Klammerauf.org
I'm Ines and this is my blog. I'm twenty and I currently live in Berlin, Germany. I love music, art and the simple pleasures of life which is basically what this is going to be all about.
Kultur
12

Ah-Oh und Winke-Winke

teletubbyland.jpg
© Google Maps

Hier, nahe dem süd-englischen Stratford-upon-Avon, Shakespeares Geburtstadt, liegt bzw. lag es: das reale Teletubbie-Land. In mir breitet sich ein Gefühl der Angst aus. Ich habe Angst vor dieser heilen Welt, Angst davor, dass sie in echt existiert, wenn auch nur als Drehkulisse. Die beschaulichen, kleinen Wesen, die über den Bildschirm hüpfen und “Nochmal! Nochmal!” rufen, sind in Wirklichkeit Giganten, Tinky Winky beispielsweise ist an die 3 Meter groß und sieht ohne Kopf so aus. Po hat da mit ihren 2,50 Metern fast noch Glück gehabt.

Mal ganz abgesehen davon, dass die Teletubbies unsere Kinder verdummen und zur Homosexualität erziehen, sind sie mir reichlich egal. Vielleicht habe ich Angst vor zu heilen Welten, dem Aufeinandertreffen von Realität und Fiktion oder einfach nur vor pseudofröhlichen Monstern. Ich weiß es nicht. Jedes Mal, wenn ich das Tubbieland von oben sehe, läuft es mir noch immer kalt den Rücken herunter.

23.09.2007 at 05:38 pm
Persönlich
11

Konsum

Dinge, die ich haben möchte:

konsum.jpg

(1) Kopfhochpillen von liebeskummerpillen®
(2) “Ich bin kein Berliner” und “Mein Leben im Schrebergarten” von Wladimir Kaminer
(3) Eine super billige Sonnenbrille von Keep Company
(4) Die Ärzte - Jazz ist anders, Die Ärzte - Junge (Single), Babyshambles - Shotter’s Nation
(5) Ein The Streets Feuerzeug. Das The Streets Feuerzeug.
(6) The Headhoops Buttons. Für uns und unsere Freunde.
(7)
Ein Holzfällerhemd. Mein Traum. Ich werde es umnähen und es wird perfekt.
(8) Initial Rings von GirlProps, wahlweise auch mit anderen Wörtern
(9) MultiPlux Profi-Gehörschutz für Konzertbesucher, von Musicsafe
(10) Ein professionelles Diktiergerät
(11) Die BahnCard 50
(12) Ohrringe, gibt’s auch bei GirlProps. Mir egal, dass Lily Allen die auch hat.
(13) Kleine bunte Kugelschreiber!
(14) Ein iPod-Nano-Dock für die 1. Generation. Gern auch die No-Name-Version.
(15) Einmal im Leben eine Obdachlosenzeitung.

Im Großen und Ganzen beschränken sich meine Wünsche allerdings doch eher auf immatrielle Dinge. Was waren das noch für Zeiten, wo man zu jedem Kindergeburtstag eine lange Wunschliste parat hatte…

Wer will, kann das Ganze natürlich auch als Stöckchen übernehmen. Aber bitte mit Collage.

22.09.2007 at 03:24 pm
Persönlich
16

Mein Handy und ich

Mein Handy und ich lebten nebeneinander her. Keiner war wirklich abhängig vom anderen und das war auch gut so. SMS schreiben? Nervig und mühsam. Anrufen? Teuer und mühsam. Handyspiele? Nach einer Woche langweilig und mühsam. Fotografieren? Schlechte Qualität und mühsam. Ton aufnehmen? Praktisch für Interviews, ansonsten mühsam.

handy.jpg
© The Cobrasnake

Aber nun ist alles anders. Im TXL-Bus zum Flughafen merkte ich, dass irgendetwas in meiner Tasche fehlte. Das Handy. Entweder lag es irgendwo auf der Kreuzung am Alexanderplatz oder in Sarahs Bett. Während ich wie immer auf den letzten Drücker eincheckte, war mein erster Gedanke: Sarah anrufen und fragen.

Nur wie, mit lediglich 70 Cent im Geldbeutel und ohne Telefonbuch im Sicherheitsbereich des Flughafen Tegel? Ich malte mir aus, was ich alles verloren hätte. All die Telefonnummern. Alte Freunde, neue Freunde, Familie, britische Musiker, Lehrer, Pressemenschen. Die besten Textmitteilungen der Welt. Meinen Gary-Numan-Klingelton, eine Hommage an die Tundra-Episode von The Mighty Boosh. Meine perfekte Telefonnummer.

