Meine Tankstelle und ich

© brennSL
Nur wenige Meter von meinem Haus entfernt befindet sich eine Shell-Tankstelle. Jedenfalls vermute ich, dass sie von Shell ist, denn sie leuchtet gelb - aber so genau habe ich mir noch nie das Schild angeguckt. Dass es eine Tankstelle ist, ist auch recht nebensächlich - eher stören die ganzen Autos, denn man muss auf dem Weg dorthin ständig aufpassen, wo man läuft und dass man nicht von einem überfahren wird.
Im Gegensatz zu “meinen” Supermärkten, hat “meine” Tankstelle 24 Stunden auf (so wie “mein” Subway am Wochenende). Hier gibt es dann mittelgroße Chipspackungen für zwei Euro neun, Eintöpfe und Ravioli, Fertiggerichte in Plastikbechern, Getränke und Zeitschriften, alles was das Herz begehrt. Wenn nach dem Frühstück gegen 17 Uhr (Nudeln mit Tomatensoße) wieder mein Kühlschrank leer ist und mich gegen 23:35 Uhr der kleine Heißhunger packt, lockt es mich gehüllt in meine Lederjacke immer wieder auf die Straße.
Es ist kalt. Der Wind weht. Ich friere. Und sehe schlecht aus. Die Straßen sind leer. Nur die Tankstelle leuchtet. Ich schnappe mir irgendetwas aus den Regalen und seufze beim Gedanken an meinen Geldbeutel. Da lebe ich schon sparsam wie Dagobert Duck und schließlich lauert die Falle beim Cheese-Dip, ohne den die Nachos doch eigentlich gar nicht schmecken.
“Haben Sie getankt?” fragt mich der Mann an der Kasse. Scheinbar sehe ich so gammelig aus, dass ich unmöglich zu Fuß unterwegs sein konnte. Allenfalls mit dem Auto nach sechs Stunden anstrengender Nachtfahrt - wer sonst kommt mitten in der Nacht vorbei, um eine Tüte Chips und eine 5-Minuten-Terrine zu kaufen? Und einen Cheese-Dip natürlich.
“Nee.” sage ich, schmunzle und schnappe mir die EC-Karten-Quittung über 5,59€. Was würde ich bloß ohne meine Tankstelle tun? Die biorhythmusgestörte Jugend von heute braucht einen Ort der Zuflucht. Jemand, der ihnen mit Fingerzeig klar macht, dass es irgendwie schon ein bisschen spät ist, aber trotzdem nett zu ihnen ist. Der immer da ist, auch nachts. Der Mitleid hat und doch in Wirklichkeit ein Kapitalistenschwein ist.
Ja, wir verstehen uns, meine Tankstelle und ich.



Bei diesen “Hungeranfällen” bin ich immer froh noch bei “Mami” zu wohnen. Da reicht ein Gang zum Kühlschrank und ich habe die Leckersten Sachen vor mir…
@ René: Stimmt, was Essen angeht, ist es immer schön, zu Hause zu wohnen. Mein Vater ist gelernter Koch und wir hatten stets einen vollen Kühlschrank und eine volle Vorratskammer. Und er hat die besten Schulbrote auf diesem Planeten gemacht. Was das angeht, sind “meine” Geschäfte inklusive Aldi und Tankstelle jetzt mein Ersatzpapa.
Da kann ich euch nur zustimmen, Hotel-Mama ist schön und bequem ….. aber jetzt geht es mir nicht anders, im zweifel ab zur Tanke oder einfach pech gehabt und nichts essen.
@ksch: Ja, ich schätze, deswegen bleiben manche Artgenossen auch im Hotel Mama wohnen, bis sie 40 sind. Wär nichts für mich ;) Da lobe ich mir “meine” Tankstelle - die haben mir eben 4 Brötchen zum Preis von 2 verkauft, juchu!
Ich wohn zwar noch im Hotel Mama, aber wenn ich Bock aufn Steak hab, sitz ich auch aufn Trocknen…
Landleben halt. Oder ich stech ne Kuh vom Bauern hier ab!!!
Ich mag meine Tanke auch. Subway und Mäckes sind quasi dabei. Und ohne was am Süßigkeiten / Schokoriegelstand an der Kasse was zu kaufen, komm ich da nie raus..:)
Hammer Text. :)
Hat mich zum Lachen gebracht. Unwichtig, aber ich dachte, ich sag doch mal Bescheid.
Das ist ja das reinste Paradies für Studenten!
(Püh moment, ich wohne noch im Hotel- Mama, trotzdem muss Fast Food herhalten. Da läuft was falsch… .)
tankstellen-blues! gefällt mir sehr, dieser text.
@ Chrissy: Na immerhin, die Alternative mit der Kuh steht! Und außerdem kannst du ja höchstwahrscheinlich um einiges besser kochen als ich ;)
@ Yannick: Nen Mäcces habe ich ja leider hier in der Gegend nicht, aber wenn, dann wäre ich dort sicher Stammkunde. Bin kein großer Fastfood-Fan, aber… es ist einfach zu verlockend. Die Schokoriegel hab ich bisher immer boykottiert, die kosten 1€ - dafür krieg ich bei Subway Chips und bei McDonalds einen Burger.
@ SoFille: Dankeschön :D
@ Neslihan: Ja, quasi… schon ;) Ich denke, die Stadt hat sich drauf eingestellt, dass hier praktisch nur Studenten wohnen. Vor allem auch in meiner Gegend. Subway macht da bestimmt super Umsatz und wenn ich mich abends zum Fastfood-Holen aufmache, bin ich nie allein.
@ Ilinca: Haha, danke ;)
hm, ich mag auch ne Tankstelle haben… :(