Unterwegs

Alles ist Gift

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© PJ-Images

Nachts sind die Straßen voller seltsamer Gestalten, vor allem, wenn es leere Glasflaschen umsonst gibt und die Nachtschwärmer zum Reden aufgelegt sind. Flashback, letzte Woche, Berlin. Die Bänke vor dem Club waren hart und dreckig und alle tranken Bier, das nicht schmeckte, nur weil es billig war.

Ein Flaschensammler gesellte sich zu uns. “Hier ist eine Party? Scheiße ist die Party. Ich will nur meine Ruhe haben. Das ist doch alles Volksverarsche. Ich sags dir einmal und nicht zweimal, alles Volksverarsche. Was haben sie uns damals versprochen? Siehst du da drüben McPaper? Das ist Gift. Gift ist das. McPaper ist Gift. Ich geh jetzt nach Hause. Nach Hause! Kommst du aus dem Osten? Nein? Volksverarsche ist das. Volksverarsche war das. Die Lösung: du gehst nach Hause, legst dich aufs Bett, drückst auf einen Knopf und der Fernseher geht an. Das ist die Jugend von heute! Du kannst lachen, aber das ist die Jugend von heute! Siehst du die Frau da? Die ist eine Hexe, sie sammelt die Flaschen und ist eine Hexe. Ich meins ernst, ich sags dir nur einmal, also hör mir zu. Ich will echt nur meine Ruhe haben, scheiß auf die Party. Wir werden verarscht. VER-ARSCHT!”

Ich weiß nicht, was er mir damit sagen wollte, aber ich glaube, die Message war ganz in Ordnung. “Und du ziehst jetzt noch weiter, ja?” fragte der Türsteher und baute sich vor ihm auf. “Jaja.” Der Mann wich zwei Schritte zurück und torkelte die Straße entlang. “Aber ich sags dir, das ist alles Gift!” rief er uns nach.

Musik

Girls just wanna be sixteen

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Eine der charmantesten Bands sind schon lange The Indelicates. Julia sang schon bei den Pipettes, Simon schrieb ein Musical und wer sich für seine Videos als seine eigenen Großeltern verkleidet und einen Song namens “Wating for Pete Doherty to die” schreibt, hat definitiv mehr Beachtung verdient.

Für das Versions-Projekt remixten Fans und Musiker nun die aktuelle Singe “Sixteen” (jetzt schon ein Klassiker, Video hier) und heraus kam neben einer süßen Barbershop-Version und einem Drum’n'Bass-Remix auch ein Remake des Songs im Stile von “Girls just wanna have fun”.

Mehr davon gibt es vollkommen kostenlos online. So gehört sich das.

» The Indelicates - Version Project: Sixteen
» The Indelicates - Versions Project: Julia, We Don’t Live In The 60s
» The Indelicates MP3s
» The Indelicates - Sixteen (Video)
» The Indelicates im Interview

Persönlich

Universitätendschungel Vol. 5

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Wortlos füllte die Frau im Zimmer “Le - Ni” meine Papiere aus und drückte mir einen Hefter in die Hand. Er war blau, trug den Schriftzug “Uni Bonn” und die aufgedruckten, blauen Bilder zeigten fröhliche Studenten beim Lernen, Forschen und Hochwerfen ihrer Baretts (ich habe mir schließlich die Uni mit der amerikanisiertesten Abschlussfeier ausgesucht, ohne es vorher zu wissen). Das war also die Uni und seit heute bin ich offiziell Studentin.

Meine erste Wohnungsbesichtigung heute früh war ziemlich vielversprechend und ich kriege gerade wieder Lust, mein mittlerweile recht chaotisches Zimmer nochmals generalzuüberholen. Da sieht man es mal wieder, man gebe mir genügend Zeit und ich freunde mich mit jedem Schicksal an. Ich liebe es, über fehlende Alternativen zu wettern, aber in Wirklichkeit will ich es doch gar nicht anders.

Unterwegs

Ich fahre mit

Wer etwas erleben will und die sterilen ICE-Reisen für viel Geld satt hat, fährt Mitfahrgelegenheit. Denn wenn man nicht gerade Giovanni mit dem 3er-BMW, der explizit nach weiblicher Begleitung sucht, anruft, trifft man auf durchaus interessante Leute und Geschichten bei erstaunlich niedriger Idiotenquote. Nach Berlin ging es für mich letzten Freitag in einem silbernen Werkstatt-Ersatzwagen, der wie für einen Opel typisch das Opel-Zeichen und nicht das Audi-Logo trug, nach dem ich zuerst Ausschau hielt. Die Fahrerin war nett, ebenso wie der Mitfahrer, der bereits in Bonn zugestiegen war.

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© Grabthar

In Dortmund nahmen wir am Bahnhof einen Nachwuchscomedian auf. Er hatte es besonders eilig, am Abend sollte er in einer Nachwuchsshow des Quatsch Comedy Clubs auftreten und musste dafür pünktlich um 5 im Friedrichstadtpalast sein. Er erzählte uns von seiner bisherigen Comedy-Karriere und prompt kamen wir in den Stau. Es hatte wohl noch mehr Menschen aus Angst vor Bahnstreiks auf die deutschen Autobahnen gezogen und somit ging es insgesamt sicher schleppender voran, als es wohl mit der Bahn der Fall gewesen wäre. Der Comedian stöhnte. Er saß mittlerweile vorne, probte flüsternd sein Programm und stoppte die Zeit.

