Berlin Festival 2007 - Hippies vs. Hipsters
Das Berlin Festival war durch und durch chillig, voller umsonst-und-draußen-Flair, schöner Musik, VIP-Bier, Frühstück mit Cheeseburgern bei McDonalds und viel zu stickigen Clubs. Trotzdem, es war wunderschön, an jeder Ecke bekannte Berliner Menschen zu treffen und schließlich auch noch Marten und Stephi aus der angeblich neon-reinen Stadt Rostock.

Fotos: Anni
So sahen wir dann unter anderem Peter Bjorn and John (live ja leider recht unspannend), Tocotronic (nach wie vor genial, auch bei Tage), Datarock (rote Overalls und “The Time Of My Life”-Cover), The Presets (viel besser als beim Melt!), Uffie (auf Platte geil, live eine graue Maus und unglaublich unspektakulär) und schließlich Peaches (das nenn ich mal eine Powerfrau!).
Den besten, tollsten und großartigsten Artikel zum Berlin Festival und mein persönliches Lieblingsstück Journalismus fand man ganz klar am nächsten Morgen im Berliner Tagesspiegel:
New Rave, dieser Bastard aus Punk und Disco Music, verheißt eine Befreiung, die an den Punk erinnert – wobei sie sich nicht gegen das System richtet, sondern aus der Mitte der Maschine kommt. Ein riesiger Ball mit dem Logo eines Mobilfunkkonzerns stürzt wieder und wieder auf die Menge ein […]: Es ist nicht auszumachen, ob hier der Kapitalismus alles überrollt oder ob bereits auf seinen Trümmern getanzt wird.
Von hier: Kolja Reichert - “Sinn ist sinnlos“ - wer’s nicht liest, ist selbst schuld. Ich jedenfalls fühlte mich in meiner bedrückenden Aftershow-Erkenntnis bestärkt…

Die offizielle Aftershow (kostenlos mit Bändchen, 10€ ohne) fand im überheißen Tape statt, der wohl das neue Rio wird. Der Club erinnerte eher an eine Messehallen-Disco, zwei Floors, einmal Electro mit unter anderem DJ Mehdi von Ed Banger, einmal Indie von Karrera. Zugegeben, Karrera ist zu 90% langweilig und Mainstream, aber zwischen all den Hipsters in pinken Neonshirts wurde mir schließlich klar, was mir die gute alte Gitarrenmusik bedeutete. Der Rock’n'Roll, das waren noch Zeiten. Kleine Britrockbands in noch kleineren Clubs, einfach mal Rockmusik statt Synthesizern und Jungs in Jeans und Lederjacken.
Alles vorbei, mag man meinen und fühlt sich als Indiekid fast schon wieder super alternativ. Vergangene Dekaden kommen ja bekanntlich wieder, wenn auch in veränderter Form - das waren dann also die 60ies und 70ies. Jetzt sind wir beim 80ies-Revival in Form der Rave-Bewegung und das wird sicher noch eine Weile so weitergehen, bis es auch der Letzte kapiert hat - es gibt ja schließlich auch noch immer Leute, die gerade erst die Arctic Monkeys entdeckt haben.
Electro, Neon, Ravekids, das wird also die Zukunft, ob wir wollen oder nicht. Da waren Josie und ich uns einig, als wir gestern gegen 5 Uhr Nachmittags Käsebrot mit Dijonsenf frühstückten. Sie ist ab Herbst in Manchester, ich vielleicht in Berlin, so kanns gehen. Wie wird das 90ies-Revival wohl aussehen? Plastic Pop meets Hip Hop in Union-Jack-Plateauschuhen?



Wieso waren denn Peter Bjorn and John unspektakulär? Bzw. was hattest du erwartet?
@ Jens: Ich hab sie vor etwa einem Jahr schonmal gesehen und da fand ich sie irgendwie spannender, wenn auch nicht sonderlich umwerfend (liegt sicher auch zum Teil an der Musik an sich). Und beim Berlinfestival war das Publikum auch unheimlich langweilig, weil alle wirklich nur auf “Young Folks” gewartet haben. Deshalb kam absolut keine Stimmung auf. Aber war trotzdem ganz nett, im Gras zu sitzen und zuzuhören :)
Wie finanzierst Du das bloß alles, Ines?! :)
@ Marijan: Ich weiiiiß, das mit den Konzerten und Festivals und so kommt so rüber, als hätte ich Unmengen von Geld, aber das stimmt nicht. Beim Eintritt kann man manchmal über Connections was machen, das was reinhaut sind dann halt die Fahrten… die Rückfahrt z.B. war sehr ätzend, ich musste einen IC zum Normalpreis buchen, weil ichs nicht mehr mit dem Wochenendticket geschafft hab. Und viel mehr Hobbies hab ich ja auch nicht, im großen und ganzen geb ich mein gesamtes Geld für sowas aus… größtenteils…
Ist doch auch gut so … so lange Du’s genießen kannst - super! Ich hoffe ja, so bald wie möglich diesen scheiß Führerschein in der Tasche zu haben und das Geld, für das ich so viel und hart arbeite, wieder etwas freier verplanen zu können.
Viele Festivals und Konzerte sind ja auch mein großer Wunsch … :)
Ines das hast du super gemacht!Toller Artikel…und auch der von Kolja Reichert: Fantastisch!
Aber jetzt hab ich Appetit auf Käsebrot mit diesem tollen Senf :(
@ Sarah: Danke ;) Ja, ich liebe diesen Zeitungsartikel, hab den nur voll zufällig gefunden, als ich bei Josie beim Frühstück die Zeitung durchgeblättert hab! Und ich find, so ein Glas guter Dijonsenf gehört in jeden Haushalt! Da kann man so viel mit machen… ich krieg auch schon wieder Hunger drauf…
Dijonsenf! Au ja!
Der kommt immer in mein Salat-Dressing … super geil! :>
@ Marijan: Salat mit Dijonsenf… ich glaube, so macht das mein Vater auch immer. Wenn Josie und ich reich sind, werden wir einmal in Dijonsenf baden, haben wir beschlossen!
Ui … wenn das geht, steig ich ein!
Dijon-Whirlpool! Yör! :D