Kultur

Binaurale Drogen

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© zαxεr

Bei VICE las ich vor einer Weile einen Bericht von Karley, die auch schon einmal einen Sperma-Geschmackstest wagte, ansonsten in einem besetzten Haus lebt und einen nicht unbekannten Freund hat. Diesmal probierte sie binaurale Drogen aus.

Binaurale Drogen sind lediglich Schallfrequenzen und somit legal und weitesgehend unschädlich. Man hört sie sich an, anstatt sie sich zu spritzen und in Haaren, Blut und Urin sind sie auch nicht nachweisbar. Und man muss sie nicht am Bahnhof oder von Drogenberatern mit Doppelleben kaufen, sondern kann sie ganz einfach kostenlos im Internet runterladen.

Ich wollte es wissen. Meine erste Wahl fiel auf AntiSad - Antidepressant (Strong). Vielleicht konnte es mir helfen, das unwohle Gefühl in meiner Magengrube loszuwerden. Ich dunkelte also das Zimmer ab, drückte Play und das Geräusch machte sich in meinem Kopf breit. Unweigerlich erinnerte es mich an die South-Park-Folge mit dem braunen Ton, die ich einmal in der deutschen Synchronisation sah, als ich noch MTV hatte. Von einem einzigen Blockflötenton mussten auf einmal alle kacken - bis auf Kenny, der starb am Ende.

Nach ein paar Minuten wusste ich nicht mehr, ob das vibrierende Tuten tatsächlich langsamer geworden oder bereits in meinem Kopf zu einem konstanten Ton verschmolzen war. Ich fühlte mich ausgeglichen, wie nach Meditationsmusik, aber hegte dennoch den leichten Verdacht, dass es mir nur besser ging, weil ich mich für einige Minuten abgelenkt und mit etwas anderem beschäftigt hatte.

Cocaine war ein einziges Rauschen (wobei, Rausch und Rauschen hängt ja zumindest lexikalisch irgendwie zusammen). Wahrscheinlich waren meine billigen Aldi-Boxen zu schlecht, um das Gefühl vollends zu entfalten und nach zehn Minuten hatte ich Kopfschmerzen. Als ich dann nach 3 Tassen Tee aufs Klo musste, fühlte ich mich tatsächlich ein wenig berauscht, auf die Euphorie wartete ich allerdings vergebens.

Trotzdem lud ich mir eine Handvoll akustischer Downers runter, die mich in einen fast meditativen Zustand versetzten. Der Ton war höher, vibrierend und fraß sich durch mein Hirn, während ich darüber nachdachte, ob man davon nicht doch bei übermäßigem Konsum Tinnitus bekommen könnte. Ich war “vollkommen gelassen und ruhig” (wie vor Jahren beim autogenen Training).

Fazit: “Eine gesunde Alternative zu den üblichen hirnzermatschenden Drogen” findet Karley. Ich auch. Und eine gute Erfindung für die moderne Nerd-Generation, die sich bald sogar ihre Drogen aus dem Netz saugen können. Morgen werde ich mal Orgasm ausprobieren - ich sag euch dann, wie’s war.

12 Kommentare zu “Binaurale Drogen”

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