Ich gebe es ja zu, ich hinke der Zeit ein wenig hinterher. Aber erst vor ein paar Tagen hielt ich endlich die neue (aka. vor-vorletzte) Ausgabe des New Musical Express in meinen Händen und las im Presseladen am Hauptbahnhof aufmerksam die diesjährige Cool List, eine Top 50 der “coolsten” Persönlichkeiten im britischen Musik-Imperium. Gekauft habe ich den Kram nicht, immerhin kosten die paar Seiten hierzulande 5,50€, ohne dass wirklich etwas Weltbewegendes drinsteht. Aber ich verschluckte mich beinahe an meiner Zunge, als ich die Liste überflog und will es mir nicht nehmen lassen, die Plätze 1 bis 10 sinnvoll zu kommentieren.

1. Frank Carter (Gallows)
Who the fuck are Gallows? Klar, de gibt’s, aber was macht einen blutliebenden Tatookünstler, der hobbymäßig in einer Punkband spielt, zum coolsten Menschen des kleinen NME-Universums? Tja. “I’ve gotta get a ‘Fuck The NME’ tattoo,” he declared. “I did say if they put me Number One I’d get it done, because they’d probably think that was cool and that would cement my place for next year.” (Quelle) Ahja.
2. Jamie Reynolds (Klaxons)
BITTE? Nichts für ungut, aber - erm… sorry, aber… Anfangs des Monats traf ich bei meinem heißgeliebten London Calling Festival meine aufgeregten Freunde “Jamie Reynolds is here!” - “Erm… so which Klaxon is it?” - “The fat one.” - “The fat bearded one?” - “Yes.” - “Ah!” Alles klar. Ich war ratlos, denn welcher gehypte Brite hängt am Wochenende in Amsterdam rum, wenn er nicht grad selber dort spielt? Gras kriegt man doch schließlich auch in Camden. Aber ich wurde aufgeklärt, der Jamie (nicht zu verwechseln mit James oder gar Simon) ist nämlich mit Lou Hayter (Keyboarderin von New Young Pony Club und #36 dieses Jahr) zusammen - und die spielte zufällig an diesem Abend. Ist eh alles Inzest.
3. Lovefoxxx (CSS)
Apropos Klaxons… Noch so ‘ne Romanze von der NME New Rave Tour aka. britische Rockstar-Singlebörse #1. Simon und Lovefoxxx, die sicher nur einen solchen Künstlernamen hat, weil ihr bürgerlicher Name brasilianisch und nicht aussprechbar ist. Hat mich damals auf die Bühne geholt und schenkte mir Redbull - dass dieses Getränk bei mir Kotzreiz auslöst, konnte sie ja nicht wissen.
4. Ryan Jarman (The Cribs)
Der Cribs-Gig dieses Jahr war ja bei mir getränkt in allgemeiner Abschiedsstimmung und daher etwas ganz Besonderes - im Gegenteil zum Comeback der Cribs. Das war irgendwie, naja, sagen wir lahm. Vor knapp 2 Jahren, bei den NME-Awards 2006 nämlich, sprang Ryan doch tatsächlich auf den Tisch der Kaiser Chiefs (und verletzte sich nebenbei schwer) - heute ist er eher ein wenig in die Jahre gekommen.
5. Lethal Bizzle
Wer Hip Hop macht, möglichst Brite und nicht Ganxtah ist, ist schonmal cool. Hat damals mit Kanye West geklappt (obwohl der ja bekanntlich kein Brite und irgendwie doch ganz schön asozial ist), Mike Skinner ist eh ein Held (das mein ich durchaus ernst) und wenn Mr. Bizzle dann auch noch einen auf Electro macht, kann ja nichts mehr schiefgehn. Niedlich ist er ja schon - bizzle bizzle!
6. Alex Turner (Arctic Monkeys)
Hachja, was waren das noch für Zeiten, als der kleine, pickelige Alex (war es 2005?) den ersten Platz belegte. Wir lachten uns kaputt, weil er selbst Pete & Carl toppte - aber klein Alex ist erwachsen geworden, angeblich hat er mittlerweile sogar Bartwuchs und außerdem das zweite Album draußen. Cool.
7. Kate Nash
Ich kenne niemanden, der in Deutschland vor allem in der zweiten Hälfte des Jahres so gehyped wurde, wie sie. Auf einmal hört man Dinge wie “Die singt auf britisch, oder? Das klingt ja mal interessant!” Oho! Alle Konzerte sind ausverkauft, sie lacht mich jeden Tag vom Plakat an und wirkt dabei wie die Plain White T’s gekreuzt mit Paolo Nutini und Lili Allen. Doch wer Kate Nash schonmal live gesehen hat, wird mir zustimmen, dass sie doch durchaus charmant ist. Und vielleicht ein bisschen cool.
8. Amy Winehouse
Keine wurde so viel gedisst und ge-gossipt wie Amy Winehouse. Plötzlich hatte sie einen Ehemann, ein passendes Tattoo und eine kleine Heroinsucht und wer den ganzen Tag taff und Explosiv guckt, muss wohl irgendwann wirklich der Meinung sein, man könne als “Junkie” seinen Lebensunterhalt verdienen und dass “Rüpel-Rocker” eine angesehene Berufsbezeichnung ist. Amy Winehouse hats allen gezeigt und verdient die Nummer 8.
9. Beth Ditto (The Gossip)
Apropos Gossip… Beth Ditto hat eine Mörderstimme, performt im Badeanzug oder Bikini, rasiert sich nicht die Achselhaare und lässt sich beinahe nackt ablichten - seht selbst. Ob das geht oder nicht, daran scheiden sich die Geister und ihr ist es schnuppe. Einzig Art Brut’s Eddie Argos beweist Humor und ist damit ebenso cool wie sie. Aber wie sagte schon Hans-Werner Olm? “Verhüllt eure Körper, ihr Nacktschnecken!”
10. Keith Richards (The Rolling Stones)
Ha ha haha hahahaha. Hahahaha haha hahahaha. Ahahahahaha. “Ich fiel in meinem Urlaub von einer Palme und muss daher leider das Konzert absagen!” gehört übrigens zu den besten Konzertabsagen des Jahrtausends - das gab’s noch nicht mal bei den Babyshambles.
So weit so gut, die restlichen Plätze gibt es u.a. beim Musikexpress. Und meine persönliche Cool List of 2007 gibt’s vielleicht beim nächsten Mal.