Unterwegs

Auf Tour (2)

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© L. Chaplin

M. wohnte im Untergeschoss eines holländischen Altbauhauses, hatte gerade begonnen, IKEA-Holzparkett zu verlegen und seine Arbeit gern unterbrochen, um die neuen Gäste aus fernen Ländern auf der Terasse seines Vorgartens zu begrüßen. Die gastfreundliche Art habe er von seiner Mutter übernommen, sagte er.

Direkt neben einem Musikclub zu wohnen, war vielleicht doch keine so schlechte Idee. Die letzten MGMT-Fans mit Tüchern in den Haaren und Hippieketten waren abgezogen und vor der Tür bildete sich bereits eine lange Schlange lärmender Technofreunde, die auf den Einlass zur Party warteten. Ich seufzte, während in meinem Kopf der Beat von “Kids” tickte. Das Leben hier war locker. Ein jeder schwang sich auf sein Rad, um mal eben Freunde zu besuchen, um zur Arbeit zu fahren, Essen zu kaufen und die Drogen vom Dealer abzuholen. Den könne hier jeder anrufen, wenn er wollte, sagte M..

Es war dunkel und der Himmel war klar. Sternenklar sogar. “It’s been ages since I last saw the stars in the city.” meinte C. und klimperte auf der Gitarre. Sternenhimmel, Musik und Dosenbier in einem Garten mitten in der Stadt, das klang eher nach einem Film, als nach der Realität. Wir saßen zu acht um den kleinen Tisch, mit billigen Drinks von der Tankstelle und einer Tüte Bolognesechips, die eher gierig statt satt machten. Mit einer Ukulele und einer Gitarre, einem Songbook und einer wundervollen Sängerin.

Florence kann wunderschön singen, für mich hatte sie in diesem Moment die bezauberndste Stimme der Welt. Ich glaube, viele Leute bekommen eine Gänsehaut, wenn sie die Augen zumacht und einfach singt, als sei es das Normalste auf der Welt.

Es war mittlerweile Nacht. Der große Bus hatte sich schon auf den Weg nach Calais gemacht, wo morgens um fünf eine verschlafene Mannschaft zur Passkontrolle antreten musste. Der kleine Van parkte noch vor M.s Haus. Vielleicht wachte ich jeden Moment in meinem Bett auf und alles war weg. Die Veranda, die Wiese, die Musiker, der Sternenhimmel, die surreale Szenerie. Mein voller Kopf. Die warme Decke auf meinem Schoß.

Vielleicht auch nicht.

Wenn man sich wie in einem Film fühlt, erst dann scheint man richtig zu leben. Und wie immer bleiben mir nur die Dinge in meinem Kopf, ein paar Kritzeleien auf Papier und das schöne Gefühl, ein kleiner Teil von etwas ganz Großem zu sein.

6 Kommentare zu “Auf Tour (2)”

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