Persönlich

Mein Handy und ich

Mein Handy und ich lebten nebeneinander her. Keiner war wirklich abhängig vom anderen und das war auch gut so. SMS schreiben? Nervig und mühsam. Anrufen? Teuer und mühsam. Handyspiele? Nach einer Woche langweilig und mühsam. Fotografieren? Schlechte Qualität und mühsam. Ton aufnehmen? Praktisch für Interviews, ansonsten mühsam.

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© The Cobrasnake

Aber nun ist alles anders. Im TXL-Bus zum Flughafen merkte ich, dass irgendetwas in meiner Tasche fehlte. Das Handy. Entweder lag es irgendwo auf der Kreuzung am Alexanderplatz oder in Sarahs Bett. Während ich wie immer auf den letzten Drücker eincheckte, war mein erster Gedanke: Sarah anrufen und fragen.

Nur wie, mit lediglich 70 Cent im Geldbeutel und ohne Telefonbuch im Sicherheitsbereich des Flughafen Tegel? Ich malte mir aus, was ich alles verloren hätte. All die Telefonnummern. Alte Freunde, neue Freunde, Familie, britische Musiker, Lehrer, Pressemenschen. Die besten Textmitteilungen der Welt. Meinen Gary-Numan-Klingelton, eine Hommage an die Tundra-Episode von The Mighty Boosh. Meine perfekte Telefonnummer.

Und außerdem ein altes, halb kaputtes Mobiltelefon. Das Berlin 05 Festival für junge Politik hatte eine kleine Schramme auf dem Display hinterlassen, draufladen kann ich nichts, da die zugehörige Software nicht mit Vista kompatibel ist und der Joystick klemmt manchmal. Ich glaube, Sony Ericsson will mir damit sagen, dass ich mir schnellstens ein neues Modell zulegen soll. Von Sony Ericsson natürlich.

Das verlorene Handy ließ mich nicht los. Zu Hause angekommen schrieb ich Sarah, die gerade vom Goose-Gig zurück war. “Nachdem ich dich soeben angeklingelt habe, habe ich festgestellt, dass du es vergessen hast” schrieb sie mir zurück. Puh, ich warte sehnsüchtig auf das Päckchen aus Berlin. Die Moral von der Geschicht: Wir sind doch irgendwie abhängiger, als wir immer denken.

16 Kommentare zu “Mein Handy und ich”

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