Klammerauf.org
I'm Ines and this is my blog. I'm twenty and I currently live in Berlin, Germany. I love music, art and the simple pleasures of life which is basically what this is going to be all about.

Archive for "Unterwegs"


Unterwegs
6

Alle mal malen

allemalmalen
© Alle mal malen

Da saßen wir also, im James Joyce Irish Pub. Meine Freundin und ehemalige Arbeitskollegin würde das nächste halbe Jahr in Indien verbringen und zum Abschied tranken wir Strongbow in gemütlicher Atmosphäre.

Ich studierte gerade die Wanddekoration, als uns ein älterer Herr ansprach. Für zweieinhalb Euro würde er ein Bild von uns malen - Weltklasse. Und wenn es uns nicht gefällt, gibt es das Geld zurück. Wir sollten uns einfach weiter unterhalten und so tun, als sei er nicht da, während er auf unserem Tisch seinen Künstlerzeichenblock ausbreitete.

“Ich bin sogar berühmt!” erklärte er. “Auf StudiVZ. Kennt ihr StudiVZ? Da gibt es eine Gruppe über mich, die hat über 4000 Mitglieder! Viertausend Mitglieder!”

Also ließen wir uns malen. Aus Neugier und allein schon, weil es Kult ist, einmal in seinem Leben vom Alle-mal-malen-Mann gemalt zu werden. In der Tat, bei meiner Internetrecherche stieß ich auf eine große Fangemeinde. Jan Loh, wie der Alle-mal-malen-Mann bürgerlich heißt, hat eine eigene Fanpage, eine große Bildergalerie, mehrere Gruppen bei StudiVZ und ist sogar bei Wikipedia verewigt.

Seine Werke sind, sagen wir, originell und seit seinem ersten dokumentierten Bild aus 1995 ist er seinem Stil treugeblieben. Auch ein Geschäftszweig in Zeiten der Wirtschaftskrise.

07.02.2009 at 11:50 pm
Unterwegs
5

Amsterdam (2)

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© Lewis Chaplin

Irgendwann gegen Nachmittag saßen wir in der Bar eines alten, gemütlichen Hotels in der Amsterdamer Innenstadt. An der einen Wand hing eine Gitarre, signiert von Jimi Hendrix, an der anderen ein Saxophon, das abwechselnd in verschiedenen Farben leuchtete.

Die Jungs aus Brighton, die hier wohnten, saßen an der Bar und waren stoned. Sie waren Freunde von Freunden und hatten am Vortag schon auf dem London Calling Festival gespielt. Ich hatte keine Ahnung, wie ihre Musik klang, aber meine Freunde fanden sie gut. “Like Foals, only heavier.”

Leute, die auf Mushrooms sind, finden irgendwie alles entweder gruselig oder lustig. Für circa fünf bis sechs Stunden - denn so lange dauert ein Trip an - sind sie nur begrenzt ansprechbar und unglaublich anstrengend.

Zu anstrengend, denn mein nüchterner Humor überschnitt sich nur selten mit dem ihren. Ich versuchte, die gekritzelten Notizen auf dem Klavier zu entziffen, während die Briten alles lustig fanden, unentwegt lachten und Heineken tranken. Sie überlegten, wie sie am günstigsten ihren Flug buchen und noch einige Tage länger bleiben könnten.

Irgendwann machte ich mich auf den Weg in die Stadt. Es nieselte und überall blinkten die Lichter des Weihnachtsmarktes.

19.11.2008 at 10:06 pm
Unterwegs
5

Amsterdam (1)

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© R.Duran

Ich saß in der hintersten Ecke des Reisebusses und hörte Bowies “Station To Station”, während die Landschaft an mir vorbeizog.

Der Holländer von vorne hatte sich mit den zwei Männern aus der Reihe vor mir angefreundet - ein älterer Pole, der weder Deutsch, noch Englisch sprach und unentwegt verschmitzt grinste und ein jüngerer Ungare, der dank sechsjährigem Englischunterricht zumindest verstand, was wir redeten und durch Nicken und Gesten kommunizierte.

“Taktak!” sagte der Pole. Er deutete auf meinen silbernen Ring an der linken Hand und machte ein entsetztes Gesicht. “Nein nein, verheiratet ist rechts!” sagte ich, auch wenn ich wusste, das er mich nicht verstand. Ich zeigte auf meinen nackten, rechten Ringfinger, während mir der Holländer von komasaufenden Jugendlichen aus dem niederländischen Norden erzählte.

Irgendwann schlich sich der Pole aufs Klo, um heimlich eine Zigarette zu rauchen und wurde prompt vom Fahrer ertappt, als wir an einer roten Ampel hielten. “I’m sorry, I’m sorry!” grinste er und ich erzählte dem Holländer vom kürzlich geschehenen Kaffeefahrten-Busunglück, für das zuerst auch ein heimlicher Raucher auf dem Busklo verantwortlich gemacht worden war.

“No smoking! Bus explode! Boom!” versuchte der Holländer dem Polen mit wilder Gestik zu erklären. Der Pole nickte verständnisvoll und grinste.

Wir fuhren weiter. Das Land wurde flacher und die Straßenschilder holländischer. Irgendwann musste der Ungare auch mal aufs Klo - das Bier, das sie heimlich vor den Sitzen des Vordermanns getrunken hatten, schien ihm langsam auf seine Blase zu schlagen.

“No smoking! Bus boom!” rief ihm der Pole hinterher und grinste. Um 13 Uhr erreichten wir Amsterdam Amstel Station.

16.11.2008 at 07:23 pm
Unterwegs
3

Mein Tag: Regen und Polarweiß

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© Lewis Chaplin

Regen, schon den ganzen Tag. Und haufenweise Regenkunden. Sie suchen im Laden nur Unterschlupf und interessieren sich nicht im Geringsten für die Produkte. Genauso wie die Junkies, die sich regelmäßig Seife schnorren und nicht danach aussehen, als würden sie sie je benutzen.

“Tschuldigung, meine Hände sind was dreckig, ich habe gerade Kinderschokolade gegessen.” meint die Frau zu mir. Zugegeben, ihre tätowierten Hände sind in der Tat dreckig. Ich ziehe die Augenbrauen hoch und nicke freundlich. Kinderschokolade.

Als ich Feierabend habe, regnet es natürlich noch immer. Und ich habe wie immer keinen Schirm, schlängle mich an den Geschäften vorbei und quetsche mich unter die Markisen, um möglichst trocken den Bahnhof zu erreichen. Als ich in Köln ankomme, regnet es immer noch.

Meine Freundin arbeitet bei Bauhaus. Ich gehe sie kurz besuchen und halte sie ein wenig von der Kassiererarbeit ab, während sie mir den Unterschied zwischen “Arktikweiß” und “Polarweiß” erklärt. “Polarweiß” ist ein wenig teurer, weil es edler klingt.

“Also mich erinnert Arktikweiß immer an blau. So blauweiß. Und so würde ich meine Wände nicht streichen wollen. Dann lieber Polar.” meine ich und starre weiter auf meinen kleinen, selbstgezeichneten Stadtplan.

In zwanzig Minuten wartet am Pantaleonsberg der Markler auf mich, um mir die Wohnung vorzuführen. Zwei Zimmer. Super zentral. Und günstig. Leider aber nicht WG-tauglich, wie ich später feststelle, aber ich bin dennoch zuversichtlich. Wenn nicht diese Wohnung, dann eine andere - dann werde ich mir Polarweiß kaufen und umziehen.

Vor dem Luxor steht der große Nightliner der Charlatans. Ich überlege kurz, ob ich dafür vierundzwanzig Euro ausgeben will und entscheide mich dagegen. Und für einen Abend zu Hause mit TV-Trash, dicken Socken und Spaghetti. Morgen hab’ ich frei.

23.09.2008 at 09:41 pm
Unterwegs
10

Anti-Rock’n'Roll

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© Simon Dehn

Gestern war ich bei Mando Diao. Für umsonst und auf der Bonner Museumsmeile, mit sehr gemischtem Publikum und starkem Caipirinha. Simon hat live gebloggt und wir stellten fest, dass Psychedelic musikalisch und modisch gerade wieder “in” wird.

Danach gingen wir aus. Bonn bietet da viele Möglichkeiten, nur leider keine guten, und so endeten wir im allseits bekannten Rockschuppen nicht unweit von der Commerzbank. Ein Club, den jeder “Carpe” nennt, obwohl draußen riesengroß “Noctem” dransteht und er eigentlich “Carpe Noctem” heißt. Ich habe mir sagen lassen, wer aus Bonn kommt, geht dort schon seit dem vierzehnten Geburtstag hin und auch mit vierundzwanzig gern wieder, um alte Bekannte zu treffen.

Als wir kommen, läuft gerade “Schrei nach Liebe” von den Ärzten und an der Bar sitzen Mando Diao, trinken Bier und unterhalten sich auf Schwedisch.

Ich muss schmunzeln. Wäre ich ihr, denke ich mir, ich würde mir nach dem Konzert die schönsten Mädchen aus der ersten Reihe herauspicken und mit ihnen eine wilde Party in der Hotelbar des Hilton feiern. Mit viel Champagner und meinen eigenen Songs im Hintergrund, um meinem Ruf als Ego-Band alle Ehre zu machen. Dann würde ich mein Hotelzimmer zerlegen, den Fernseher aus dem Fenster schmeißen und meine Plattenfirma die Rechnung bezahlen lassen. Nur einen Ort dieser Welt würde ich nicht aufsuchen: das Carpe.

Es wird ein langer Abend. Irgendwann läuft Remmidemmi und Bettina. Als der DJ sieht, dass die Tanzfläche eh leer ist, spielt er MGMT.

18.09.2008 at 10:43 am
Unterwegs
0

Ein Samstagabend mit Ulf

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© Lewis Chaplin

Normalerweise ist es samstagabends immer voll. Man trifft sich, redet und tanzt. Bis man den Drink von der Bar bis zu einem anderen Ort maneuvriert hat, können unter Umständen vier oder fünf Lieder vergehen. Und der Drink ist derweil eh schon verschüttet, denn mindestens einer der Songs ist ein Hit, zu dem alle rumhüpfen.

Letzten Samstag war es leer. Gähnend leer. “Wahrscheinlich das gute Wetter. Die Leute grillen lieber.” Ich konnte mir allerdings niemanden vorstellen, der um ein Uhr nachts noch grillte. Wahrscheinlich lagen die Leute betrunken neben Holzkohleresten in irgendwelchen Parks oder hatten bereits an diesem Abend die Liebe ihres Lebens kennengelernt, sodass ihnen ein Besuch in einem Club der Stadt sinnlos erschien. Oder beides.

“Ey, der Typ da im schwarzen T-Shirt! Kennst du Stromberg?” Ich deutete auf die Tanzfläche.

