Persönlich

Süßes oder Saures?

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© TwisterMc

“Happy Halloween!” rufen sich die Leute heute fast schon so theatralisch zu, wie “Fröhliche Weihnachten!” in amerikanischen Santa-Claus-Filmen. Was vor Jahren noch eine Begrüßung der österreichischen Hauptstadt war (Vorsicht, Wortwitz), ist heute scheinbar fast so geil wie Karneval. Mit 11 feierte ich einmal eine Halloweenparty mit Freunden, wir schminkten uns dunkel, sprühten über Kopf Haarspray in die Haare, toupierten sie und fanden uns wahnsinnig furchteinflößend. Heute ist dies das Standardprogramm pubertärer Subkulturen, bevor sie sich ins Nachtleben stürzen, oder sich ihre Lieblingsband angucken, die mit “The” anfängt und mit “Horrors” aufhört.

In besagtem Aufzug stellten wir uns um sechs an die Straßenecke und provozierten verwunderte Blicke der Passanten, die erst nach einer gefühlten Ewigkeit begriffen, dass Halloween war und wir nur deswegen so unglaublich gruselig aussahen. Sie lächelten uns freundlich zu und gingen weiter. Wir standen weiter rum. An den Türen der Nachbarn zu klingeln, das trauten wir uns nicht, auch wenn diese sicher schon bergeweise Martinssüßigkeiten in ihrer Vorratskammer horteten.

Heute ist das anders. “Süßes oder Saures!” blöken die kleinen Kinder an der Tür und sehen in ihren Kostümen aus wie mutierte Kürbisse gekreuzt mit Ninja Turtles. Ich überlege, ob diese Biester mir nun eine reinhauen würden, sollte ich keine Süßigkeiten parat haben und stopfe dann doch widerwillig ein paar Schokoriegel in ihre ohnehin schon vollen Stoffbeutel. “Happy Halloween!” steht auf ihrem T-Shirt und trotz aller Fröhlichkeit bedanken sie sich natürlich nicht. Vielleicht gehen sie auch nur perfekt in ihrer Rolle als Monster auf, denn die halten sich ja bekanntlich beim Gähnen noch nicht einmal die Hand vor den Mund.

Dem nächsten Monster, das an unserer Tür klingelt, werde ich eigenhändig Saures verpassen. Trick or treat, ihr habt es nicht anders gewollt. Morgen ist Allerhalloween, da erholen wir uns dann von den Strapazen des Böseseins und die Verkäufer haben Zeit, die Überreste des schaurigen Konsumfestes durch noch schaurigere Lebkuchen und Christbaumkugeln zu ersetzen. Happy Halloween!

10 Kommentare zu “Süßes oder Saures?”

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