Und außerdem ein altes, halb kaputtes Mobiltelefon. Das Berlin 05 Festival für junge Politik hatte eine kleine Schramme auf dem Display hinterlassen, draufladen kann ich nichts, da die zugehörige Software nicht mit Vista kompatibel ist und der Joystick klemmt manchmal. Ich glaube, Sony Ericsson will mir damit sagen, dass ich mir schnellstens ein neues Modell zulegen soll. Von Sony Ericsson natürlich.

Das verlorene Handy ließ mich nicht los. Zu Hause angekommen schrieb ich Sarah, die gerade vom Goose-Gig zurück war. “Nachdem ich dich soeben angeklingelt habe, habe ich festgestellt, dass du es vergessen hast” schrieb sie mir zurück. Puh, ich warte sehnsüchtig auf das Päckchen aus Berlin. Die Moral von der Geschicht: Wir sind doch irgendwie abhängiger, als wir immer denken.

20.09.2007 at 02:50 am
Unterwegs
11

Es wird Herbst

Während ich mir gestern Abend bei den warmen Temperaturen mit meiner Mütze schon fast dämlich vorkam, regnete es heute Morgen in Strömen. Und es war kalt. Ich begab mich auf einen morgendlichen Ausflug zu Maries Wohnung quer durch Friedrichshain und verzweifelte schließlich unter einem Kneipen-Regenschirm neben dem Plus.

herbst.jpg
© Jonas Dittmar

Nun bin ich wieder zurück in Köln und auch hier ist es Herbst. Wenn man abends aus der Bahn steigt, ist es schon dunkel, die Bäume bombardieren harmlose Spaziergänger mit Kastanien und der Satellit hat keinen Empfang, weil es zu windig ist. Sämtliche Bands kündigen Touren an, weil die Festivalsaison (endlich) zu Ende ist, die Pyjamas werden länger und wenn man im T-Shirt draußen herumrennt, droht die Erkältung.

Hier meine ultimativen Tipps für einen schönen Herbst 2007:

  • Eine Party über den Dächern der Stadt feiern, mit Musik, dicken Jacken und bunten Tüchern. So wie die Rakes im “We Danced Together”-Video.
  • Mützen kaufen und tragen. Eine Bommelmütze, eine Baskenmütze oder ganz einfach eine billige H&M-Strickmütze.
  • Mit der Familie Federweißen trinken, der eher nach Limo als nach Wein schmeckt. Wahlweise auch mit Zwiebelkuchen von Mama (oder aus dem Supermarkt, falls Mama nicht backen kann).
  • Sich mit einem Berg frisch ertauschten Büchern ins Bett verkriechen.
  • Gemütlich mit Freunden essen gehen, zum Beispiel im White Trash in Berlin. Bei gedimmtem Licht, chinesischer Wanddeko, Bier und einem Chili Cheeseburger mit Pommes.
  • Die Herbstsonne genießen. Immerhin folgen einige Monate ohne wärmende Sonne und wen das stört, der sollte lieber tanken, anstatt im Winter über die Kälte zu nörgeln.
  • Schöne Frauenmusik hören, wie die von Amy Winehouse, Regina Spektor, Kate Nash, Laura Marling oder Emmy The Great.
  • Durchsichtige Regenschirme. Da wirkt selbst das regnerischste Wetter hell, freundlich und weniger grau in grau.

Also ich bin gewappnet. Und triste kahle Bäume, papperlapapp, der Herbst ist eine schöne Zeit des Umbruchs, für alle, die mal was verändern wollen.

19.09.2007 at 01:24 am
Unterwegs
14

Ein Morgen in Berlin

berlin_warschauer.jpg
© Steffen42

Als wir morgens an der Warschauer Straße nach Hause kommen, eröffnet der Crêpe-Mann gerade seinen Stand. Der Wind pfeift kalt auf der Brücke und am Straßenrand steht ein Mann mit Gitarre, der sicher genauso müde ist wie wir. Das Geklimper soll wohl Oasis darstellen, denke ich mir, und wir gehen weiter, vorbei am Matrix, vor dessen Tür noch immer ausnüchternde Besucher herumlungern. Die kennen bestimmt Bushido persönlich.

