder!” riefen uns zwei ältere Männer nach, die sich über das Plakat amüsierten.

Statt uns anzustellen, gingen wir ins Kino. Es lag in einem Hinterhof und nur durch Zufall entdeckten wir im strömenden Regen die Tafel, an die in großen Lettern Hallam Foe angeschlagen war. Der Kinosaal war klein und gemütlich, an der Kasse gab es Chips, Afri-Cola und Bionade, im Foyer döste eine Katze und die Leute blieben brav sitzen, bis der Abspann vorbei war. Hinter uns redeten zwei Studentinnen über ihre WG, neben uns saß eine ältere Dame, die früher sicher Hippie gewesen war und nun zu den Stammbesuchern dieses Kinos zu gehören schien.

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© Kinokompendium / Hallam Foe

Kino ist ein schöner Ort. Man hat meistens etwas zu Essen, sieht schöne Filme und wird nicht in Versuchung geführt, umzuschalten und zu gucken, was gerade so auf RTL2 läuft. Mit einer Freundin sah ich einmal The Grudge 2, ich kannte zwar den ersten Teil nicht, aber sie versicherte mir, das sei nicht schlimm. “Es gibt so ein langhaariges Mädchen, das ist böse. Mehr musst du nicht wissen.” erklärte sie mir, ich kaufte Popcorn und war gespannt. Das Mädchen war in der Tat furchtbar, es tauchte ständig überall auf, verfolgte die Leute mit seinen Haaren und gab krächzende Laute von sich. Wenn es in einem stillen Raum anfing, zu krächzen, wussten wir direkt, was Sache war, noch bevor die dummen Darsteller etwas merkten. Bald hatte eine Gruppe halbstarker Jungs in der zweiten Reihe die Wirkung des Krächzens durchschaut, imitierte es so oft es ging und das Kino lachte Tränen. Lediglich ein Mann in den hinteren Reihen, der optisch bekannten Türstehern glich, schien sich daran zu stören. “Ey, hast du’n Schwanz im Maul oder was? Halt ma die Fresse da vorne!” ging er auf die Halbstarken los, während ein asiatisches Schulmädchen gerade vom krächzenden Teufel geholt wurde. An das Ende des Films erinnere ich mich leider nicht mehr.

Die alternativen Kinobesucher aber waren ganz anders. Sie lachten nur über den subtilen Charme des Hallam Foe, der sich seinen Weg durch Edinburgh stalkte und zur Trash-Musik des Test Icicles Jagd auf seine böse Stiefmutter machte. Wir schlürften Afri-Cola, aßen italienische Biosnacks und waren rundum zufrieden. Das hätte uns der schwedischer Geldbruder nicht bieten können.

4 Kommentare zu “Geldbrüder und Hallam Foe”

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