“ULF!” Der Name schoss aus ihrem Mund wie ein Sinnbild des Internetkürzels OMG gepaart mit einer O RLY?-Eule.

Ulf war allerdings Spanier und komplett besoffen. Hin und wieder zerrte er einen schweren Barhocker auf die Tanzfläche, um sich darauf zu stellen und einen besseren Überblick zu haben. Als irgendwann Mando Diao lief, drehte er komplett durch.

Ich beneidete ihn nicht. Weder um seine Ähnlichkeit zu Charakteren aus deutschen Fernsehformaten, noch um seinen sicheren Kater am nächsten Morgen.

Nach dem morgendlichen Feierabendbier mit dem Thekenpersonal fuhr ich nach Hause, las im Zug irgendeine unlustige Regionalzeitung vom Sitz neben mir und holte mir ein Sandwich bei Subway. Ich war nüchtern, satt und zog mir vor dem Schlafengehen noch eine Episode Stromberg rein.

05.09.2008 at 10:50 pm
Unterwegs
7

Für ein Gummiarmband habe ich meine Daten verkauft

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© psoup216

Für ein königsblaues USB-Stick-Gummiarmband mit 1GB habe ich meine Daten an Philip Morris verkauft.

Es geschah in der L&M-Lounge des Area4, dem Bereich des Festivals, wo statt grölender Slipknotfans volljährige Raucher abhingen und Videospiele zockten. Zusammen mit volljährigen, rauchenden Slipknotfans, die sich auch hierher verirrt hatten.

Ich musste lediglich an einem Gewinnspiel für eine Reise nach Barcelona teilnehmen. Oder war es Madrid? Oder Moskau? Ich überflog den Flyer nur kurz.

“Was ist, wenn ich die Reise gar nicht gewinnen will?” fragte ich den Promotypen im königsblauen T-Shirt, der mir mit dem USB-Stick-Armband und der dazugehörigen Plastikbrille vor der Nase herumwedelte.

“Geht nicht.” Er erzählte noch etwas von einem Helicopterflug, aber ich hörte ihm nicht zu. Irgendwann merkte das auch er und reichte mir wortlos einen königsblauen Kugelschreiber. Ich füllte es notdürftig aus und ließ E-Mail und Telefonnummer weg.

“Nee nee, hier, Lieblingsmarke!” Der königsblaue Promotyp zeigte auf ein leeres Feld des Fragebogens. Nach einer kurzen Überlegung, ob ich Philip Morris Honig ums Maul schmieren und “L&M” eintragen sollte, entschied ich mich für die obskurste Zigarettenmarke, die ich kannte. Scheiß auf Marktforschung.

“Die Zigarettenmarke, rot oder blau?”

“Rot.” Das Königsblau, das mir aus allen Ecken des Zeltes ins Gesicht sprang, ging mir auf den nicht vorhandenen Sack.

Als ich den heiß ersehnten USB-Stick endlich in den Händen hielt, fiel mir auf, wie affig es doch eigentlich aussah, das Ding am Handgelenk zu tragen. Überhaupt konnte ich mir keinen Anlass ausmalen, in dem es auch nur auf irgendeine Weise übermäßig nützlich sein sollte, ein solches Objekt zu besitzen.

Was Philip Morris nun mit meinen Daten macht, weiß ich nicht. Vielleicht bekomme ich bald Briefe von ihm. Oder er wird sie an StasiVZ weiterverkaufen…. wobei, die haben sie ja eh schon.

30.08.2008 at 05:41 am
Unterwegs
6

Spielt lieber Tetris, Kinder!

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© Kid Paparazzi

Es ist nach Mitternacht und die Stadt ist voll von neonfarbenen Kids in zu engen Hosen, die verschwitzt irgendwo am Bahnhof rumlungern. Sie sehen irgendwie zufrieden aus. Dabei war Crystal Castles die wohl unnötigste Konzerterfahrung, die ich mir seit langem gegeben habe.

Krach, der durch das hohe Gebäude hallte, klirrende Sounds frisch aus dem Nintendo und ein Mirko mit Wackelkontakt, das irgendwie keinen interessierte, zumindest mich nicht. Denn immerhin bedeutete der Mikrofonausfall auch eine Minimierung des Krachs.

Das Atrium mit hoher Decke und marmorartigen Wänden erinnerte eher an die Location eines hippes Szene-Event für Künstler, die Anzüge tragen und mit einem Gemisch aus Champagner und Speed im Blut zu Elektromukke abgehen.

Am Bahnhof treffe ich L.. Sie war bei Hercules and Love Affair. Wir haben uns ewig nicht mehr gesehen, zumindest nicht mehr seit der Schlange am Klo vor Franz Ferdinand beim Melt!. Aber meine Erinnerung lässt auch hin und wieder nach.

“Hast du Samstag schon was vor?” frage ich.
“Ja, ich gehe zu BEAT!BEAT!BEAT! im Stereo Wonderland. Bin MySpace-Freund von denen und habs gelesen.”

Ich muss schmunzeln. “Dazu wollte ich dich gerade einladen.” sage ich. Wenn das so weitergeht, wird der Samstag eine riesige Party, die kleine Kultkneipe wird aus allen Nähten platzen und nonstop tanzen. “Wie groß die Jungs werden. Krass.” sage ich zu meiner Begleitung.

Habt ihr Samstag schon was vor?

15.08.2008 at 01:56 pm
Unterwegs
4

Auf geht’s zum Haldern

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© Haldern Pop Festival

Morgen werde ich erneut meine Reisetasche schnüren und mich auf den Weg machen. Diesmal geht es an den Niederrhein, in das beschauliche Städtchen Rees-Haldern zum Haldern Pop Festival. Drei chillige Tage im Kreise einer großen Familie von ein paar tausend Leuten. Vielleicht 8. Zumindest mehr, als das kleine Bauernhofstädtchen Einwohner hat. Und das Beste ist, es ist gerade einmal zwei Zugstunden von hier entfernt.

Das Lineup ist ebenfalls gut und passt perfekt aufs sommerliche Bauernhof-Feld (fett = must see):

Alamo Race Track | Bernd Begemann | Bohren und der Club of Gore | Dagons | DJ St. Paul | Editors | Fink | Flaming Lips | Fleet Foxes | Foals | Gisbert zu Knyphausen | Gravenhurst | Guillemots | Gutter Twins | Iron & Wine | Jack Peñate | Jamie Lidell | Joan As Police Woman | Jumbo Jet | Kate Nash | Kula Shaker | Loney, Dear | Lykke Li | Maxïmo Park | Mintzkov | My Brightest Diamond | Noah and the Whale | Norman Palm | Okkervil River | Scott Matthew | The Dodos | The Heavy | The Kilians | The National | White Lies | Yeasayer | Ólafur Arnalds

Also dann, wünscht mir Sonne (aber nicht zu viel) und bitte keinen Regen! Die 15cm Matsch-Schlamm-Wasser von 2006 waren genug, auch wenn man nicht alle Tage Keith We Are Scientists auf Socken mit nackten Fans im Schlamm herumhüpfen sieht. Bis Sonntag!

06.08.2008 at 09:29 pm
Unterwegs
14

You melt my heart

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Das Melt! war großartig, die Bands bezaubernd, die Atmosphäre unübertroffen, das Wetter semi-annehmbar, das Campen chillig, unsere Freunde super und die 3 Tage wach haben wir leider nicht ganz geschafft. Dafür aber drei Tage vorzügliche Unterhaltung.

Das obere Bild zeigt übrigens mich am dritten Tag nachmittags auf dem Campingplatz. Ich bin nun fleißig am schreiben. Und zwar den Bericht dazu - und morgen eine Klausur über Methodenlehre.

23.07.2008 at 12:00 am
Unterwegs
8

Auf geht’s zum Melt!

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Morgen werde ich mir meine Reisetasche und das Zelt schnappen und dann geht’s los, kilometerweise über die Autobahn bis hin nach Ferropolis, der Stadt aus Stahl in Gräfenhainichen bei Dessau.

Hier steigt wieder das Melt!, wo ich schon letztes Jahr war und welches wohl zu den besten Festivals der Republik zählt und das einzige Festival mit Schaufenradbaggern ist. Auch das Lineup enttäuscht nicht (fett = must-see):

Adam Green | Alexander Marcus | Alter Ego | Battles | Björk | Blackmail | Blood Red Shoes | Bonde Do Role | Booka Shade | Boys Noize | Burger/Voigt | Caspa | Cobblestone Jazz | Commix | Crookers | Daniel Haaksman | David Dorad | Deize Tigrona | dEUS | Die Türen | Dillon | DJ Beware | DJ Supermarkt | Doc Scott | Does It Offend You, Yeah? | Dúné | Editors | Edu K | Efdemin | Ellen Allien | Empro | Erlend Øye pres. Kakkmaddafakka | Fotos | Franz Ferdinand | Friendly Fires | Fujiya & Miyagi | Get Well Soon | Goldie | Goldie vs. Doc Scott | Gui Boratto | Gus Gus | Henrik Schwarz | Hercules And Love Affair | Hot Chip | Jack Tennis | Jape | Kate Nash | Karrera Klub | King Kong Klub | Kissy Sell Out | Klee | Ladyhawke | Late Of The Pier | Len Faki | Les Ÿper Sound | Lightspeed Champion | Los Campesinos! | Lützenkirchen | Luna City Express | M.A.N.D.Y. | Marcus Meinhardt | Markus Kavka | Markus Welby | Mathew Jonson | Mathias Kaden | MC Deize Tigrona | MC Glacius | MC Gringo | MC Kemo | MC Lowqui | MEN (Le Tigre DJ Set) | Miss Kittin & The Hacker | Miss Platnum | Modeselektor | Møenster | Mr. Oizo | Mutlu | Navel | Neon Neon | Oliver Koletzki | Operator Please | PeterLicht | Philipp Maiburg | Renato Ratier | Revolver Club | Robyn | Róisín Murphy | Rummelsnuff | Sascha Funke | Say Hooo! | Shir Khan | Sick Girls | Sick Sinus | Skream | Stereo MCS | Steve Bug | Storm | Supermayer | Superpunk | The Cheapers | The (International) Noise Conspiracy | The Count & Sinden | The Mitchell Brothers | The Notwist | The Teenagers | The Whitest Boy Alive | Tobias Thomas | Tomas Andersson | Twisted Wheel | Turbostaat | Uffie & Feadz feat. Technotronic | Why? | Zoot Woman

Ausführliche Berichterstattung erfolgt wie immer auf TheHeadhoops.org. Ich werd mich dann mal auf den Weg in die Stadt machen, noch ein paar letzte Vorbereitungen treffen, das Zelt abholen und mich bei Late Of The Pier auf den Ohren aufs Wochenende freuen.

