Ban the gin

Nun saßen wir dort in der hellen Sitzecke mit Adam, Emma und Louise und tranken Cola aus Glasflaschen. Wie un-Rock’n'Roll. Im Hintergrund liefen CSS und Amy Winehouse, die DJs testeten ihre Anlage und überall klirrte Metall. Die drei waren gesprächig und ich betete nur, dass meine Kamera den ganzen Kram auch aufnahm. Immerhin war mein Handy noch in Berlin bzw. in einem Päckchen unterwegs durch Deutschland, und mein Diktiergerät kaputt.
Ich stellte Fragen. Eigentlich hasse ich es, Fragen zu stellen, wenn alle Augen auf einen gerichtet sind. Der schmale Grad zwischen Professionalität und einem 0815-Smalltalk-Gespräch. Aber es muss sein und diesmal hatte ich Spaß daran. Wir saßen also dort und redeten über Gin. Adam verfluchte die britische Politik und die Kamera funktionierte.
“See you la’er!”
Draußen war es dunkel. Die Lichter der Stadt spiegelten sich im Wasser, aus einem Zelt tönte Pianomusik und um ein Lagerfeuer saßen Studenten und spielten Gitarre. Ich wäre gerne einer von ihnen. Alles war irgendwie friedlich, selbst die Enten schliefen und am See saßen Liebespare und Romantiker. Die Treppen nach unten brachten mich in eine andere Welt, voller lauter Musik, Bier und bunten Lichtern.
Der Bass war heute laut, die Gitarre leise und während die drei über das Gin-Verbot im 17. Jahrhundert sangen, schenkte mir Mike, der später auflegte, ein Armband aus essbaren Zuckerperlen. Die Dinger fand ich schon als kleines Kind lustig, ich habe mich allerdings nie getraut, sie zu essen, dafür waren sie viel zu hübsch.
“I like your pen.” erklärte Adam und in der Tat, es ist mein Lieblingsstift. Er war eigentlich ein Werbegeschenk eines bekannten Automobilherstellers, deren Weihnachtsfeier ich einmal mit einer Freundin musikalisch untermalte. Wir hatten viel geübt und eigentlich mit Geld gerechnet. Stattdessen bekam jeder von uns eine Tüte mit Parkscheiben, vollautomatischer Leselampe und einer Warnweste. Aber das alles erklärte ich ihm nicht, es war schon spät und er bot mir von meinem Gin Tonic an.
Ein paar dutzend Treppenstufen brachten mich zurück, der Wind war kühl und die Straßenlaternen hell. Ich glaube, ich mache doch irgendwie das richtige.



Zurerst das Posting und danach das Interview gelesen, ich glaube ohne die Geschichte drumrum, hätte ich es fast nicht genügend würdigen können. Ich kann gar nicht sagen was, aber ich find die Stimmung irgendwie total schön *träum* ;)
@ Jules: Dankeschön :) Die Stimmung war echt was Besonderes, das musste ich irgendwie festhalten. Und auch mit dem Interview bin ich diesmal sogar zufrieden, obwohl ich recht perfektionistisch bin und immer dran gezweifelt hab, ob ich gewisse Dinge nicht einfach seinlassen sollte. Aber wie gesagt, ich glaube, ich mache doch das richtige.
(Sehr nettes Interview, was für eine nette Band.)
Den letzten Satz mag ich am liebsten. Der drückt dieses Gefühl, zufrieden zu sein, sehr schön aus.
@ Ilinca: Danke :) Die Band ist auch immer sehr entscheidend, ich hatte mit TVEGC wirklich Glück, dass sie sehr gesprächig waren und man viel rausholen konnte. Und sie hatten eine ganze Menge Weisheiten auf Lager. Andere Bands sind da schwieriger und ich hoffe, ich gerate nie an die Sorte, die selbst auf offene Fragen mit ja oder nein antworten.