Unterwegs

Ein Abend in Köln

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© Lastnightsparty

“‘Tschuldigung!” sprach uns der Mann an. Er trug fingerlose Handschuhe und wedelte mit einer halbvollen Flasche Weißwein. “‘Tschuldigung, ich würde ihnen gerne einen guten Morgen wünschen!”

“Das ist aber ein bisschen früh. Oder spät, wie man’s nimmt.” entgegnete ich. - “Nun ja, bei mir ist das manchmal so, ich steh auf und weiß nicht, ob es Tag oder Nacht ist.”

“Das kenn’ ich.” Es war kurz nach neun an der Luxemburger Straße und abgesehen von der Dunkelheit hätte es genauso gut neun Uhr morgens sein können.

“Hey, wir haben dasselbe Bartsystem!” Sein Blick wanderte zu Hannos Gesichtsbehaarung und ihre Flaschen klirrten aneinander. “Wirklich, das Bartsystem ist vollkommen gleich.” Aus Freude über diese Erkenntnis mussten wir alle lachen und Weißwein ergoss sich über den Boden.

Szenenwechsel. Der Kioskbesitzer vom Laden an der Ecke starrte gebannt auf seinen Fernseher hinter der Theke und schien uns kaum wahrzunehmen. Ein weibliches Wimmern und Stöhnen ertönte aus dem Gerät. “Macht eins achzich.” Seine Augen bewegten sich nicht vom Bildschirm. Die Frau stöhnte. Vielleicht verblutete sie gerade bei ihrem Versuch, die Welt von bösen Aliens zu befreien und starb in den Armen eines GIs mit astreiner Föhnfrisur. Vielleicht war es aber auch nur ein handelsüblicher Porno aus dem Sommerschlussverkauf. “Schön’n Tag noch.” Die Frau stöhnte weiter.

Ich seufzte. Jack Peñate war restlos ausverkauft und würde ich ihn nicht noch in Holland sehen, hätte ich wahrscheinlich schon allein aus Prinzip die gesamte Menschheit verflucht, einschließlich des Weißweinmanns, der nun gestützt auf eine Gitarre an der Straße stand. Noch ein paar Stunden und ich würde nochmal auf seinen guten Morgen zurückkommen.

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