17.07.2008 at 08:49 am
Unterwegs
4

Kein Alkohol ist auch keine Lösung

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© spaztacular

Wer schon einmal in Bonn war, kennt es sicher: das berühmte Bonner Loch. Auf einem tiefergelegten Areal am Hauptbahnhof trafen sich tagein tagaus die Ausgestoßenen der Gesellschaft - Menschen, die die frische Hauptbahnhofsluft liebten und bevorzugt mit einem eisgekühlten Kioskbier in den Morgen starteten. Alles interessante Menschen mit eigenen Schicksalen und Geschichten - oft alledings ein wenig zu sehr dem billigen Bier und langen Bärten zugetan.

Aber diese Romantik ist nun passé, denn am 1. Juli trat das Alkoholverbot in der Bahnhofsgegend in Kraft. Offiziell verabschiedet von der Stadt Bonn und mit gar rührenden sozialen Ambitionen: Hilfe für Suchtkranke statt Ignoranz und gleichzeitig das Schaffen eines schöneren Stadtbildes. Denn wer will schon Alkoholleichen sehen, wenn er die United Nations city und ehemalige Hauptstadt besucht?

Aber Moment mal - irgenwie ging das Ganze nach hinten los.

Dabei hätte es so einfach sein können - doch anstatt dem Alkohol zu entsagen und sich einen Job und eine Wohnung zu suchen, zogen die Bewohner des Bonner Lochs weiter - und zwar nur um einige Meter. Genau dort, wo die Grenzen der alkoholfreien Area aufhören: vor die Uni, in den Hofgarten, an den Brunnen an der Poppelsdorfer Allee und auf die Bänke der Bushaltestellen.

Hier, zwischen Studenten und Cafébesuchern, darf man noch gemütlich und genüsslich ein Bierchen zischen, denn kein Alkohol ist schließlich auch keine Lösung, das wussten schon Die Toten Hosen. Die Kollegen sitzen derweil noch immer im Loch, rauchen Tabak und schlendern hin und wieder zur Uni, um sich ein kleines Schnäpschen zu genehmigen.

Wer sich also demnächst abends per Zug auf den Weg nach Köln macht und über das berühmte, rheinische “Bier für’n Weg” nachdenkt: Vorsicht, der Spaß könnte bis zu 1000€ Bußgeld kosten.

Siehe auch:

  • BNlog: Alkoholverbot im Bonner Loch

    Es ist eben nicht der Sinn von Symbolpolitik die Probleme anzugehen, sondern den Eindruck zu vermitteln als ob.

  • Stadt Bonn: Verordnung über das Alkoholkonsumverbot (pdf)
09.07.2008 at 02:46 pm
Unterwegs
7

Morgen…

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© ’smil

… fahre ich mal wieder nach Berlin. Wurde ja auch Zeit, immerhin liegt mein letzter Besuch fast zwei Monate beziehungsweise so richtig ja eigentlich sogar fünf Monate zurück. Ich bleibe, anders als geplant, nur übers Wochenende, aber wir werden im Freien sitzen und es uns gemütlich machen, abends durch die Straßen laufen, uns im White Trash den Bauch mit Burgern vollschlagen, die Schotten bei der Rock:Liga besuchen, uns über gute alte und schöne neue Zeiten unterhalten, ausschlafen und andere tolle Dinge tun.

Vielleicht sieht man sich ja sogar. Ich freue mich jedenfalls schon, werde gleich meine Tasche packen und morgen Mittag per Mitfahrgelegenheit abdüsen.

15.05.2008 at 01:53 pm
Unterwegs
1

Achtung, coincidence!

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Das Leben ist manchmal seltsam, voller Zufälle und Déjà-vus, die wieder und wieder die Fehler in der Matrix offenbaren. Wo man sich denkt, dass es doch eigentlich ein Zeichen sein muss, weil Zufälle dieser Art nur selten existieren.

Februar 2008. Wir kamen gerade vom Jägermeister-Konzert und mich beschäftigte die Frage, was wohl Paris Hilton von der VIP-Area bestehend aus einem Kühlschrank, einer Holzbank und rot-weiß-gestreiftem Absperrband, gehalten hätte. Außerdem hatte jedes Arschloch heutzutage einen Nightliner-Bus und der Nieselregen draußen verwandelte meine glatten Haare in Locken. In einem Hotelzimmer von geschätzt doppelter Größe meiner Wohnung fanden wir Unterschlupf für die Nacht, der Fernseher lief und vermittelte den Schotten wohl das grausamste Bild von deutscher Unterhaltungskultur.

Ganz vorne mit dabei der pseudowitzige Ex-Rock-am-Ring-Moderator Daniel Hartwich versus die Technofritzen von Scooter, die auf auf der Suche nach dem ultimativen Tabubruch übers Ficken redeten und im öffentlichen Fernsehn rauchten.

Mai 2008. Gestern war es wieder so weit, im weißen Zimmer des Kölner Ibis. Ich kam auf eine Vorabendvisite bei Jasmin und Mikey vorbei und wir hatten Cider, den die Schotten am Tag zuvor importiert hatten, guten deutschen Pommbären mit Ketchupgeschmack und Milka-Schokolade, während draußen das Pfingstfeuerwerk in vollem Gange war und sich in den Fenstern des Häuserblocks gegenüber spiegelte.

Im Hintergrund der Fernseher: BBC News, die Linkin Park Videographie auf MTV und center.tv mit romantischen Bildern aus Bonn, die abwechselnd Rentner beim Eisessen und die Fußgängerzone zeigten. Und dann tatsächlich: “Achtung, Hartwich!”. Zu Gast: Scooter. Unlustige Witze, Ficken, Rauchen. Wir mussten lachen. Diese Kombination von Menschen in einem Hotelzimmer und dieser beispiellosen Sendung im TV. Creepy. A funny coincidence? A sign? Fate?

So jung kommen wir jedenfalls nicht mehr zusammen.

11.05.2008 at 06:12 pm
Unterwegs
6

Auf Tour (2)

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© L. Chaplin

M. wohnte im Untergeschoss eines holländischen Altbauhauses, hatte gerade begonnen, IKEA-Holzparkett zu verlegen und seine Arbeit gern unterbrochen, um die neuen Gäste aus fernen Ländern auf der Terasse seines Vorgartens zu begrüßen. Die gastfreundliche Art habe er von seiner Mutter übernommen, sagte er.

Direkt neben einem Musikclub zu wohnen, war vielleicht doch keine so schlechte Idee. Die letzten MGMT-Fans mit Tüchern in den Haaren und Hippieketten waren abgezogen und vor der Tür bildete sich bereits eine lange Schlange lärmender Technofreunde, die auf den Einlass zur Party warteten. Ich seufzte, während in meinem Kopf der Beat von “Kids” tickte. Das Leben hier war locker. Ein jeder schwang sich auf sein Rad, um mal eben Freunde zu besuchen, um zur Arbeit zu fahren, Essen zu kaufen und die Drogen vom Dealer abzuholen. Den könne hier jeder anrufen, wenn er wollte, sagte M..

Es war dunkel und der Himmel war klar. Sternenklar sogar. “It’s been ages since I last saw the stars in the city.” meinte C. und klimperte auf der Gitarre. Sternenhimmel, Musik und Dosenbier in einem Garten mitten in der Stadt, das klang eher nach einem Film, als nach der Realität. Wir saßen zu acht um den kleinen Tisch, mit billigen Drinks von der Tankstelle und einer Tüte Bolognesechips, die eher gierig statt satt machten. Mit einer Ukulele und einer Gitarre, einem Songbook und einer wundervollen Sängerin.

Florence kann wunderschön singen, für mich hatte sie in diesem Moment die bezauberndste Stimme der Welt. Ich glaube, viele Leute bekommen eine Gänsehaut, wenn sie die Augen zumacht und einfach singt, als sei es das Normalste auf der Welt.

Es war mittlerweile Nacht. Der große Bus hatte sich schon auf den Weg nach Calais gemacht, wo morgens um fünf eine verschlafene Mannschaft zur Passkontrolle antreten musste. Der kleine Van parkte noch vor M.s Haus. Vielleicht wachte ich jeden Moment in meinem Bett auf und alles war weg. Die Veranda, die Wiese, die Musiker, der Sternenhimmel, die surreale Szenerie. Mein voller Kopf. Die warme Decke auf meinem Schoß.

Vielleicht auch nicht.

Wenn man sich wie in einem Film fühlt, erst dann scheint man richtig zu leben. Und wie immer bleiben mir nur die Dinge in meinem Kopf, ein paar Kritzeleien auf Papier und das schöne Gefühl, ein kleiner Teil von etwas ganz Großem zu sein.

05.05.2008 at 01:27 am
Unterwegs
6

Mein Leben, die Soap

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© L. Chaplin

Während ich tagsüber mit meiner wunderschönen, neuen Sonnenbrille und endlich mal mit einer dünnen Jacke durch das sonnige Bonn laufe, fühle ich mich wie in einer schlechten Daily-Soap, vielleicht GZSZ (ohne Inzest und Koks), oder einfach nur wie in einem normalen Leben, das ja gemeinhin als Vorlage für Soaps dient.

Zu human-vertretbaren Zeiten aufstehen, zu kulturellen Veranstaltungen gehen (”100 Jahre Pädagogikunterricht in Deutschland”), sich mit der eigenen Mutter (!) in einem Eiscafé treffen (!) und sich einfach nur unterhalten (!), natürlich auch über alte Bekannte, alte Zeiten und den neusten Tratsch und Klatsch (!) aus der ehemaligen Heimatstadt (!). Dann in der warmen Abendluft in die Stadt fahren, im Zug nach Köln sitzen, Bier aus Dosen trinken und Musik hören. Das ist fast schon cooler als GZSZ.

Wir holten uns Nudeln beim Asia-Imbiss im Hauptbahnhof, genauer gesagt holte ich mir aus Geldmangel keine und ließ mich mit Stäbchen füttern, während wir im immer noch warmen Abendwind vor dem Dom standen, der nachts erleuchtet und fast schon ein wenig romantisch ist. Zugegeben, mit einer Freundin am romantischen Rhein spazieren zu gehen und über Männer zu reden, hat vielleicht doch wieder etwas von einer schlechten Soap.

Aber der Rhein ist im Dunkeln wunderschön und auch wenn man die lärmenden Betrunkenen nicht ignoriert, ist es beinahe romantisch. Vielleicht werde ich hier nochmal spazieren gehen, sollte ich eines Tages meinen Märchenprinzen finden. Oder einfach einen verkappten Rockstar mit kaputten Klamotten und Drogenproblem, um wieder auf den Boden der Tatsachen zurückzukommen.

Unser Weg führte uns in die Gassen des Kulturschocks, in denen manche Menschen vielleicht ihr komplettes Partyleben zubringen. Ballermann-Clubs, Kneipen mit schrecklicher Tanzmusik und an jeder Ecke eine Jungesellenabschieds-Gruppe mit Hasenohren, bemalten T-Shirts und Bollerwagen, allesamt high auf Alkopops und kleinen Feiglingen. Eine solche Szenerie war mir bekannt aus Wien, wo wir uns im Bermudadreieck rumtrieben, wo Clubs Namen wie “Kaktus” trugen und sturzbetrunkene Mädchen in Miniröcken die Touristen scharenweise anlockten.