Vorurteile habe ich allerdings keine, Berlin ist eine tolerante Stadt. Die angetrunkene, taubstumme Clique, der Goliath mit schwarz-weißem Irokesen, die mürrischen Rentner - das alles ist keine Besonderheit und auch wenn sich die Leute hier mehr Zeit nehmen, jegliche Auffälligkeiten ihrer Mitmenschen lautstark zu kommentieren, gibt es für jeden irgendwo einen Ort, an dem er unter Seinesgleichen ist. Man muss nur wissen, wo.

Mittlerweile ist es Mittag, nach acht Stunden Schlaf scheint über Berlin die Sonne, im Fernsehn läuft ein Sean-Connery-Film und ich habe einen guten Blick auf die wunderschönen Altbauten gegenüber. Gegen aufkommende Sonntags-Langeweile hilft nur eines: hausgemachter Käsekuchen bei Freunden in Zehlendorf.

16.09.2007 at 01:58 pm
Unterwegs
8

Auf ein Neues in die Hauptstadt

berlin1.jpg
© Aennekin

In etwas weniger als 2 Stunden fährt mein Zug und die Zeit bis zum 18. September werde ich mal wieder in Berlin verbringen. Unsere geplanten Aktivitäten reichen von indisch Essen über IAMX bis hin zu ominösen Clubnights und ich bin gespannt, was das Leben so bringt.

Werd mich jetzt mal anziehen und mein Online-Bahn- und Flugticket ausdrucken. Schönes 21. Jahrhundert. Bis nächste Woche! (Auch wenn ich für das ein oder andere Berlin-Update sicher nochmal den Weg zu einem Computer finden werde.)

13.09.2007 at 12:37 pm
Persönlich
4

French Connection

malajube.jpg

Diese Frankokanadier, mit denen ich gestern Abend das Vergnügen hatte, nennen sich Malajube. Sie singen auf Französisch, aber live merkt das kaum einer und ich bin überzeugt, dass sie genauso gut Kochrezepte singen könnten.

Meine Französischkenntnisse beschränken sich im Allgemeinen auf “Je m’appelle Ines et j’aime la musique du rock”, außerdem kann ich spärlich bis 10 zählen. In der 11. Klasse dachte ich mir als langjähriger Lateinschüler, es sei cool, jetzt noch schnell eine lebende Fremdsprache zu lernen - man muss schließlich alles mitnehmen, was man kriegen kann. Dass Schule allerdings kein Supermarkt ist, lernte ich schnell. Schon als unsere Lehrerin mit deutschem Doppelnamen uns auf Französisch begrüßte, wusste ich: Dieses Fach wähle ich so schnell wie möglich wieder ab.

Wenigstens bestand der gesamte Kurs aus Anfängern und wir lernten alles von Grund auf - die einen langsamer, die anderen schneller. Da war zum Beispiel mein Sitznachbar Marcus, der immer mit Tintenroller schrieb und mir während der Stillarbeit Dinge wie “La erection!” ins Ohr flüsterte - dabei weiß doch jedes Kind, dass “die Erektion” im Französischen männlich ist und es somit “L’erection!” heißen müsste.

Da die Französischstunden in die nullte Stunde fielen, war es teilweise noch mitten in der Nacht, wenn wir uns im ersten Stock zur fröhlichen Runde versammelten und man sah die glühende Sonne am Himmel hinter Porta aufgehen. Trotz dieser Romantik wählte ich nach schon einem halben Jahr Hals über Kopf ab. Auf meinem Abizeugnis steht nun “Französisch - 11.1 bis 11.1″ und darauf bin ich mächtig stolz.

12.09.2007 at 03:34 pm
Kultur
72

Emo Lovestory

emolovestory.jpg

Was ist los mit dieser Welt? “Heul doch, Emo!” heißt eine neue Foto-Love-Story der BRAVO und sie handelt von einem süßes Emo-Girl, das mit seiner neuen Emo-Clique gegen fiese Vorurteile kämpft. Abgesehen von den sehr realitätsnahen Dialogen, den Schenkelklopfer-Emowitzen, den aus dem Leben gegriffenen Gedanken und der cleveren Storyline, doch irgendwie beängstigend.

10.09.2007 at 02:55 pm
Unterwegs
10

Wie bestellt und nicht abgeholt

Heute telefonierte ich mit Franzi, sie wohnt nun nahe Leeds in England. Dort, wo jeder Schüler eine ID-Card um den Hals tragen muss, damit niemand auf der Schule die Polizei ruft, und die Leute einen liebenswerten Akzent sprechen, den der ein oder andere ungebildete Deutsche noch nicht einmal als vernünftiges Englisch wahrnehmen würde.

