Familiennostalgie
Ich sitze im Wohnzimmer und meine Familie pennt. Vater, Mutter, Bruder. Oder Family, wie die coolen Kids sagen, die ihre Eltern auch ganz traditionell mit “Mum” und “Dad” ansprechen und die Worte dabei künstlich-amerikanisch in die Länge ziehen. Alles andere, was in meiner “Family” außer “Maaam”, “Däääd” und Bruder noch existiert, zählt eher zu den entfernten Verwandten.

Das war mein Großmutter väterlicherseits, sie hatte drei Söhne, die sich nach ihrer Aussage nie stritten und am Mittagstisch stets um Schnitzel mit Pulli-Pulli, Erbsen in Mayonnaise, kämpften.
Als sie einmal mit dem Auto unterwegs waren, parkten meine Großeltern den Wagen auf einem Hügel, stiegen aus um ein paar Besorgungen zu machen und ließen die drei Jungs, die in meiner Vorstellung stets den Eindruck von Tick, Trick und Track machen, allein in ihren Kindersitzen zurück. Es begann ein Überlebenskampf, denn das Auto rollte unermüdlich rückwärts, und steuerte die Brüder geradewegs in den Tod, ohne dass ihre Eltern auch nur das Geringste ahnten. Todesmutig, wie er schon immer war, zog mein Vater die Handbremse und rettete den Nachwuchs seiner Familie. Diese Geschichte erzählte meine Großmutter immer gern, wenn wir früher bei Tomatensaft und Toast im 18. Stock des Hochhauses saßen. Natürlich nicht, ohne zu erwähnen, dass ihr Ältester immer friedlich war und den Damen stets die Hand küsste. (Ob er dies allerdings freiwillig tat, ist mir nicht bekannt.)
Ich rannte viel lieber auf den Balkon, lehnte mich über die Brüstung und versuchte, ein wenig des väterlichen Todesmutes nachzuempfinden. Nicht selten stürzten sich Leute aus diesem Haus in die Tiefe und landeten im Sandkasten des angrenzenden Kindergartens. Nachdem ein Mann einmal seine kleinen Kinder mitnahm, wurden sogar alle öffentlichen Balkone vergittert.
Damals war ich vielleicht 8, gelangweilt und lebensmüde. Ich hüpfte im Fahrstuhl, benutze die kaputten Fitnessgeräte im Hochhauskeller und versteckte die Zigaretten meiner Großmutter. “Ich brauche keinen Mann.” verkündete ich damals. “Wir sprechen uns in zehn Jahren wieder.” meinte meine Oma altklug. Fast immer, wenn ich am Rhein entlangfahre, sehe ich die große Leuchtreklame des Hochhauses, es ist noch immer so steril und ich bilde mir ein, es wackle im Wind.






Hallo Ines,
solche Erlebnisse kenne ich nur zu gut. Erinnerungen, die durch Musik, vergangene Schauplätze, gewisse Redewendungen etc. hervor gerufen werden und kleine Geschichten aus der Vergangenheit wieder an das Tageslicht bringen. Ich liebe solche Deja-Vu Bilder, die sich in meinem Kopf abspielen, denn sie bedeuten nichts weiter als Erfahrungen, die man abgespeichert hat und die einen nachhaltig geprägt haben, denn sonst würde man sie ja nicht behalten haben. Logisch, oder? :-)
Lieben Gruß Max
P.S: Mein Blog ist nun auch online! ;) Habs geschafft, yeha! :D
Mmh,… manchmal mag ich sowas nicht, so “Deja-Vu”s.
Aber manchmal sind sie ganz lustig.
Meine Family ist nichts besonderes, weiß gar nicht, ob es solche Stooooooooriiiiies gibt ^^
Schon ein komisches Gefühl. Kommt mir aber so bekannt vor. Hatte das vor kurzem auch, aber irgendwie mag ich das auch, weil es oft einfach schöne Erinnerungen sind. :)