Unterwegs

Eine Stadt im Ausnahmezustand

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© Nicole Blommers

“Man merkt, dass du Student bist.” meint eine Freundin zu mir. “Immer Zeit, immer unterwegs.” Ich zucke die Schultern. Irgendetwas muss man ja schließlich machen, wenn man nicht in der alltäglichen Einöde verrosten will.

Spontan fahren wir nach Groningen ins benachbarte Holland. Wo sonst eher Kunststudenten und ausgewanderte Deutsche leben, herrscht Ausnahmezustand. Das Noorderslag Weekend und Eurosonic Festival ist im vollen Gange, überall tummeln sich Menschen und auch die allerkleinste Bar wird zum Kulturzentrum erklärt. Das Programmheft: ein dicker Wälzer.

In einem Schuppen mit Retrotapete in der Innenstadt, beginnt unser Abend. Hier sind die holländischen Musikfans, dort die alten Männer aus der Musikindustrie, die großzügig ihre Portemonnaies zücken und Drinks spendieren. Manche von ihnen haben einen Bart, genauso wie die Musikindustrie auch und sie trinken Bier, stehen herum und notieren sich Dinge, während sie die Bühne stets aus dem Augenwinkel beobachten. “Do you know how I started? I sold fanzines in my hometown.” erzählt mir einer.

Die jungen Musiker irren geblendet vom Trubel euphorisch durch die gepflasterten Straßen, um schließlich in irgendeinem Coffeeshop, in einer Schwulenbar oder im Fastfoodrestaurant um die Ecke zu enden. Sie spielen auf kleinen und großen Bühnen, in Schaufenstern und Kellern und mal vor mehr, mal vor weniger Publikum.

Da sind zum Beispiel Ripchord aus England, die schon letztes Jahr beim Haldern Pop begeisterten. Und The Kissaway Trail aus Dänemark. Oder Calvin Harris, der sympathische Schotte, der mit seinen Elektrosounds und Remixen eine wahre Hysterie im Internet auslöste. “I don’t care what you dress like or what you wear, but please make sure baby you’ve got some colours in there” singt er und die bunte Menge tanzt zur Synthesizermusik, während es draußen in Strömen regnet.

Wir sitzen noch eine Weile vor der Retrotapete. “You’re lucky, nowadays you can have it all online.” meint der bärtige Ex-Fanzine-Verkäufer und er hat Recht. Die Zeiten ändern sich, sage ich. Er nickt. Immer Zeit, immer unterwegs - alles andere wäre ja auch langweilig.

4 Kommentare zu “Eine Stadt im Ausnahmezustand”

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