Dem eigentlichen Event des Abends kommt eher ein kleiner Absatz zu. Ein Abend in einem schönen Club: eine wöchentliche Dosis Superconnected, Kontakte pflegen bei Drinks und Erdnüssen und Musik bis zum bitteren Ende, sprich bis “Perfect Day” von Lou Reed ausklingt und das Licht angeht. Die sonnigen Stunden von heute habe ich leider verschlafen.

27.04.2008 at 09:29 pm
Unterwegs
3

Nostalgia

Das Ergebnis besagter Einwegkamera, ein paar Tagen auf Tour, vier Städten, einer wundervollen Band (und einer ebenso wundervollen Vorband), sowie Jasmins Foto- und Scankünsten.

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Good times.

16.03.2008 at 06:43 pm
Unterwegs
6

Großstadtromantik

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© Wbs 70

Ich fahre durch die Stadt. Draußen hängen die King-Kong-Plakate, “Am Ostersonntag lassen wir ihn raus!” Ich überlege, wann denn nun Ostersonntag ist, ob ich da Zeit habe und was ein Affe mit Ostern zu tun hat. Die Frau, die mir im Bus entgegenkommt, sieht ein wenig aus wie King Kong, mit den großen Nasenlöchern und dem bösen Blick. Ich muss schmunzeln und langsam wird es dunkel und romantisch.

Wir Stadtkinder haben unsere eigene Vorstellung von Romantik. Meine Blumen verwelken in der Sodastream-Plastikflasche neben dem Fernseher und für manche von uns ist ein Bier sicher ein schöneres Geschenk, als ein Strauß Rosen. Wir schlagen uns die Nächte um die Ohren und machen Witze über das Musikbusiness. Manche meinen, wir seien abgebrüht. Oder ein bisschen verrückt.

Oder vielleicht auch einfach unglaublich öde, weil wir ja quasi auch nur Nine-to-fivers sind und uns für etwas besseres halten, weil wir über Musik fachsimpeln, Tageslicht doof finden und in Secondhandläden pinke Regenmäntel anprobieren. (Ich hätte den Regenmantel gern gekauft, für die kommende Festivalsaison. Wenn der Campingplatz morgens matschig ist oder es abends in Strömen gießt. Aber er war zu groß und zu teuer.)

Ich bin so wie alle anderen. Aber desweiteren habe die unglaubliche Gabe, aus mir unerklärlichen Gründen seltsame Menschen anzuziehen. Man stecke eine seltsame Person mit mir und 100 anderen Menschen in einen geschlossenen Raum und die Wahrscheinlichkeit, dass genau diese den Kontakt zu mir sucht, strebt gegen hundert Prozent. So traf ich zum Beispiel den Kondomexperten, den Weißweinmann, den vergifteten Flaschensammler oder natürlich Mr. Braveheart. Diesmal ist es ein älterer Fußballfan mit Brustbeutel und Artikulationsproblemen, der uns von türkischen Fußballfans erzählt und uns über den Ausgang des Fußballspiels aufklärt.

Irgendetwas mache ich falsch. Oder richtig, ich weiß es grad nicht.

15.03.2008 at 08:57 pm
Unterwegs
13

Auf Tour

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© Lastnightsparty

Mein Lebensstil war nie konventionell, allerdings auch nie sonderlich spannend. Man neigt ja doch dazu, am liebsten nur das zu tun, was man am besten kann und sich freizeittechnisch auf das zu beschränken, was einem am meisten Spaß macht. Bei mir war es immer die Musik und ein gewisser Drang, rauszukommen. Dass man das gut kombinieren kann, fällt einem spätestens auf, wenn man vierzehn und gelangweilt ist, während draußen etwas abgeht, das sich Leben nennt und irgendwie bunt und scheinbar grenzenlos ist.

Um eines vorweg klarzustellen, hier geht es selten um Fanatismus aus Kelly-Family-Zeiten (die ich leider oder vielleicht Gott sei Dank nie aktiv miterlebte), vielleicht geht es eher ein bisschen um Realitätsflucht und primär um Egoismus. Warum tun wir gewisse Dinge? Weil wir es können.

Wenn man armer Student oder einfach generell, berufsunabhängig und chronisch arm ist, bietet einem die Deutsche Bahn ein gutes, neues Zuhause, wenn auch nicht immer so billig und schnell, wie man es gerne hätte. Doch nicht selten trifft man durchaus interessante Leute, wie eine seltsame Wochenendticket-Reisegruppe, die ihre Fahrkarte mit uns teilten, oder einen Bundeswehrsoldaten, der vom Kosovo und Schikanen beim Wehrdienst erzählte. Bahnhöfe sind irgendwie doch immer gleich, kennt man einen, so ist zumindest die Chance groß, sich auch auf anderen zurechtzufinden. Überall schleppen Menschen schwere Koffer, kutschieren Kinder oder sitzen einfach nur herum, als hätten auch sie sich an einem öffentlichen Platz kurzzeitig eingenistet.

Trotz global village sind Land und Leute überall verschieden, wenn man nur genau hinschaut, wird man stets daran erinnert, dass sich die Reise lohnt und man sich tatsächlich auf neuem Terrain bewegt. In Bayern vermisst man schmerzlich die rheinische Kioskkultur und die Preise an der Bar lassen die Vermutung aufkommen, das Bier sei zusätzlich auch noch vergoldet. In Stuttgart hingegen scheint die Sonne und ein wunderschöner Park lässt einen murmelnd alle Vorurteile über mittelgroße, sonst eher unscheinbare Städte revidieren.

Im sonnigen Park führt die Mischung aus Schlafentzug und Adrenalin zu Gesprächen über chinesische Nudeln, Regenbögen, schottische Akzente und Pocket Coffee. Ein Mann mit Hut zieht einen Karren hinter sich her und besticht Jugendliche mit Süßigkeiten, um sie dann über die Gefahren von “Wochenendsaufen, Jugendgewalt und Sexualproblemen” aufzuklären - es scheint zu wirken, die Gruppe setzt sich zu ihm ins Gras, schlürft Cola und schmunzelt hin und wieder angesichts seines Vortrags.

Es gibt viele Dinge, die das Herumreisen als sinnvolle Freizeitbeschäftigung legitimieren und der Grund dafür sind, dass ich nie darauf verzichten wollte. Städte erkunden, durch die Fußgängerzonen schlendern und in der Sonne Kaffee trinken. Sonnenbrillen kaufen, Clubs suchen und für eine Sekunde überlegen, ob man sich bei der Samy-Deluxe-Autogrammstunde im Schuhladen anstellen soll. Spätestens, wenn die Sonne untergeht, erlebt man die ersten Déjà-vus, vorausgesetzt, man hat die Stadt vor kurzer oder längerer Zeit schon einmal besucht. “Hier war ich schon mal! Die Straße! Das sieht ja immer noch genauso aus!”

Und die Musik. Nicht, dass sie zur Nebensache wird, irgendwie ist sie ja immer noch der rote Faden bei allem, was passiert und sie begleitet einen an jeden Ort. Konzerte sind keine Kinofilme, die identisch Tag für Tag vor wechselndem Publikum abgespielt werden. Vielmehr entwickelt jeder Abend seinen eigenen Charakter, mal ist es laut, mal drängen sich die Leute vor der Bühne und mal ist es gemütlich wie im heimischen Wohnzimmer.

“Hello ladies!” Wenn man später zusammensitzt bei gin in teacups ohne Gin und in der Müslischüssel-Version (Gläser waren leider alle oder nicht auffindbar), zu DJ-Sets des Tourmanagers tanzt oder sich in Dönerbuden über das Gratis-Brot freut; wenn man sich morgens Zahnpasta schnorrt und sich mit dem Taxi zwei Minuten um die Ecke kutschieren lässt, dann wird man sich den kleinen großen Freuden des Lebens bewusst. Es ist eben nicht immer Reihenhaus mit Garten oder der American Apparel Pulli, und auch nicht das Notebook, auch wenn es das Leben zugegebenermaßen geiler macht.

Erinnerungen können vergänglich sein, am Ende hält man oft wenig in der Hand und besitzt nichts Materielles, mit dem man tolle Dinge tun oder seine Mitmenschen in der Straßenbahn beschallen kann. Ein Abend wird lediglich dokumentiert von Stempeln auf dem Handgelenk und einer Einwegkamera. Irgendjemand von der Vorband nimmt den Plastikapparat vom Tisch, knipst wild um sich und zieht gezielt mit dem Daumen den Film wieder auf. Da stammt wohl auch jemand aus der Zeit, als die kleinen Kinder noch nicht “Zeig mal! Zeig mal!” und “Lösch das!” brüllten, wenn man Fotos von ihnen machte.

Hätte ich Schokolade im Haus, würde sie vielleicht ganz gut das Loch stopfen, das plötzlich in den eigenen vier Wänden vor einem klafft. Die Leere und die Entzugserscheinungen der Vergnügungssucht unserer Generation - die nahe Zukunft liegt erst einmal in einer Wolke aus Langeweile. “Daran ist noch keiner gestorben.” sagt Franzi. Und sie hat Recht.

25.02.2008 at 12:23 am
Unterwegs
7

Mr. Braveheart und das Ketchupblut

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© william.ward

“Kennt ihr Braveheart?”

Die Kreatur, die dort im grellen Licht gegenüber von der geschlossenen Pendlerkneipe vor uns stand, wirkte so bizarr wie angsteinflößend. Seine grauen Haare waren zurückgekämmt und sein Gesicht war zur einen Hälfte bemalt mit schwarzer, bröckelnder Farbe, die andere Seite war rot-gelb verschmiert mit Ketchup und Senf. Von seiner Nasenspitze tropfte Ketchupblut und besprenkelte seinen schwarzen Parka.

Er reichte uns zur Begrüßung die Hand und nur wenige Sekunden vergingen, bis ich es bereits bereute, ihm jemals auch meine entgegengestreckt zu haben. Sein Händedruck war so fest, als wolle er mir alle Knochen brechen und seine Hände waren klebrig vom Ketchup.

Es war früh am morgen und der Kölner Hauptbahnhof nahm langsam wieder den Regionalzugverkehr auf.

“Den Film mit Mel Gibson?”

Ich überlegte für einen Moment, ob diese Situation tatsächlich real war oder eher eine Mischung aus Hirngespinst und Illusion, entflohen aus meinem müden Kopf und getrübt von Neonröhrenlicht des Bahnhofsgebäudes. Aber er stand leibhaftig vor uns und erzählte unaufhörlich von William Wallace.

