Unterwegs

Einmal Niederrhein, bitte!

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© ogy

Dass Billigflieger Schweine sind, das hört man in letzter Zeit oft. Sie verschmutzen die Umwelt, stoßen CO2 aus und verwirren ihre Kunden so oft es geht. Überhaupt sind sie ja eh nie pünktlich und fliegen von den seltsamsten Orten ab. Na und? Ich war hart im nehmen und buchte meinen billigen Flug von Düsseldorf-Weeze nach London-Stansted - denn: Düsseldorf? Klingt super, da bin ich doch schnell da und zahle nur minimal drauf.

Gesagt getan. Um kurz vor 3 stand ich dann doch mitten in der Nacht an der Haltestelle. Weeze war weiter als gedacht, Shuttlebusse gab nur zu unmöglichen Zeiten und ich entschied mich gegen 5 Stunden warten am Flughafen und wählte die Zugvariante - mehrere Stunden mit dreimal Umsteigen, Busshuttle von Weeze zum Flughafen und NRW-Ticket für 15€.

Auf meinem Weg nach Weeze wurde es mehr und mehr holländischer. Das Land wurde flacher und die Windmühlen häuften sich ebenso wie die doppelten Vokale in den Namen der Haltestellen. Außerdem entfernte ich mich mit jedem Halt weiter von der Zivilisation. Schnell wurde mir klar, dass das einzige Kriterium, welches diese Stadt zum perfekten Standort für einen Flughafen qualifizierte, der großzügig vorhandene Platz war. Eines war dies jedenfalls nicht: Düsseldorf.

Die Bezeichnung „Niederrhein (Düsseldorf)“ für einen 80km weit von Düsseldorf entfernt liegenden Flughafen, der tatsächlich in dem Ort Weeze liegt, ist irreführend, da Weeze nicht zum Großraum Düsseldorf gehört. Dies hat das Landgericht Köln heute [22.07.2003 !] im Rahmen einer einstweiligen Verfügung entschieden. (Wettbewerbszentrale)

Ergo heißt der Flughafen (außer im Internet) nun mehr oder weniger offiziell nur noch “Niederrhein” - und auch im Flughafengebäude liest und hört man nirgendwo etwas von Düsseldorf. Logisch, schließlich liegt die Landeshauptstadt auch knapp 80 km entfernt.

Die Bezeichnung “Niederrhein (Düsseldorf)” sei irreführend im Sinne von § 3 UWG, weil sie den Interessenten einen Flughafen erwarten lasse, der in der Nähe von Düsseldorf und nicht 70 bis 80 km entfernt liege. Werde einem Begriff, der […] eine recht große Region bezeichne, eine weitere Ortsangabe (”Düsseldorf”) beigefügt, vermute der angesprochene Verbraucher darin die nähere Konkretisierung der Lage des Flughafens innerhalb der Region […] und nicht, wie das tatsächlich der Fall sei, im Norden des Gebiets. (Wettbewerbszentrale)

“Flughafen Venlo/Eindhoven/Nimwegen” oder “Flughafen Duisburg” wäre da schon passender gewesen. Folglich reiste ich fast ausschließlich gemeinsam mit holländischen Holländern, britischen Holländern, holländischen Briten und vereinzelten englischen Engländern, die sich alle auf einem Flughafen tummelten, der ähnlich ausgestorben wirkte wie die zugehörige Stadt. Der Flug war pünktlich, wie wir bei der Landung nach theatralischer Fanfarenmusik erfuhren.

In Stansted wurden wir eine Woche später trotz allem zu unserem Rückflug nach “Duseldorf Wieeeeeees” begrüßt und ich musste schmunzeln. Wenn die Engländer wüssten, die sich dort mit mir am “All other passengers”-Schalters (die 3€ für die “Priority Q” hatte ich mir gespart) darauf warteten, dass endlich alle Priority-Passengers eingestiegen waren. Der Flug war übrigens erneut pünktlich - dödö-dödö-dödö - und die Briten, die 20€ für den Zubringer nach Düsseldorf zahlen mussten, ärgerten sich.

Nach einer gefühlten Ewigkeit erreichte das Flughafenshuttle Düsseldorf. Eine Stunde später Köln. Und für mich steht fest: das nächste Mal fliege ich lieber ab Frankfurt-Hahn, das liegt nämlich in der Eifel.

10 Kommentare zu “Einmal Niederrhein, bitte!”

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