Die Flucht aus der Stadt

Nur wenige hundert Meter von meinem Haus entfernt befinden sich die Felder. Dass sie da waren, wusste ich eigentlich schon immer - manchmal begegneten mir mittags auf dem Weg zur Uni ein paar Jogger oder ältere Frauen, die dort ihre Hunde spazieren führten. Aber mein Lebensumfeld erstreckte sich bisher eigentlich nur auf die Supermärkte in der Gegend, meine Tankstelle, den Weg zur Uni und die Innenstadt mit ihren Einkaufsstraßen, Geschäften und Fastfood-Restaurants.
Dabei habe ich lediglich fünf Minuten entfernt die Natur. Der Straßenlärm war mit einem Schlag verschwunden, stattdessen zirpten Grillen und ich inspizierte die umgeknickten Ähren auf den Feldern dahingehend, ob es sich nicht vielleicht um mysteriöse Kornkreise handeln könnte. Ich war einMedienopfer und ich konnte mich nicht daran erinnern, wann ich das letzte Mal aus der Stadt mit ihren Bussen, Dönerbuden und lauten Menschenmengen herausgekommen war.
Die Gegend erinnerte mich an die Landstriche, in denen ich früher im Urlaub mit meinen Eltern oft spazieren war. Wir waren abends essen im Restaurant, holten uns an der Eisbude eine Kugel Marzipaneis in der Waffel und spazierten dann durch den Ferienort. Auch wenn mich Familienurlaube meist zu Tode langweilten, war dort das Gefühl von Geborgenheit, das weit über üppiges Restaurantessen und frische Betten in Ferienwohnungen hinausging. Die reine Luft und der Geruch der Felder, während es langsam dämmerte. Und dann müde und glücklich ins Bett fallen und sich unter den blütenweißen Laken verkriechen.
Nun holte ich mir ein Stückchen davon nach Hause. Hin und wieder fahren ein paar Fahrradfahrer auf der schmalen Straße an mir vorbei. Ich sitze auf einer Bank, schaue über das Feld und höre den Grillen zu. Für einen Moment vergesse ich den Stress. Die Zukunft. Die To-Do-Listen. Den Stadtlärm. Den Bunker, in dem ich morgen sitzen und all mein Wissen zu Papier bringen werde. Es wird langsam dunkel, hinten flimmern die Lichter der Stadt und die Luft riecht nach Sommer und ein bisschen nach Marzipaneis.



Das klingt wunderschön. Hier in Berlin ist die Natur nicht gerade weit gestreut, nur ein paar Parks laden zum illusionierten Naturspaziergang ein, für mich als Bayer, der die weiten Felder zwischen den Dörfern gewohnt ist, natürlich eine Schmach. Aber so eine Auszeit kann wahre Wunder bewirken. Marzipaneis… lecker.
@ Marci: Ja, die meisten Berliner bzw. Berlinbewohner, die ich kenne, meinen auch immer, es sei wichtig, auch mal rauszukommen aus der Stadt - und das schafft man bei Berlin ja nicht immer. Das hab ich schon gemerkt wenn ich nur mal eine Woche dort war und wir dann am Wochenende für ein Konzert nach Potsdam gefahren sind - das war schon von der Luft her ein krasser Unterschied und mal eine schöne Auszeit.
Und Marzipaneis ist super, das kauf ich mir auch hier beim Eismann gern. Da heißt es allerdings “Mandel”, aber ist ja alles das gleiche…
Ich leb aufn Land… wenn nachts nichts zu hören ist, krieg ich Angst, dass die Welt untergeht XD
Obwohl ich in einer wirklich kleinen Kleinstadt wohne, gibt es hier auch noch zu viele Abgase / Umweltvernichtende Rauchschornsteine etc.
Aber ich bin froh den Wald in unmittelbarer Nähe zu haben.
Zu Fuß brauche ich ca. 5 minuten und ich stehe in einem dichtem Wald.
Dort ist auch mein Lieblingsplatz.
Einen bestimmten Baumstumpf hab ich zu meinem Lieblingsplatz auserkoren. Dort verbringe ich meistens Zeit wenn ich mit / in mir selber mal eine Auszeit brauche.
Momentan fast mehr als Zuhause.
Vielleicht sollte ich mir Sorgen machen…
Aber nur vielleicht.
Wenn man seit seiner Geburt umgeben von Feldern und Wäldern lebt, weiß man sowas gar nicht mehr zu schätzen. Naja.
Schöner Eintrag :)