“Wir haben die Schlacht gewonnen! Gewonnen! Es ist viel Blut geflossen, aber wir haben die Schlacht gewonnen!”

Ich konnte meine Blicke nicht von dem Ketchup-Senf-Ruß-Gesicht lösen, zu surreal wirkte Mr. Braveheart zwischen den pensionierten Frühaufstehern, betrunkenen Heimkehrern und Pendlern in den Gängen des Bahnhofs.

Der ganze Abend war eine Ansammlung schicksalhafter Surrealitäten gewesen: die Schotten mit ihren Akzenten und ihrer Musik, it always pays to be brave, from the cradle to the grave auf meinem iPod und nun ein Mann mit Ketchup und Senf im Gesicht, der sich für den schottischen Freiheitskämpfer Braveheart hielt. Ketchup tropfte auf meinen Schuh. Er hatte die Schlacht gewonnen.

“Dann bist du so etwas wie ein Aktionskünstler?” fragte ich. Er nickte und bevor er mich in seine Kunst einweihen konnte, stolperte ich hastig die Treppen zum Gleis hinauf und hoffte, dass er mir nicht folgte.

21.02.2008 at 03:47 pm
Unterwegs
4

Klausuren und Fußbadperlen

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© Purplekitten

09:30. Samstags wirkt die Bahnhofsgegend wie ausgestorben. Das Loch ist belebt wie immer, doch der Bäcker unter der Brücke hat zu. “Samstags geschlossen”. Die Caféteria ebenfalls. Und die Klos im Uni-Erdgeschoss, die immer so hübsch blau leuchten, damit die Junkies ihre Venen nicht finden, auch.

10:00. Die Uhr an der Wand ist kaputt und zeigt schon seit Monaten irgendwas um die vier Uhr an. Es ist genau ein Jahr her, dass ich meine letzte Klausur geschrieben habe und jetzt ist es wieder so weit - “Ästhetische Kommunikation”, ich warte sehnlichst darauf, endlich mein komplettes Wissen auf die paar Blätter Papier zu knallen, bevor ich es womöglich noch wieder vergesse.

10:48. Ich führe mir noch einmal vor Augen, was ich denn eigentlich hier studiere. Das jedenfalls nicht.

11:02. Jedes Mal, wenn sich die Tür öffnet, fährt ein Windstoß durch den Raum und alle stürzen sich hektisch auf ihre Blätter. Hier und da fliegt etwas durch die Gegend und irgendjemand stöhnt. “Was verstehen Sie unter dem antimimetischen Prinzip?”

11:45. Schluss. Aus. Raus. Draußen ist es warm, die Sonne taucht den Hofgarten in sommerliche Farben und die Luft ist klar. Es ist geschafft. Ich schlendere Ziellos durch die Stadt. Was Bonn angeht, habe ich ein primäres Problem: Ich finde mich nur begrenzt zurecht. Auch wenn die Innenstadt sehr schön und nicht sonderlich komplex ist, lautet meine Devise “immer geradeaus” - und das so lange bis ich entweder am Ziel, oder irgendwo anders ankomme.

13:10. Meine Schäppchenjägerqualitäten sind kaum zu überbieten. Überall ist Schlussverkauf und in irgendeinem Laden bekomme ich sogar zwei Packungen vitalisierende Fußbadperlen gratis dazu, sie sind grün und blau und glitzern. Genauso wie das eine Kleid.

14:00. Meine beste Errungenschaft bleibt nach wie vor eine Plastikbrille für einen Euro, die ich schon allein des Kultfaktors wegen kaufen musste. Sie hat quasi wenig Sinn, da sie aus Plastik ist und quasi nur optisch wirklich ins Gewicht fällt. Aber: nennt mich Jarvis!

Epilog. Als ich nach Hause kam war es tatsächlich noch sonnig, ich setzte mich an mein offenes Fenster und genoss zu schöner Musik den, naja, langsam anrollenden Frühling. Mittlerweile ist es dunkel. Und wer heute abend noch nichts vor hat: Geht doch hierhin. Oder dorthin. Oder da hin.

Ich mache mir jetzt erstmal Nudeln - und ein Fußbad mit einer blauen Fußbadperle.

09.02.2008 at 07:19 pm
Unterwegs
7

Glitter, Kunst und Strüßje

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© Lastnightsparty

10:05. Es ist schon pathetisch: Anstatt 50 Meter zu laufen und nachzuschauen, ob Norma heute auf hat, suche ich lieber die Öffnungszeiten im Internet und verlasse erst dann das Haus. Draußen ist es kalt und dass ich gerade aus dem Bett komme, ist sicher auch für meine Mitmenschen kein Geheimnis. Für 35 Cent in kupferfarbenen Münzen kaufe ich mir eine Packung Haferflocken und fühle mich dabei unglaublich sparsam - würde ich mich nur noch von Haferflocken ernähren, hätte ich monatlich sicher eine Ersparnis von 50 Euro.

11:36. Mit 2kg Glitzer im Gesicht und einem wunderschönen Kleid stehe ich an der Bushaltestelle. Wenigstens bin ich mir diesmal sicher, dass ich mich nicht im Tag vertan habe. Bus und Zug sind voller Jecken, die sich gegenseitig die Haare toupieren, während die Waggons in den Kölner Hauptbahnhof einrollen. Sich an einem belebten Tag wie diesem am Douglas zu verabreden, ist fast so sinnvoll wie die meisten Karnevalsschlager: hier ist es beinahe voller, als im Rest des Bahnhofs zusammen, weil jeder diese fantastische Idee hatte.

12:35: Das Handy wählt. Dann Stille. “What’s in your head?” singt Dolores O’Riordan und ich werde stutzig. Für einen Moment dachte ich, dies alles spiele sich im Hintergrund meiner gewünschten Gesprächspartnerin ab (durchaus nicht ungewöhnlich, auch in meinem Umfeld ist es laut). “Hallo?” Doch die Musik klingt zu perfekt. Mailbox wahrscheinlich. Ich lege auf.

12:45. “Hast du versucht mich anzurufen?” - “Ja, aber da kam so komische Musik.” - “Das ist keine komische Musik, das sind die Cranberries!” - “Ich weiß. Ist das deine Mailbox?” - “Nee, das Freizeichen.” - “Oh.”

13:10. Es regnet. Die Straße, die so menschenleer und gemütlich begann, endet in einem chaotischen, bunten Treiben. Genau hier, an der Verlängerung der sonst eher szenigen Ehrenstraße, verläuft der Zug. Ich dränge mich durch die Menge, wenigstens solche Dinge kann ich gut. Das ist noch aus meiner Zeit als Großkonzert-Besucher hängengeblieben, außerdem bin ich recht klein und nun fehlen lediglich noch die Getränkebecher in meiner Hand und ein fröhliches “Tschuldigung, aber da vorn sind meine Freunde!” auf den Lippen.

13:33. Ich treffe meinen Vater, er trägt eine blau-weiß-gestreifte Mütze und hat wie immer Essen dabei, außerdem heiße Schokolade in der Thermoskanne. War es in meiner Kindheit immer ein Stundenakt, ihn zum Tragen einer roten Nase zu bewegen, geht er mit seiner Glöckchen-Latzhose jetzt sogar halbwegs als Karnevalist durch. “Kamelle!” Es regnet noch immer in Strömen und ich verstecke mich unter einem Vorsprung. Scheinbar ist jeder Karnevalist perfekt auf Regen vorbereitet, alle tragen Mützen oder Hüte. Nur mich trifft das Wetter buchstäblich aus heiterem Himmel.

13:51. Scheiß drauf, denke ich mir. Jetzt macht es auch keinen Unterschied mehr. So wie damals beim Haldern Pop, als We Are Scientists spielten, das Wasser schon 15cm auf dem Feld stand und wir die einzigen ohne Regencape waren.

14:09. Langsam komme ich meiner Umwelt gleich: ich bin nass. Und gefangen zwischen Spielmannszügen, Wagen, Pferden, Kamelle und Kostümen. “Lappeclown inspiriert Kunst” nennt sich ein Wagen, als Anspielung auf das fast digital anmutende Domfenster von Gerhard Richter. Und irgendetwas mit Klimaerwärmung, Merkel, Knut, Moschee. Zwei junge Männer vor mir brüllen unentwegt nach Strüßje. Sie schreien sich die Seele aus dem Leib und für einen Moment frage ich mich, wo der Vorzug eines zerquetschten Blumenstraußes gegenüber einer Handvoll Schokolade liegen soll. Und was die beiden, scheinbar Junggesellen, mit so vielen Blumen wollten.

14:28. Die Strüßje-Jäger brüllen noch immer und ich überlege, ob ich ihnen sagen soll, dass diese Blumen an Karneval eigentlich netten Frauen vorbehalten sind. Irgendwann erbarmt sich eine Reiterin und wirft eine weiße Blume - doch der japanische Karnevalstourist ist schneller. Die jungen Männer fluchen.

15:02. Ich kann nicht mehr, langsam wird mir sogar kalt (und das soll etwas heißen, normalerweise entspricht meine innere Hitze der einer Fünfzigjährigen in ihren Wechseljahren). Die trockenen Menschen, die uns entgegenkommen, starren uns an. “Oh mein Gott, guck mal, wie nass die alle sind! Ich will nachher nicht auch so aussehen!”

15:09. Flucht. Fressorgie. Freude.

16:10. Vollkommen durchnässt und mit einer halben Tragetasche Kamelle fahre ich nach Hause. Selbst der Busfahrer ist zu Späßen aufgelegt, als eine Gruppe Halbstarker zum dritten Mal den “Stop!”-Knopf drückt, obwohl niemand aussteigen möchte. Hinten fängt jemand an zu singen und die Gruppe auf dem Vierer vorn stimmt mit ein. “Ich hab ‘ne Zwiebel auf dem Kopf ich bin ein Döner, denn Döner macht schöner.” Das Paradoxon des Satzes angesichts der Tatsache, dass Döner gar keine Zwiebel auf dem Kopf haben (geschweige denn einen Kopf besitzen), begleitet mich auf meinem Weg nach Hause.

Epilog. Alaaf. Die Süßigkeiten sind quasi alle und meine Strüßje stehen in einer Soda-Stream-Plastikflasche neben dem Fernseher und sehen unglaublich unromantisch aus.

05.02.2008 at 02:55 am
Unterwegs
6

Rauch versus Schweiß

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© stepside2

Aus der Reihe “kreative Ergüsse gefördert von der Universität” (alias Audiopraxis) hier sozusagen mein erster Podcast, auch wenn es nicht um mich geht und ich nicht einmal zu Wort komme. Aber das kommt noch, versprochen.

Seit dem 1. Januar herrscht in NRW das neue Nichtraucherschutzgesetz. Eine Zusatzklausel soll ab Juni auch das Rauchen in Gaststätten und Diskotheken verbieten. Was in anderen Bundesländern schon länger Gang und Gebe ist, stößt hierzulande auf heftige Diskussion.

