Persönlich

Ich bin multitaskingsüchtig

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© _TomTom_

Richtig. Ich habe nicht viele gute Angewohnheiten. Und die, die ich habe, sind meist schlechte.

Vor allem wir Frauen sind ja - statistisch gesehen - in der Lage, so viele Dinge wie möglich gleichzeitig zu tun. Vielleicht wie so oft ein Überbleibsel aus der Steinzeit. Wir können gleichzeitig reden und zuhören beispielsweise. Telefonieren und essen. Und dabei fernsehen und Mails checken. Musik läuft auch im Hintergrund und während ich den Abwasch mache und mit der superpraktischen Bürste die Teller schrubbe, schaue ich schnell die Nachrichten und hör mir das Neue von We Are Scientists an.

“Wer von Ihnen macht erst einmal den Fernseher an, wenn er oder sie nach Hause kommt?” war letztens die Frage in unserer Vorlesung zur Medienkommunikation. Ich überlegte kurz. Nö. Ich bin ja nicht einsam oder so und jedes Mal nach einem Kurzurlaub im Heim meiner Eltern weiß ich die wohltuende Ruhe in meiner Wohnung zu schätzen. Doch die süße Reizüberflutung ist oft doch zu verlockend.

“Nie vor dem Fernseher essen, dann isst man doppelt so viel.” heißt eine schlaue Diätweisheit, aber ich schere mich wenig darum. Denn der Teller Nudeln mit Ketchup wird schließlich auch nicht weniger, wenn ich ihn ohne Seitenbeschallung verputze und ebenso wenig mehr, wenn die volle Dröhnung aus Trash-TV (möglichst geistreiche Boulevardmagazine) und Computer voller blinkender E-Mail- und Feedreader-Meldungen auf mich hereinprasselt. So erfahre ich zum Beispiel, dass Microsoft Yahoo! kaufen will und warum Désirée Nick damals nochmal den pelzigen Hoden gegessen hat. Gleichzeitig verpasse ich auch die Tatort-Pointe nicht, genauso wie meine neuen Mails.

Außerdem: Wo soll ich denn sonst essen? Ich hab’ nunmal keinen Esstisch. Und ich kann es einfach nicht lassen. Wenn ich nicht mit mindestens zwei Dingen gleichzeitig beschäftigt bin, fühle ich mich chronisch unterfordert - egal ob drinnen oder draußen. Und wenn man es einmal genau betrachtet, sind die Zeiten vorbei, in denen man sich noch hingebungsvoll einer einzigen Sache widmete. Schluss, aus, vorbei - Multitaskingsucht. Ich bin doch auch nur ein Opfer der Welt, mit der ich mich tagein tagaus beschäftige.

Nachtrag: Beim Schreiben dieses Beitrags guckte ich die Wiederholung der neuen Niels-Ruf-Sitcom, las meine Feeds geschätzte fünf Mal, versuchte als Klausurvorbereitung die Theorie Schopenhauers herunterzubeten (irgendwie gescheitert) und aß ein paar eklige Cheese-Nachos von “meinem” Norma.

4 Kommentare zu “Ich bin multitaskingsüchtig”

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