Apfelsaft und good old days

© Einslive
Neben einem schnarchenden, alten Mann fahre ich Zug. Es ist Nacht und ich bedröhne mich mit Musik. Who will buy my beautiful roses? Who will buy my beautiful songs? Ich bin wie paralysiert. Wenn mich eines berührt, dann Charisma gepaart mit alten Erinnerungen, die sich langsam ihren Weg nach draußen bahnen. Gute oder schlechte, das ist mir gerade egal. Die good old days sind vorbei, das wissen wir alle - wenn es überhaupt jemals so etwas wie good old days gab.
“Was machen die eigentlich für Musik?” fragte mich vorletzten Mai ein junger Mann. Ich stutzte.
“Warum hast du dir denn eine Karte gekauft?” wollte ich wissen.
“Ich habs im Fernsehn gesehen. Ich dachte, das gibt sicher ‘nen Skandal heute.” Er nickte überzeugt.
An diesem kühlen Januartag war es ähnlich gewesen. Ich hatte mir verzweifelt überlegt, meinen letzten Lebensunterhalt für eine simple Eintrittskarte zusammenzukratzen, an der der Schwarzhändler über 100% verdiente.
“Das musses dir halt wert sein.” meinte er und zuckte die Achseln. Warum ich mir denn keine Karte gekauft hätte, wenn es mir doch so viel bedeute, darauf wusste ich keine Antwort.
Aber alles kam anders. Das Schicksal meinte es gut mit mir, ich zahlte weniger als im Vorverkauf und stolperte hinein. Leere Gesichter, manche sangen und tranken Bier. Hier und da entdeckte man Tourshirts - es gab tatsächlich welche, 08 stand darauf, Tourdaten allerdings nicht.
Man kann es nicht jedem recht machen. So eine unzuverlässige Band, schimpfte man damals. Wie oft hatten wir die Halle kurz nach Einlass wieder verlassen und auf Nachholtermine gewartet. Gesehen, wie sie schließlich die Zettel draußen anbrachten. “Das Konzert muss leider ausfallen.”
Das Feeling ist einfach nicht mehr dasselbe, schimpft man heute. Aus den Jungs sind Profis geworden, ja, sie sind perfekt organisiert. Das Licht geht aus, es gibt Apfelsaft und Bier und die Hits kommen zum Schluss. “Guten Abend Köln!” sagt Peter. “Apfelsaft! Lecker lecker!”
Ein paar Mädchen kreischen. Pete würgt. Norovirus, denke ich mir, der macht auch vor niemandem Halt. Nicht einmal vor Musikern. Doch Mister Norovirus ist tapfer, es folgt der größte Hit und der Abend endet früh und ohne Zugabe.
“Bist du jetzt enttäuscht?” fragt mich A.
Ich schüttle den Kopf und bin glücklich. Einmal soll man es mir recht machen können. Damals wie heute, there were no good old days. These are the good old days.



Fuck forever..
These are the good old days, irgendwie optimistisch.
Das warst du auch allen schuldig, nachdem man das letzte mal bemerken musste, dass man tatsächlich hässlich ist : l
:)
Ehm… darf ich fragen,… von welcher Band oder so du sprichst?
@ Marcel: Tjaja…
@ Neslihan: Eben, ein bisschen Optimismus muss sein in einer Zeit wie dieser ;)
@ Chrissy: Babyshambles. Ich habs extra ein wenig offen gelassen, es geht ja ums Erlebnis und nicht um irgendwelche anderen Dinge :)
Hah, da wusste ich mal um wen es geht, ohne je ein einziges Lied von ihnen gehört zu haben ;)
ha..sehr guter text. der gedanke ist mir auch schon gekommen, dass die ja jetzt eine ganz normale, ihre unterhaltungspflichten erfüllende band sind (nachdem was man über die konzerte grade liest).