Persönlich

Die Flucht aus der Stadt

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Nur wenige hundert Meter von meinem Haus entfernt befinden sich die Felder. Dass sie da waren, wusste ich eigentlich schon immer - manchmal begegneten mir mittags auf dem Weg zur Uni ein paar Jogger oder ältere Frauen, die dort ihre Hunde spazieren führten. Aber mein Lebensumfeld erstreckte sich bisher eigentlich nur auf die Supermärkte in der Gegend, meine Tankstelle, den Weg zur Uni und die Innenstadt mit ihren Einkaufsstraßen, Geschäften und Fastfood-Restaurants.

Dabei habe ich lediglich fünf Minuten entfernt die Natur. Der Straßenlärm war mit einem Schlag verschwunden, stattdessen zirpten Grillen und ich inspizierte die umgeknickten Ähren auf den Feldern dahingehend, ob es sich nicht vielleicht um mysteriöse Kornkreise handeln könnte. Ich war einMedienopfer und ich konnte mich nicht daran erinnern, wann ich das letzte Mal aus der Stadt mit ihren Bussen, Dönerbuden und lauten Menschenmengen herausgekommen war.

Die Gegend erinnerte mich an die Landstriche, in denen ich früher im Urlaub mit meinen Eltern oft spazieren war. Wir waren abends essen im Restaurant, holten uns an der Eisbude eine Kugel Marzipaneis in der Waffel und spazierten dann durch den Ferienort. Auch wenn mich Familienurlaube meist zu Tode langweilten, war dort das Gefühl von Geborgenheit, das weit über üppiges Restaurantessen und frische Betten in Ferienwohnungen hinausging. Die reine Luft und der Geruch der Felder, während es langsam dämmerte. Und dann müde und glücklich ins Bett fallen und sich unter den blütenweißen Laken verkriechen.

Nun holte ich mir ein Stückchen davon nach Hause. Hin und wieder fahren ein paar Fahrradfahrer auf der schmalen Straße an mir vorbei. Ich sitze auf einer Bank, schaue über das Feld und höre den Grillen zu. Für einen Moment vergesse ich den Stress. Die Zukunft. Die To-Do-Listen. Den Stadtlärm. Den Bunker, in dem ich morgen sitzen und all mein Wissen zu Papier bringen werde. Es wird langsam dunkel, hinten flimmern die Lichter der Stadt und die Luft riecht nach Sommer und ein bisschen nach Marzipaneis.

5 Kommentare zu “Die Flucht aus der Stadt”

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