Damals hieß das noch Erstsemester
“Ersti-Tag, wie das klingt… also bei uns hieß das noch Erstsemester.” Meine Mutter recherchierte schon wieder auf der Uni-Website und gab mir das Gefühl, faul, unmotiviert und uninformiert zu sein. Wahrscheinlich wusste sie mindestens doppelt so viel über mein Studium wie ich und konnte mir erzählen, dass sich 2499 Menschen mit mir auf 70 Studienplätze beworben hatten oder dass man mit der Mensa-Card auch im Juridicum kopieren kann.
Ich zuckte die Schultern und ging trotzdem hin, selbst zur lustigen Bonn-Rallye, die daraus bestand, im Bistro ältere Stundenten zu verwundern während wir uns um den Heizstrahler tummelten und versuchten, auf der Karte den Preis für ein Pils herauszufinden. Überhaupt, wer geht eigentlich in ein Bonner Studentenbistro und trinkt dort ein Pils?
Eines Tages werden wir auch über die Erstsemester schmunzeln, die hektisch die Straße entlanghetzen und wissen wollen, wo “Medienwirkungen” von Michael Jäckel steht oder sich zu sechst auf die blaubelichtete Mensatoilette quetschen, um ein möglichst originelles Foto zu schießen. Ich überlegte mir, ob man tatsächlich im blauen Licht seine Venen nicht findet, traute mich allerdings nicht, es auszuprobieren. Ganz davon abgesehen, dass ich meine Venen eh noch nie gesehen habe, noch nicht einmal beim Arzt, und mich somit wohl eher schlecht für eine Heroinsucht eignen würde.
In der Mensa stecke ich mir die neue UNICUM-Ausgabe ein, “Das rockt!” klang irgendwie vielversprechend und der Titel zeigte einen gitarrespielenden Studenten im grünen Waschsalon. Über das Inhaltsverzeichnis war ein Gratis-Kondom geklebt, Durex Performa in easy-on Passform für extra langen Spaß. Wir sind schließlich Studenten, da scheint man so etwas zu brauchen. Überhaupt scheint der typische Student so einiges zu brauchen und sich nur von Kaffee und Zigaretten zu ernähren, einmal abgesehen vom Mensa-Essen für ein paar Euro und Sonderangeboten der Bonner Studentenkneipen. Draußen standen die Fahrräder, drinnen gab es Astra-Tage und Longdrink-Specials, durch die Boxen tönte “What A Waster” und in der Luft lag allgegenwärtig die Uni.
Am Ende des Abends bleiben nur noch wir übrig. Und die Fachschaft.




Bei uns haben Sie nicht so viel trara gemacht -_-
auch beim meinem 1. einschreibevorgang nicht. besser die bieten zuviel kram an, als zuwenig :)
Bei mir gabs leider keine Stadtralley was ich relativ schade fand, da ich mich dort immer noch schlecht auskenne… Es gab aber einen Kneipenabend, der wahnsinnig gut organisiert war *hust*
Lg vom anderen Ersti
Nadine
Das Stundentenleben muss echt beschissen sein. (Achtung: Ironie! Denn ich geh auf eine beschissene Berufsschule… Obwohl ich in 2 Jahren auch Studieren könnte, werde es aber wohl nicht machen. Bin einfach zu faul..m Aber mal gucken was die zukunft so bringt. )
Ach hört sich doch voll lustig an, Bonn war mir zwar als Stadt noch nie besonders sympathisch, aber vielleicht änderst ja meine Ansichten. Viel Spaß beim Rumstudieren.
@ sabberlabbe: Naja, bei uns kam das auch recht kurzfristig, es gab sehr wenig Information und erst kurz vor Anmeldeschluss kamen dann die Infoveranstaltungen und der Erstsemester-Tag von der Fachschaft. Aber besser spät als nie :)
@ Nadine: Bei unserem Kneipenabend war das Problem, dass wir schon um die 20-30 Leute waren und es somit schwer war, überhaupt etwas zu finden, wo wir reingepasst hätten. Aufteilen wäre auch nicht sinvoll gewesen, weil man sich ja untereinander kennenlernen wollte… Aber irgendwie hat es dann doch hingehauen und es war echt ein netter Abend.
@ René: Zu faul zum studieren? Ich will ja nicht sagen, dass Studenten ein Lotterleben führen, aber der Vorteil vom Studium zur Schule ist ja, dass man es sich so gestalten kann, wie man möchte, sowohl die Übereifrigen als auch die Faulen. Klar, wer keinen Bock drauf hat, der sollte es sein lassen, aber wenn man die Möglichkeit hat, sollte man sie nutzen, denn es ist echt eine tolle Erfahrung, denk ich.
