Persönlich

Frühlingsgefühle

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© akashgoyal

Jeden Tag, wenn die Sonne am höchsten steht, scheint sie auch in meine Wohnung. Meistens weckt sie mich dabei, manchmal setze ich mich ans offene Fenster und höre laut Musik.

Ich glaube, dass Sonne glücklich macht, ist irgendwo universal in jedem Menschen angelegt. Genetisch, frei nach der Devise je mehr Licht, desto mehr Aktivität, je mehr Licht, desto weniger Winterschlaf, je mehr Licht, desto mehr Leben draußen. Dagegen kann man sich nicht wehren, genauso wenig wie gegen Schmetterlinge im Bauch oder Klausurfragen, auf die man gerade keine Antwort weiß.

Ich hasse die Sonne, weil sie warm macht und Hitze ein Scheißgefühl ist. Ich würde lieber erfrieren, als verbrennen, auch wenn dieser Vergleich irgendwie hinkt und irrelevant ist, weil ich eigentlich noch gar nicht sterben möchte. Und wenn ich müsste, dann würde ich lieber vom Hochhaus fallen wollen oder friedlich einschlafen, denn neben Musik ist Schlafen bekanntlich mein Lebenselixier.

Aber gegen den Frühling bin ich machtlos, er ist zweifelsohne die schönste Zeit des Jahres, wenn man von ein paar anderen Dingen absieht. Die schönste Zeit des Jahres ist immer die, die am schönsten ist und so banal es klingt, das Wetter ist lediglich etwas, worüber wir reden, wenn es nichts anderes zu reden gibt. Ich mache mir einen Drink aus Zitrone, Sprudel und Eiswürfeln, Eiswürfel aus meinem Eisfach, so tiefgefroren, dass sie durch und durch weiß sind.

Frühlingsgefühle.

Im Frühling gehörte die Welt schon immer uns. Wir saßen hinter der großen, ehemaligen Kirche aus Backstein an einem der hunderten Amsterdamer Kanäle und winkten den Booten. Sangen Lieder und aßen Eis. Stolperten aus dunklen Schulräumen nach draußen und sahen die Bäume grün werden und freuten uns nach getaner Arbeit über die ersten Sonnenstrahlen. Wir gingen auf Tour durch Deutschland, lebten für die Musik und den Frühlingsduft an den Bahnsteigen und tanzten in fremden Parks zu Musik aus kleinen Lautsprecherboxen.

Spätestens morgen weckt er mich wieder: mein Frühling.

10 Kommentare zu “Frühlingsgefühle”

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