Wir saßen derweil zu dritt auf der Rückbank, vor allem mein Sitznachbar schien unter der fehlenden Beinfreiheit zu leiden und blätterte gequält in einer Bootszeitschrift. “Hinten in der Mitte ist statistisch gesehen der sicherste Platz im Auto!” versuchte ich ihn aufzumuntern, aber das schien ihn wenig zu beeindrucken und er war froh, an der nächsten Raststätte endlich den Platz tauschen zu können.

Die Autobahn war langweilig. Mein Kopf wurde langsam schwer, ich nickte hin und wieder ein und wurde schließlich von hektischen Stimmen geweckt, die über die Technik des Autos fachsimpelten. 80 Kilometer vor Berlin machte der Wagen, ein Ersatzauto der Werkstatt, schlapp, er ruckelte nur noch und die Höchstgeschwindigkeit sank rapide erst auf 120, dann auf 80 km/h. Von meinem Platz aus konnte ich die Uhr nicht sehen, aber es war mindestens 5 und der Comedian vergrub sein Gesicht in seinen Händen. “Ruf doch mal Thomas Hermanns an!” schlug eine Mitreisende vor. “Heute Abend moderiert Cindy aus Marzahn!” klärte er uns auf und zückte dann sein Handy, um sich bei der Redaktion zu melden. Gegen 6 kamen wir schließlich an. Ich besuchte spontan meine Freundin Sarah in Friedrichshain und als ich am Abend Boys Of Brazil auf der kleinen Bang-Bang-Club-Bühne spielen sah, dachte ich an den Comedian, der jetzt gerade wohl auch auf einer Bühne stand. Vielleicht schafft er ja eines Tages den großen Durchbruch im Comedy-Geschäft.

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© Soundmonster

Für die Rückfahrt nach Köln fand ich spontan ein Wochenendticket mit fehlenden Mitfahrern und wir trafen uns am ziemlich langen Gleis 14 des Hauptbahnhofs, als der Zug schon lange eingefahren war. Unsere Gruppe bestand aus einer Gothic-Liebhaberin auf The-69-Eyes-Konzertreise, einem Medieninformatikstudenten aus Berlin, einer Reisefreudigen mit abgeschlossenem Psychologiestudium in England und später auch noch einer Medizinstudentin aus Bonn, die gerade ihr Praktikum im Krankenhaus absolvierte und in Hannover zustieg.

“Die meisten Leute sind einfach zu dumm, und wissen nicht, dass man sich ein Wochenendticket mit 5 Personen teilen kann.” meinte die Konzertreisende, während sie ihren am Vorabend ergatterten Drumstick im Rucksack verstaute. “Und noch weniger Leute kommen auf die Idee, das Ganze im Internet zu inserieren.” Wir nickten und die 9 Stunden vergingen wie im Fluge.

Online

“Sie rasierten mich”

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Zum exakt 100-tägigen Bestehen dieses Weblogs (ganz zu schweigen von der Seite, die gibt es schon seit über 3 Jahren), hier noch weitere Highlights meiner Google Statistik. Schon einmal habe ich die besten Google-Suchbegriffe, über die meine Seite gefunden wurde, zusammengetragen und diesmal lasse ich sie unkommentiert stehen. Das muss man erstmal sacken lassen.

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Persönlich

Universitätendschungel Vol. 4

Heute morgen weckte mich mein Handy. Ich lag in Sarahs Bett in Berlin und hatte seltsam geträumt: draußen stand ein Zelt, unsere Wohnung war polizeilich versiegelt, der Kater hatte gekotzt und meine Oma machte für alle Nudeln.

Das Handy klingelte also und mein Bruder war dran. “Ines, du hast einen Studienplatz!” - “Ich habe was?” - “Einen Studienplatz.” - “…” - “In Bonn.” Ich wusste nichts zu sagen, gerade jetzt, wo ich mich mit meinem Schicksal abgefunden hatte, durchkreuzte eine Stadt, in die ich nie wollte, all meine Pläne. Meine Mutter schickte mir sogleich ein paar Auszüge aus dem Zulassungsbescheid.

*Zulassungsbescheid*
[…] aufgrund Ihres Antrages auf Zulassung zum Studium der
*Kommunikationswissenschaften ohne Begleitfach (Bachelor of Arts)*
kann ich Ihnen mitteilen, dass Sie zum Wintersemester 2007/08 an der
Universität Bonn zugelassen sind. […]

Ich darf Sie bitten, sich in der Zeit vom 09. bis 12. Oktober 2007
persönlich im Studentensekretariat bei dem für Ihre Einschreibung
zuständigen Sachbearbeiter einzuschreiben.

Ich besorgte mir eine Mitfahrgelegenheit nach Hause für 6,60€, recherchierte ein wenig zum Thema Kommunikationswissenschaften an deutschen Universitäten, telefonierte mit meiner Freundin aus Bonn und dachte nach.

“Ich habe damals auch nicht meinen Wunsch-Platz bekommen.” meinte meine Mutter zum Abschied. “Und siehe da, wäre ich nie nach Heidelberg gekommen, hätte ich nie deinen Vater kennengelernt.”

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