Es gibt allerdings auch Menschen aus Leeds mit schönen Akzenten. Ricky Wilson zum Beispiel, in dem ich mich auf einem Showcase im Februar unterblich verliebte - weil er meiner Meinung nach meinem Lieblingsmusiker ähnelt und das, obwohl die Kaiser Chiefs schon fast zu Mainstream zum cool sein sind.

hello.jpg
© Emo Squid

Die Sache mit den ID-Cards hat mich trotz allem am meisten geschockt. Natürlich weiß man so bei der ersten Begegnung gleich, wie das Gegenüber heißt und in welche Klasse er oder sie geht, wirkt allerdings gleichzeitig wie bestellt und nicht abgeholt. Ich fühlte mich zurückerinnert an die Zeit als sehr junger Fluggast mit einer gelborangenen, hässlichen LTU-Mappe um den Hals, die meine persönlichen Daten sowie Informationen über meine Reise enthielt. Damit ich auch ja am Ziel ankomme. Meist trug ich diese Tasche in der Hand, das sah cooler aus und man wirkte nicht ganz so bescheuert.

Als ich 9 war, flog ich das erste Mal allein in die Schweiz. Dort wohnte mein Onkel, bevor er zum Drehbuchschreiben nach China auswanderte und er nahm mich gerne für ein paar Tage bei sich auf. Ich fand das Fliegen spannend, denn als alleinreisendes Kind genoss man die volle Aufmerksamkeit der Stewardess, bekam Malbücher und Känguru-förmige Chips umsonst und durfte als erster ein- und aussteigen, sowie im Zubringerbus beim Fahrer sitzen. So lernte ich Daniel kennen, ebenfalls alleinreisend und aus Köln. Er war ein wenig jünger als ich und rief ständig über den Not-Knopf die Stewardess, um sie nach neuen Malbüchern zu fragen. Sie half ihm gern, bat ihn jedoch, in Zukunft nur noch bei Notfällen zu drücken. Gesagt getan, es bimmelte wieder. “Habt ihr auch noch einen Spitzer?” Die arme Frau war mit ihren Nerven am Ende.

Jetzt fliege ich nur noch mit Billigfluglines, beteilige mich am CO2-Ausstoß und muss vor allem keine hässliche Mappe mehr um den Hals tragen. Die britischen Schüler übrigens finden die ID-Sache ganz in Ordnung (”damit keiner randaliert”) und Ricky Wilson spielt im November in den größten Hallen, die unser Land für Pseudo-Indie-Konzerte zu bieten hat. Wird wohl nichts mit der Hochzeit.

09.09.2007 at 08:35 pm
Kultur
3

Verschwende deine Zeit

Morgen sehe ich zum zweiten Mal The Twang (UK). Eigentlich finde ich diese Band grottenschlecht, die Indie-Hype-Version von Good Charlotte gekreuzt mit Wannabe-The-Streets und zwei Frontmännern, von denen einer im Grunde genommen vollkommen überflüssig ist. Gegen die sind selbst The Enemy spannend.

thetwang.jpg
© The Twang

Aber ich gehe hin, weil ich umsonst reinkomme und um die Band in meinem Konzertbericht zu verreißen und frage mich gleichzeitig, wie pathetisch ich schon bin, dass ich meine Zeit mit Dingen verschwende, von denen ich schon im Vorneherein weiß, dass sie schlecht sein werden.

Doch ich bin nicht allein. Wir tun vieles, was wir eigentlich auch sein lassen könnten und verschwenden unsere Zeit mit unnötigen Dingen. Wir lesen langweilige Bücher “die man mal gelesen haben sollte” und wissen schon vorher, dass sie uns nicht gefallen werden. Wir zahlen 6 Euro für einen bescheuerten Kinofilm und ziehen uns stundenlang dämliche Fernsehserien rein, um am Ende mitreden zu können. Wir zwängen uns in unbequeme Kleider, nur weil sie scheinbar “in” sind und quälen uns durch uninteressante Blogs, nur weil sie weit oben in den Deutschen Blogcharts vor sich hin dümpeln.

Kultur ist irgendwie scheiße. Aber bevor ich Freitagabend zu Hause bleibe, ziehe ich mir eben eine überbewertete Band rein, mache das Beste draus und höre auf zu meckern. Denn Meckern ist noch beschissener als Kultur und The Twang zusammen.

07.09.2007 at 02:24 am
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