30.01.2008 at 07:43 pm
Unterwegs
4

Eine Stadt im Ausnahmezustand

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© Nicole Blommers

“Man merkt, dass du Student bist.” meint eine Freundin zu mir. “Immer Zeit, immer unterwegs.” Ich zucke die Schultern. Irgendetwas muss man ja schließlich machen, wenn man nicht in der alltäglichen Einöde verrosten will.

Spontan fahren wir nach Groningen ins benachbarte Holland. Wo sonst eher Kunststudenten und ausgewanderte Deutsche leben, herrscht Ausnahmezustand. Das Noorderslag Weekend und Eurosonic Festival ist im vollen Gange, überall tummeln sich Menschen und auch die allerkleinste Bar wird zum Kulturzentrum erklärt. Das Programmheft: ein dicker Wälzer.

In einem Schuppen mit Retrotapete in der Innenstadt, beginnt unser Abend. Hier sind die holländischen Musikfans, dort die alten Männer aus der Musikindustrie, die großzügig ihre Portemonnaies zücken und Drinks spendieren. Manche von ihnen haben einen Bart, genauso wie die Musikindustrie auch und sie trinken Bier, stehen herum und notieren sich Dinge, während sie die Bühne stets aus dem Augenwinkel beobachten. “Do you know how I started? I sold fanzines in my hometown.” erzählt mir einer.

Die jungen Musiker irren geblendet vom Trubel euphorisch durch die gepflasterten Straßen, um schließlich in irgendeinem Coffeeshop, in einer Schwulenbar oder im Fastfoodrestaurant um die Ecke zu enden. Sie spielen auf kleinen und großen Bühnen, in Schaufenstern und Kellern und mal vor mehr, mal vor weniger Publikum.

Da sind zum Beispiel Ripchord aus England, die schon letztes Jahr beim Haldern Pop begeisterten. Und The Kissaway Trail aus Dänemark. Oder Calvin Harris, der sympathische Schotte, der mit seinen Elektrosounds und Remixen eine wahre Hysterie im Internet auslöste. “I don’t care what you dress like or what you wear, but please make sure baby you’ve got some colours in there” singt er und die bunte Menge tanzt zur Synthesizermusik, während es draußen in Strömen regnet.

Wir sitzen noch eine Weile vor der Retrotapete. “You’re lucky, nowadays you can have it all online.” meint der bärtige Ex-Fanzine-Verkäufer und er hat Recht. Die Zeiten ändern sich, sage ich. Er nickt. Immer Zeit, immer unterwegs - alles andere wäre ja auch langweilig.

13.01.2008 at 12:29 am
Unterwegs
10

Einmal Niederrhein, bitte!

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© ogy

Dass Billigflieger Schweine sind, das hört man in letzter Zeit oft. Sie verschmutzen die Umwelt, stoßen CO2 aus und verwirren ihre Kunden so oft es geht. Überhaupt sind sie ja eh nie pünktlich und fliegen von den seltsamsten Orten ab. Na und? Ich war hart im nehmen und buchte meinen billigen Flug von Düsseldorf-Weeze nach London-Stansted - denn: Düsseldorf? Klingt super, da bin ich doch schnell da und zahle nur minimal drauf.

Gesagt getan. Um kurz vor 3 stand ich dann doch mitten in der Nacht an der Haltestelle. Weeze war weiter als gedacht, Shuttlebusse gab nur zu unmöglichen Zeiten und ich entschied mich gegen 5 Stunden warten am Flughafen und wählte die Zugvariante - mehrere Stunden mit dreimal Umsteigen, Busshuttle von Weeze zum Flughafen und NRW-Ticket für 15€.

Auf meinem Weg nach Weeze wurde es mehr und mehr holländischer. Das Land wurde flacher und die Windmühlen häuften sich ebenso wie die doppelten Vokale in den Namen der Haltestellen. Außerdem entfernte ich mich mit jedem Halt weiter von der Zivilisation. Schnell wurde mir klar, dass das einzige Kriterium, welches diese Stadt zum perfekten Standort für einen Flughafen qualifizierte, der großzügig vorhandene Platz war. Eines war dies jedenfalls nicht: Düsseldorf.

Die Bezeichnung „Niederrhein (Düsseldorf)“ für einen 80km weit von Düsseldorf entfernt liegenden Flughafen, der tatsächlich in dem Ort Weeze liegt, ist irreführend, da Weeze nicht zum Großraum Düsseldorf gehört. Dies hat das Landgericht Köln heute [22.07.2003 !] im Rahmen einer einstweiligen Verfügung entschieden. (Wettbewerbszentrale)

Ergo heißt der Flughafen (außer im Internet) nun mehr oder weniger offiziell nur noch “Niederrhein” - und auch im Flughafengebäude liest und hört man nirgendwo etwas von Düsseldorf. Logisch, schließlich liegt die Landeshauptstadt auch knapp 80 km entfernt.

Die Bezeichnung “Niederrhein (Düsseldorf)” sei irreführend im Sinne von § 3 UWG, weil sie den Interessenten einen Flughafen erwarten lasse, der in der Nähe von Düsseldorf und nicht 70 bis 80 km entfernt liege. Werde einem Begriff, der [...] eine recht große Region bezeichne, eine weitere Ortsangabe (”Düsseldorf”) beigefügt, vermute der angesprochene Verbraucher darin die nähere Konkretisierung der Lage des Flughafens innerhalb der Region [...] und nicht, wie das tatsächlich der Fall sei, im Norden des Gebiets. (Wettbewerbszentrale)

“Flughafen Venlo/Eindhoven/Nimwegen” oder “Flughafen Duisburg” wäre da schon passender gewesen. Folglich reiste ich fast ausschließlich gemeinsam mit holländischen Holländern, britischen Holländern, holländischen Briten und vereinzelten englischen Engländern, die sich alle auf einem Flughafen tummelten, der ähnlich ausgestorben wirkte wie die zugehörige Stadt. Der Flug war pünktlich, wie wir bei der Landung nach theatralischer Fanfarenmusik erfuhren.

In Stansted wurden wir eine Woche später trotz allem zu unserem Rückflug nach “Duseldorf Wieeeeeees” begrüßt und ich musste schmunzeln. Wenn die Engländer wüssten, die sich dort mit mir am “All other passengers”-Schalters (die 3€ für die “Priority Q” hatte ich mir gespart) darauf warteten, dass endlich alle Priority-Passengers eingestiegen waren. Der Flug war übrigens erneut pünktlich - dödö-dödö-dödö - und die Briten, die 20€ für den Zubringer nach Düsseldorf zahlen mussten, ärgerten sich.

Nach einer gefühlten Ewigkeit erreichte das Flughafenshuttle Düsseldorf. Eine Stunde später Köln. Und für mich steht fest: das nächste Mal fliege ich lieber ab Frankfurt-Hahn, das liegt nämlich in der Eifel.

07.01.2008 at 09:45 pm
Unterwegs
6

Silvester in London

Im Winter sind die alten, britischen Stadthäuser oft kalt, die Schiebefenster sind undicht und manchmal fühlt man sich ein bisschen wie in einem jungen Großstadtfilm.

Es ist Silvesterabend und alles ist wie immer. Die Londoner im Bus schauen vor sich her, die orthodoxen Jugen aus der Nachbarschaft tragen große, pelzige Hüte, die Kinder hüpfen adrett gekleidet hinterher. Zu Hanukkah hatten sie sogar Lichtschwerter in rot, grün und blau.

“Happy new year!” rufen wir über die Straße.

London ist gewaltig und pulsierend, zu jeder Tages- und Nachtzeit. Irgendjemand ist immer in Bewegung und das Angebot erschlägt einen beinahe. Sei es Clubnights, Vintage-Shops oder indische Restaurantklitschen auf der Brick Lane (wir entschieden uns für den Laden gegenüber vom “Brick Lane Curry Award 2007 - Chef of the year”).

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© Zoo Music Club

Zwischen der üblichen Lokalprominenz tanzen wir zu Ipso Facto in Shoreditch. Das ist unser New Years Eve und irgendwann fallen sich alle in die Arme. Ein Blick auf die Uhr erklärt vieles, es ist schon nach zwölf, das Feuerwerk ist nicht sonderlich üppig und mit Drinks darf man sowieso nicht auf die Straße.

“Happy new year!” - “Happy 2008!” - Psst, want some coke, girls?” - “Happy new year!” Die ganze Stadt ist im Neujahrsfieber.

Als wir nach Hause kommen, ist die Hausparty noch in vollem Gange. Die Freunde der Mitbewohner tummeln sich im Treppenhaus, im Flur und der Küche und das Bier, das zuvor noch in der Badewanne gelagert hatte, ist längst alle. “Hello, call me Borat.” stellt sich ein junger Mann vor - die Italiener im Wohnzimmer spielen derweil Gitarre.

Während Borat eine Flasche Tabascosoße auf Ex trinkt, lassen wir gemütlich den Abend ausklingen. Happy new year übrigens.

05.01.2008 at 10:28 pm
Unterwegs
14

Wo wart ihr, als ihr 18 wurdet?

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Also ich war in einem VW-Bus auf der Autobahn nach Berlin, mit Anna und fünf jungen Menschen, die ich gerade erst kennengelernt hatte. Eigentlich wollten wir schon längst dort sein und in Friedrichshain auf meine Volljährigkeit anstoßen, aber nun fuhren wir noch immer auf der Autobahn, trugen Partyhüte und der Fahrer drehte seine Bauchtanzmusik extra laut auf, zur Feier des Tages sozusagen.

“Heute kann es regnen, stürmen oder schnei’n” sangen meine Mitfahrer und ich überlegte, ob sich etwas verändert hatte. So eine Art Erleuchtung vielleicht, die sich zwischen den Luftschlangen verbarg und langsam über mich kam. Aber vergebens, alles war wie vorher. Warum sollten mir gerade heute Dinge erlaubt sein, die ich gestern noch nicht tun konnte? Ich war doch immer noch genauso.

Draußen war es dunkel und in Luftschlangen gehüllt näherten wir uns langsam Berlin. Normale Geburtstage sind sowieso langweilig - und wenn dieser schon überbewertet sein musste, werde ich mich wenigstens immer daran erinnern.

16.12.2007 at 11:35 pm
Unterwegs
12

Tschuldigung, darf ich Sie mal was…

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© bwPingu

Bewaffnet mit einer mehr oder weniger professionellen Reporterausrüstung rannten wir durch die Straßen, um Menschen nach ihren intimsten Details zu befragen. Oder einfach nur zu ihrer Meinung zu aktuellen Ereignissen (bei manchen schienen hier die Grenzen fließend zu sein). Uni. Radiopraxis. Eines Tages sollen wir schließlich alle einmal halbwegs anständige Reporter abgeben.

