Unterwegs

Der Schrank

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© zebrafink74

Bonn ist eine seltsame Stadt. Auf der Poppelsdorfer Allee steht tatsächlich ein Schrank mich Büchern, woran sich jeder Bonner bedienen und wo ein jeder seine alten Bücher für andere hinterlassen kann.

“Und das überlebt der?” fragte ich meine Freundin, die mir ein wenig die Stadt zeigte.
“Offenbar schon, der steht seit Ewigkeiten hier.”

Ich stellte mir den Schrank in anderen Städten vor, wo er vor sich hin vegetierte und eines Morgens ausgebrannt und in seine Einzelteile zerlegt am Straßenrand aufwachte.

Vielleicht waren die Menschen hier anders. Vielleicht studierten sie alle und hatten andere Sorgen, als wie sie am schnellsten eine Büchervitrine vernichten oder die Mülleimer im Park umkippen konnten. Zumindest ging dort etwas Eigenartiges vor sich. Dies schienen auch die japanischen Touristen zu bemerken, sie tummelten sich vor dem Fotoladen und ich verschluckte mich an meinem Kaffee, als ich versuchte, ihnen auszuweichen. Es regnete. Auf dem Weg zur Uni wurden meine Schuhe dreckig vom Matsch, meine Haare nass vom Regen und mein Kopf leer vor Müdigkeit. Es war Mittag.

Morgen sind die Bänke wieder trocken und sie kommen wieder. Die Opas, Studenten, Professoren und Touristen. Sie schlurfen durch den Staub, schauen sich um und der ein oder andere begutachtet die Bücher. Der Schrank bleibt zäh. “Ihr könnt mich mal.” denkt er leise.

12 Kommentare zu “Der Schrank”

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