@ Marcel: Also grundsätzlich fällt mir nichts ein, was Bonn sonderlich unsympathisch macht, es bringt halt als kleinere Großstadt nicht immer die optimalen Voraussetzungen mit, die man sich wünscht, aber ansonsten ist es echt eine schöne Stadt. Und das Studium dort kann sich auch sehen lassen.
och sei froh, als Master ist man bei solchen Aktionen immer das fünfte Rad am Wagen. Aber Du scheinst Dich ja so langsam einzuleben, in Deiner neuen Stadt. Schön! Und wart erstmal das dritte Semester ab, da ist man dann so richtig drin :)
@ Jules: Master-Leute gibt es bei uns auch ein paar, aber die sind eher die Ausnahme. Und ich glaube auch, nach ein oder zwei Semestern ist man drin und dann ist die ganze Sache auch um einiges transparenter… nächste Woche fangen jedenfalls meine Vorlesungen an, ich bin mal gespannt…
Noch viel schlimmer als “Erstis” finde ich ja persönlich “Studis”. Okay, bei StudiVZ dachte ich einfach, das wäre halt ne praktische Abkürzung, damit die URL nicht ungefähr hundert Stellen lang ist, aber dass Leute diesen Ausdruck tatsächlich im alltäglichen Sprachgebrauch benutzen, finde in schon höchst suspekt. Ich bleibe bei “Erstsemestern” und “Studenten”!! =)
@ Sabrina: Oh ja, “Studis” ist auch so ein Unwort… Überhaupt fühlt man sich da wieder zurückversetzt in die Zeit, als man noch ABC-Schütze und Erstklässler war, auch ein “Ersti” sozusagen. Aber vielleicht ist das ja auch Absicht ;) Nächstes Wochenende gehts erstmal auf “Ersti-Fahrt”, mal gucken, wie das wird. Anfangs wollte ich nicht mitfahren, aber wir sind doch eine ganz nette Truppe und es wird sicher ganz lustig.
& “Erstsemeser” und “Studenten” FTW. Alles andere klingt super dämlich.
Du packst das. Ah, bei mir hats schon lange angefangen. Ach mit den Begriffen, mach Dir keinen Kopp, in spätestens vier Wochen redest Du auch in dem Jargon. Ging mir zumindest so. Oh und Ersti-Fahrten sind toll, sind ne menge schräge Leute dabei, aber man kann auch einfach manche sehr nette finden und das geht leichter, als so in der Uni.
hi nochmal :>,
auch wenn dein kommentar an rene gedach war, habe ich ihn einfach gelesen ^^
das mit dem ‘gestalten’ ‘wie man möchte’ wird allerdings auch immer mehr eingeschränkt. ich habe nach dem studiumabbruch (diplom), jetzt einen bachelor und das einzige was man wählen konnte, war die zeit bei 2-3 der übungen/tutorien. und eine vorlesung konnte man wechseln. die restlichen vier vorlesungen/übungen/tutorien sind fest, sowie, welche man belegen/besuchen muss. beim diplom konnte ich mir mehr oder weniger aussuchen wann ich was mache.
auch hat man nur 8 semester zeit für den bachelor, sonst bekommt man schwierigkeiten mit der studienordnung (hier zumindest). wie das mit den prüfungen genau ist, weiß ich noch nicht, aber man hat auf jeden fall deutlich mehr einschränkungen, als beim diplom.
ich würde jedem raten das diplom zu machen solange es noch geht (und das ist nicht mehr lange).
aber kommt zeit kommt rat..oder so
viel glück für dich und für mich :D
ciao manu
ps: will mal nicht so sein: viel glück auch den anderen studenten :P
@ Jules: Oh ja, ich habs ja in der Schule gemerkt, Oberstufe und das Wahlsystem klingt auf den ersten Blick super kompliziert und nach nem halben Jahr ist man totaler Insider.
&Ja, vor allem nach dem Kneipenabend denk ich schon, dass die Fahrt ebenfalls lustig wird. Bin mal gespannt ;)
@ Manuel: Naja, das ist vielleicht auch ein wenig falsch rübergekommen - wenn du vorher auf Diplom studiert hast, machen sich die Änderungen beim Bachelor natürlich bemerkbar und auch alle anderen Erstsemester kriegen das zu spüren. Ich muss beispielsweise auch Dinge belegen, die ich nicht unbedingt freiwillig genommen hätte, einfach weil beispielsweise nur Dozenten zu Osteuropa da sind und der Pflichtbereich dann einfach ein wenig auf Osteuropa erweitert wird… ich glaube, da ist niemand wirklich glücklich mit ;)
Aber ich denke, wenn man von der Schule kommt, ist das Studium schon eine recht positive Abwechslung. Ich war echt erstaunt, wie viel lockerer es eigentlich ist.
& Danke, das Glück kann ich sicher gebrauchen ;)
eine gewisse pejoration ist in dem wort ersti ja auch schon angelegt… aber nett :)
ihr werdet später auch denken “och süß, erstis.. die fragen nachm klo…”
zum thema osteuropa: es wurden die magisterfächer Musikwissnschaft, allgemeine Sprachwissenschaft, Medienwissenschaft, Kommunikationsforschung und Phonetik, sowie slavistik abgeschafft und unter EINEM bachelor studeingang mit 55 plätzen (+begleitfächler, ok..) fortgeführt…
das erklärt zum einen die zusammensetzung eures pflichtbereichs, zum anderen ist es symptomatisch für einen studienplatzabbau ekelhaften ausmaßes….
@ Christoph: Ui, ich tippe auch immer die Domains von Mailadressen ein, die nicht Web, GMX oder AOL sind ;)
&Ja, ich weiß, man fängt ja immer wieder im Leben neu an, wenn man dann mal ins Berufsleben einsteigt, wirds ja nicht anders. Grad hat man sich dran gewöhnt, “groß” zu sein, ist man schon wieder “klein”…. tja.
Danke für die Erklärung :) Und wenn ich dann so höre, wie es bei anderen Leuten beim Studium zugeht, da will ich mich gar nicht beklagen, manche haben echt abartige Dinge zu machen und Übungen mit weit mehr als “nur” 60 Mann.