Beobachtet man diese Situationen genau, fallen einem schnell die Leute auf, die schon beim Anblick des Mikrofons dezent die Straßenseite wechseln. Die ganz plötzlich mit ihrem Handy beschäftigt sind und sich just in diesem Augenblick wie vom Blitz getroffen an einen wichtigen Termin erinnern, für den es sich lohnt, einen Schritt schneller zu gehen.

“‘tschuldigung, darf ich Sie mal was…” Kopfschütteln. Keine Zeit. Es regnet. Und überhaupt, da war ja noch ein Arzttermin. Und informiert ist man ja auch nicht unbedingt, denn als gestern die Tagesschau kam, war grad Stromausfall. Wobei, also damals in der DDR… oder dann, als der Onkel von der Cousine mütterlicherseits dann rübermachte… und apropos rüber, gestern im Supermarkt… und was die Merkel da wieder, nee nee…

Da haben wir es, in Wirklichkeit sind wir alle süchtig nach Ruhm, wir wollen ins Rampenlicht, jeder soll hören, was wir zu sagen haben. Alles andere ist nichts weiter als Bescheidenheit, denn wer will schon zugeben, dass er in Wirklichkeit viel spannender ist, als die Bedienung im Fastfoodrestaurant oder der Sitznachbar im Bus?

Trotz allem, ein Mikrofon bedeutet Gefahr - eine kurze Überlegung. Nein. Ich stell mich doch hier nicht zur Schau. Was sollen denn die Leute denken? Und die Journalisten von heute drehen einem doch das Wort im Mund herum. Und so lassen wir die armen Studenten an der Straßenecke stehen. “Wenn dich demnächst mal jemand fragt, bleibst du garantiert stehen!” dachte ich mir und machte mich auf den Weg zu den redefreudigen Nachtschwärmern.

10.12.2007 at 01:45 am
Unterwegs
1

Ein Abend in Köln

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© Lastnightsparty

“‘Tschuldigung!” sprach uns der Mann an. Er trug fingerlose Handschuhe und wedelte mit einer halbvollen Flasche Weißwein. “‘Tschuldigung, ich würde ihnen gerne einen guten Morgen wünschen!”

“Das ist aber ein bisschen früh. Oder spät, wie man’s nimmt.” entgegnete ich. - “Nun ja, bei mir ist das manchmal so, ich steh auf und weiß nicht, ob es Tag oder Nacht ist.”

“Das kenn’ ich.” Es war kurz nach neun an der Luxemburger Straße und abgesehen von der Dunkelheit hätte es genauso gut neun Uhr morgens sein können.

“Hey, wir haben dasselbe Bartsystem!” Sein Blick wanderte zu Hannos Gesichtsbehaarung und ihre Flaschen klirrten aneinander. “Wirklich, das Bartsystem ist vollkommen gleich.” Aus Freude über diese Erkenntnis mussten wir alle lachen und Weißwein ergoss sich über den Boden.

Szenenwechsel. Der Kioskbesitzer vom Laden an der Ecke starrte gebannt auf seinen Fernseher hinter der Theke und schien uns kaum wahrzunehmen. Ein weibliches Wimmern und Stöhnen ertönte aus dem Gerät. “Macht eins achzich.” Seine Augen bewegten sich nicht vom Bildschirm. Die Frau stöhnte. Vielleicht verblutete sie gerade bei ihrem Versuch, die Welt von bösen Aliens zu befreien und starb in den Armen eines GIs mit astreiner Föhnfrisur. Vielleicht war es aber auch nur ein handelsüblicher Porno aus dem Sommerschlussverkauf. “Schön’n Tag noch.” Die Frau stöhnte weiter.

Ich seufzte. Jack Peñate war restlos ausverkauft und würde ich ihn nicht noch in Holland sehen, hätte ich wahrscheinlich schon allein aus Prinzip die gesamte Menschheit verflucht, einschließlich des Weißweinmanns, der nun gestützt auf eine Gitarre an der Straße stand. Noch ein paar Stunden und ich würde nochmal auf seinen guten Morgen zurückkommen.

02.11.2007 at 12:16 am
Unterwegs
5

Barsitzer - der Schrecken der Nacht

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© Markus Moning

Barsitzer werden mir auf Ewig ein Rätsel bleiben. Diese Menschen, die sich zu Beginn des Abends an die Bar eines Tanzlokals setzen und diese erst wieder verlassen, wenn morgens langsam das Licht an und die Musik wieder aus geht. Auch wenn sie im Grunde genommen niemanden aktiv stören, versperren sie dem Rest des Publikums den Weg, da natürlich niemand von ihnen die Solidarität besitzt, den hart errungenen Platz, “in der ersten Reihe” sozusagen, auch nur für eine Sekunde freizugeben.

Man findet sich also nicht selten “in zweiter Reihe”, winkend mit einem Fünf-Euro-Schein, um irgendwie über die Barsitzer-Köpfe hinweg die Aufmerksamkeit des Barkeepers auf sich zu lenken. (Als “niederes Volk” ist es schließlich unmöglich, auch einen Barplatz zu ergattern, da Barsitzer selbst bei einem Klogang ihren Sitz mit ihrer Jacke occupieren.)

Auch dass die Spezies der Barsitzer dem Wirt gute Einnahmen beschert, ist ein verbreiteter Irrtum. Sie nippen eher verhalten an ihrem Kölsch oder Cocktail und lassen immer einen kleinen Rest im Glas, damit auch niemand auf die Idee kommt, sie von ihrem Barplatz zu verscheuchen. Sie mögen sich beim Rauchen auf dem Tisch abstützen und die Beine auf dem Hocker parken können, was auf Dauer vielleicht die Gliedmaßen entlastet, dafür können sie allerdings zur Musik nur lediglich mit dem Kopf nicken und mit den Beinen schlackern. Tja, Pech gehabt, liebe Barsitzer.

Mit dem DJ eines deutschen Sängers heckte ich eines Nachts in einem Kölner Club den Plan zur Weltherrschaft aus. Ein Schlag gegen die Menschheit und vor allem gegen eine Spezies des Nachtlebens: die Barsitzer. Warum sollte man sie nicht gleich zu einer bestimmten Uhrzeit zusammen mit den Weg-versperrenden Pärchen und schlafenden Alkoholleichen dezent hinauskehren? Oder wie wäre es mit einem Barsitzer-Club, der lediglich aus Bar besteht?

Fest steht: Barsitzer sind eine Gattung für sich und nicht ohne Grund muss man bei Café International für einen Barsitzer teilweise bis zu 25 (!) Punkte einbüßen. Geht lieber tanzen, Kinder!

(Anmerkung: Dieser Text ist, selbst wenn es anders klingt, nicht aus aktuellem Anlass veröffentlicht. Ich möchte an dieser Stelle niemanden diskriminieren, auch ich setze mich gerne einmal an die Bar, nur tue ich dies nicht exzessiv. Desweiteren geht es hier natürlich um Tanzlokale und nicht um Sitzkneipen.)

23.10.2007 at 10:10 pm
Unterwegs
13

Der Schrank

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© zebrafink74

Bonn ist eine seltsame Stadt. Auf der Poppelsdorfer Allee steht tatsächlich ein Schrank mich Büchern, woran sich jeder Bonner bedienen und wo ein jeder seine alten Bücher für andere hinterlassen kann.

“Und das überlebt der?” fragte ich meine Freundin, die mir ein wenig die Stadt zeigte.
“Offenbar schon, der steht seit Ewigkeiten hier.”

Ich stellte mir den Schrank in anderen Städten vor, wo er vor sich hin vegetierte und eines Morgens ausgebrannt und in seine Einzelteile zerlegt am Straßenrand aufwachte.

Vielleicht waren die Menschen hier anders. Vielleicht studierten sie alle und hatten andere Sorgen, als wie sie am schnellsten eine Büchervitrine vernichten oder die Mülleimer im Park umkippen konnten. Zumindest ging dort etwas Eigenartiges vor sich. Dies schienen auch die japanischen Touristen zu bemerken, sie tummelten sich vor dem Fotoladen und ich verschluckte mich an meinem Kaffee, als ich versuchte, ihnen auszuweichen. Es regnete. Auf dem Weg zur Uni wurden meine Schuhe dreckig vom Matsch, meine Haare nass vom Regen und mein Kopf leer vor Müdigkeit. Es war Mittag.

Morgen sind die Bänke wieder trocken und sie kommen wieder. Die Opas, Studenten, Professoren und Touristen. Sie schlurfen durch den Staub, schauen sich um und der ein oder andere begutachtet die Bücher. Der Schrank bleibt zäh. “Ihr könnt mich mal.” denkt er leise.

18.10.2007 at 12:13 am
Unterwegs
9

Alles ist Gift

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© PJ-Images

Nachts sind die Straßen voller seltsamer Gestalten, vor allem, wenn es leere Glasflaschen umsonst gibt und die Nachtschwärmer zum Reden aufgelegt sind. Flashback, letzte Woche, Berlin. Die Bänke vor dem Club waren hart und dreckig und alle tranken Bier, das nicht schmeckte, nur weil es billig war.

Ein Flaschensammler gesellte sich zu uns. “Hier ist eine Party? Scheiße ist die Party. Ich will nur meine Ruhe haben. Das ist doch alles Volksverarsche. Ich sags dir einmal und nicht zweimal, alles Volksverarsche. Was haben sie uns damals versprochen? Siehst du da drüben McPaper? Das ist Gift. Gift ist das. McPaper ist Gift. Ich geh jetzt nach Hause. Nach Hause! Kommst du aus dem Osten? Nein? Volksverarsche ist das. Volksverarsche war das. Die Lösung: du gehst nach Hause, legst dich aufs Bett, drückst auf einen Knopf und der Fernseher geht an. Das ist die Jugend von heute! Du kannst lachen, aber das ist die Jugend von heute! Siehst du die Frau da? Die ist eine Hexe, sie sammelt die Flaschen und ist eine Hexe. Ich meins ernst, ich sags dir nur einmal, also hör mir zu. Ich will echt nur meine Ruhe haben, scheiß auf die Party. Wir werden verarscht. VER-ARSCHT!”

Ich weiß nicht, was er mir damit sagen wollte, aber ich glaube, die Message war ganz in Ordnung. “Und du ziehst jetzt noch weiter, ja?” fragte der Türsteher und baute sich vor ihm auf. “Jaja.” Der Mann wich zwei Schritte zurück und torkelte die Straße entlang. “Aber ich sags dir, das ist alles Gift!” rief er uns nach.

13.10.2007 at 03:48 pm
Unterwegs
4

Ich fahre mit

Wer etwas erleben will und die sterilen ICE-Reisen für viel Geld satt hat, fährt Mitfahrgelegenheit. Denn wenn man nicht gerade Giovanni mit dem 3er-BMW, der explizit nach weiblicher Begleitung sucht, anruft, trifft man auf durchaus interessante Leute und Geschichten bei erstaunlich niedriger Idiotenquote. Nach Berlin ging es für mich letzten Freitag in einem silbernen Werkstatt-Ersatzwagen, der wie für einen Opel typisch das Opel-Zeichen und nicht das Audi-Logo trug, nach dem ich zuerst Ausschau hielt. Die Fahrerin war nett, ebenso wie der Mitfahrer, der bereits in Bonn zugestiegen war.

