Second Life - Ein Selbstversuch (2)

Nachdem ich im ersten Teil meines Selbstversuchs eher ein wenig schleppend in das Reich des zweiten Onlinelebens eingeführt wurde, soll es nun endlich zur Sache gehen. Mein Standardoutfit mit rotem Kleid und grauer Leggins muss dringend etwas spannenderem Weichen, denn Kleider machen schließlich Leute.
Theoretisch könnte ich Riesenbrüste und eine Wespentaille haben, oder halb nackt rumlaufen und lediglich meine primären und sekundären Geschlechtsmerkmale bedeckt halten. Und je krasser man aussieht, desto mehr Geld hat man investiert und desto mehr steigt das Ansehen in Second Life - das habe ich zumindest einmal in einer Vorlesung gelernt. Passend zu meinem Nicknamen entscheide ich mich für ein Leopardendress. Das würde ich im echten Leben nie tragen, aber hey, bei Second Life kennt mich Gott sei Dank niemand.
Ich teleportiere mich zum Alexanderplatz in newBERLIN, dessen Ähnlichkeit mit dem Original nicht abzustreiten ist. Die Bahnen, ranzige Haltestellen, BVG-Fahrpläne, Grafitti-Stromkästen und das Bahnhofsgebäude mit der großen Aufschrift. Selbst Plus, der auch bei mir in der Ecke eine Filiale hat und wo ich hin und wieder Cola kaufe, hat hier einen kleinen Laden. Der dient allerdings hauptsächlich zu Werbezwecken und sieht von draußen deutlich cooler aus, als von drinnen. Ich lasse mich von den kleinen Preisen ins Kleine-Preise-Land locken.
Das Kleine-Preise-Land ist blau und orange und überall wuseln die kleinen Preise herum, die sich sofort um mich versammeln und den Fremdling anstarren. Cola kaufen kann ich hier nicht unbedingt, dafür aber ein paar schöne Second-Life-Gesten, wie Herzchen über dem Kopf, um meinen Second-Life-Mitavataren meine Verliebtheit auszudrücken. Vielleicht kann man ja eines Tages so auch seine Einkäufe erledigen - einmal in Second Life durch die Supermärkte stöbern und am nächsten Tag klingelt es an der Tür und die Cola ist da. Irgendwie ja schon beängstigend.
Nachdem London nicht wirklich auffindbar ist, teleportiere ich mich nach Köln. Cologne City heißt die Stadt und sie sieht mit ihren Palmen eher ein wenig tropisch aus. Auch der Kölner Dom ist eine Nummer zu klein und wirkt neben den anderen Häusern ziemlich mickrig. Dafür ziert ein anderes Gebäude - wie man es von Köln erwartet - eine Regenbogenflagge und ein Plakat läd mich zum “Mr. Gay 2008 Finale ein”. “No women beyond this point” sagt ein Schild vor einem roten Vorhang - na toll.
Beim nächsten Mal will ich endlich arbeiten, ein bisschen Geld verdienen und mein erstes Konzert in Second Life besuchen. Diesen Spaß werde ich mir ja schließlich auch im zweiten Leben gönnen dürfen.






*loool* Bleib ich doch lieber beim guten alten Sims.
Bei Plus habe ich mich erst so gewundert … kaum was geboten, nervige “kleine Preise” … und für ne Markeninsel total gut besucht. Dann wundert man sich, warum die Leute alle in irgendwelchen Ecken rumstehen oder im Wasser … und wenn man sie fragt, dann kommt die Antwort “ich muss nachdenken”, “ich will mich gerade umziehen”, “ich will grad schlafen gehen” oder auch “ich bin halt hier zu Hause”. Liegt alles an dem Anmeldesystem auf der Plus-Seite, da wird dem Avatar die Plus-Insel als Zuhause zugeordnet - und Plus hat schwuppdiwupp ständig Besucher. Blöd, weils ja nur Pseudo-Besucher sind. Aber die Plus-Filiale fand ich auch hübsch gemacht.
Und ich finds so geil - ich bin bis vor ein paar Wochen auch mit grauer Leggings und rotem Kleid und exakt dieser Frisur rumgelaufen ;-) Wär lustig gewesen, wenn wir uns begegnet wären!