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© Grabthar

In Dortmund nahmen wir am Bahnhof einen Nachwuchscomedian auf. Er hatte es besonders eilig, am Abend sollte er in einer Nachwuchsshow des Quatsch Comedy Clubs auftreten und musste dafür pünktlich um 5 im Friedrichstadtpalast sein. Er erzählte uns von seiner bisherigen Comedy-Karriere und prompt kamen wir in den Stau. Es hatte wohl noch mehr Menschen aus Angst vor Bahnstreiks auf die deutschen Autobahnen gezogen und somit ging es insgesamt sicher schleppender voran, als es wohl mit der Bahn der Fall gewesen wäre. Der Comedian stöhnte. Er saß mittlerweile vorne, probte flüsternd sein Programm und stoppte die Zeit.

Wir saßen derweil zu dritt auf der Rückbank, vor allem mein Sitznachbar schien unter der fehlenden Beinfreiheit zu leiden und blätterte gequält in einer Bootszeitschrift. “Hinten in der Mitte ist statistisch gesehen der sicherste Platz im Auto!” versuchte ich ihn aufzumuntern, aber das schien ihn wenig zu beeindrucken und er war froh, an der nächsten Raststätte endlich den Platz tauschen zu können.

Die Autobahn war langweilig. Mein Kopf wurde langsam schwer, ich nickte hin und wieder ein und wurde schließlich von hektischen Stimmen geweckt, die über die Technik des Autos fachsimpelten. 80 Kilometer vor Berlin machte der Wagen, ein Ersatzauto der Werkstatt, schlapp, er ruckelte nur noch und die Höchstgeschwindigkeit sank rapide erst auf 120, dann auf 80 km/h. Von meinem Platz aus konnte ich die Uhr nicht sehen, aber es war mindestens 5 und der Comedian vergrub sein Gesicht in seinen Händen. “Ruf doch mal Thomas Hermanns an!” schlug eine Mitreisende vor. “Heute Abend moderiert Cindy aus Marzahn!” klärte er uns auf und zückte dann sein Handy, um sich bei der Redaktion zu melden. Gegen 6 kamen wir schließlich an. Ich besuchte spontan meine Freundin Sarah in Friedrichshain und als ich am Abend Boys Of Brazil auf der kleinen Bang-Bang-Club-Bühne spielen sah, dachte ich an den Comedian, der jetzt gerade wohl auch auf einer Bühne stand. Vielleicht schafft er ja eines Tages den großen Durchbruch im Comedy-Geschäft.

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© Soundmonster

Für die Rückfahrt nach Köln fand ich spontan ein Wochenendticket mit fehlenden Mitfahrern und wir trafen uns am ziemlich langen Gleis 14 des Hauptbahnhofs, als der Zug schon lange eingefahren war. Unsere Gruppe bestand aus einer Gothic-Liebhaberin auf The-69-Eyes-Konzertreise, einem Medieninformatikstudenten aus Berlin, einer Reisefreudigen mit abgeschlossenem Psychologiestudium in England und später auch noch einer Medizinstudentin aus Bonn, die gerade ihr Praktikum im Krankenhaus absolvierte und in Hannover zustieg.

“Die meisten Leute sind einfach zu dumm, und wissen nicht, dass man sich ein Wochenendticket mit 5 Personen teilen kann.” meinte die Konzertreisende, während sie ihren am Vorabend ergatterten Drumstick im Rucksack verstaute. “Und noch weniger Leute kommen auf die Idee, das Ganze im Internet zu inserieren.” Wir nickten und die 9 Stunden vergingen wie im Fluge.

10.10.2007 at 05:00 pm
Unterwegs
7

Von Kondomen und Merkwürdigkeiten

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© Henning Onken

Auf der Straße des Prime Clubs trafen wir ihn. Seine Hände waren schmutzig, er trug eine Wollmütze und roch nach Alkohol und anderen Dingen, die ich spontan nicht definieren konnte. Er musterte uns eine Weile und kam dann mit erhobenem Zeigefinger auf uns zu.

“Auf Männertoiletten in England kosten Kondome mehr als auf Frauentoiletten.”

Das habe ihm seine Freundin Rachel erzählt, die er einst auf Fuerteventura kennenlernte. Warum das so sei, wollte er wissen. Wir waren ratlos.

05.10.2007 at 08:57 am
Unterwegs
4

Geldbrüder und Hallam Foe

Vielleicht sollte ich öfter meinen Wegzug planen, dann würde ich wahrscheinlich noch mehr großartige Orte in meiner Stadt entdecken. Gestern sollte es ein Kino sein: klein, alternativ und urgemütlich. Eigentlich wollten wir zum Schweden Moneybrother, der an diesem Abend den ausverkauften Prime Club beglückte (ein Ticket hatten wir allerdings nicht, geschweige denn Lust, Geld für eines auszugeben). An der Abendkasse wurden Resttickets für 20€ verscherbelt und es bildete sich eine lange Schlange. “Haha, Geldbrüder!” riefen uns zwei ältere Männer nach, die sich über das Plakat amüsierten.

Statt uns anzustellen, gingen wir ins Kino. Es lag in einem Hinterhof und nur durch Zufall entdeckten wir im strömenden Regen die Tafel, an die in großen Lettern Hallam Foe angeschlagen war. Der Kinosaal war klein und gemütlich, an der Kasse gab es Chips, Afri-Cola und Bionade, im Foyer döste eine Katze und die Leute blieben brav sitzen, bis der Abspann vorbei war. Hinter uns redeten zwei Studentinnen über ihre WG, neben uns saß eine ältere Dame, die früher sicher Hippie gewesen war und nun zu den Stammbesuchern dieses Kinos zu gehören schien.

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© Kinokompendium / Hallam Foe

Kino ist ein schöner Ort. Man hat meistens etwas zu Essen, sieht schöne Filme und wird nicht in Versuchung geführt, umzuschalten und zu gucken, was gerade so auf RTL2 läuft. Mit einer Freundin sah ich einmal The Grudge 2, ich kannte zwar den ersten Teil nicht, aber sie versicherte mir, das sei nicht schlimm. “Es gibt so ein langhaariges Mädchen, das ist böse. Mehr musst du nicht wissen.” erklärte sie mir, ich kaufte Popcorn und war gespannt. Das Mädchen war in der Tat furchtbar, es tauchte ständig überall auf, verfolgte die Leute mit seinen Haaren und gab krächzende Laute von sich. Wenn es in einem stillen Raum anfing, zu krächzen, wussten wir direkt, was Sache war, noch bevor die dummen Darsteller etwas merkten. Bald hatte eine Gruppe halbstarker Jungs in der zweiten Reihe die Wirkung des Krächzens durchschaut, imitierte es so oft es ging und das Kino lachte Tränen. Lediglich ein Mann in den hinteren Reihen, der optisch bekannten Türstehern glich, schien sich daran zu stören. “Ey, hast du’n Schwanz im Maul oder was? Halt ma die Fresse da vorne!” ging er auf die Halbstarken los, während ein asiatisches Schulmädchen gerade vom krächzenden Teufel geholt wurde. An das Ende des Films erinnere ich mich leider nicht mehr.

Die alternativen Kinobesucher aber waren ganz anders. Sie lachten nur über den subtilen Charme des Hallam Foe, der sich seinen Weg durch Edinburgh stalkte und zur Trash-Musik des Test Icicles Jagd auf seine böse Stiefmutter machte. Wir schlürften Afri-Cola, aßen italienische Biosnacks und waren rundum zufrieden. Das hätte uns der schwedischer Geldbruder nicht bieten können.

02.10.2007 at 03:52 pm
Unterwegs
7

Aufruhr in der Vorstadt

Die pseudo-brisante Reportersendung Akte 07 berichtete kürzlich über eine besonders unerhörte Geschichte: Mitten in einer Wohngegend hatte ein Bordell eröffnet und die Betreiber schienen nicht von der zimperlichen Sorte zu sein. Eine 40.000€ teure Kamera wurde zerstört, das Reporterteam fürchtete um sein Leben, die Anwohner mussten leiden - überhaupt hatte jeder Todesangst. Und wo passierten all diese grausamen Dinge? Im beschaulichen Stadtteil Karlsruhe-Durlach!

Ich wurde hellhörig. Anfang letzen Jahres waren wir in Stuttgart unterwegs, wir sahen Art Brut zum damals zweiten Mal und nach einem genialen Konzert auf Augenhöhe mit Eddies Socken machten wir uns auf den Heimweg Richtung Köln. In Karlsruhe-Durlach endete die Fahrt, die Bahn machte wie immer eine mehrstündige Nachtpause und der Regionalzugverkehr war praktisch tot. Statt in der Innenstadt einen angeblich existierenden Indieclub zu suchen, wärmten wir uns in der Bahnhofskneipe auf. Immerhin war es Januar und ziemlich kalt.

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© Franzi

Grüne Pflanzen dekorierten die mit Gardinen verhängten Fenster und zusammen mit den blauen Lichtschnüren, die bei uns im Winter jeden Hochhausbalkon schmücken, kam fast ein Gefühl von heimischer Gemütlichkeit auf. Stargäste heute waren das Stimmungsduo DJ Siggi und Heike, für die in einer Ecke ein Keyboard sowie zwei Mikrophone bereitstanden. Das Publikum, bestehend aus zufälligen Durchreisenden, der städtischen Jugend und ortsansässigen Berufstrinkern begrüßte sie mit tobendem Applaus, scheinbar hatten sie sich eigens für diesen Anlass hier versammelt.

Siggi haute einen Hit nach dem anderen raus und als Heike schließlich noch bekannte Partyschlager von ihren in Klarsichthüllen gesammelten Songtexten zum Besten gab, kannte die Stimmung kein Halten mehr. Junge Mädchen in kurzen Stoffröcken tanzten in der Mitte der kleinen Kneipe und der ältere Inder an der Bar fand sichtlich Gefallen daran. Von ihm stammten auch die merkwürdigen Drinks, die uns die Kellnerin an den Tisch brachte, während er jedes Mal verheißungsvoll hinüberlächelte.

Die jungen Mädchen drehten sich im Takt der Musik und manche von ihnen werden sicher in zehn Jahren noch hierhin zum tanzen kommen. Bevor Siggi als Zugabe “Der liebe Gott weiß, dass ich kein Engel bin” anstimmte, machten wir uns aus dem Staub und waren pünktlich zum Frühstück wieder zu Hause. Jedes Mal, wenn ich nun blaue Lichtschläuche sehe, denke ich zurück an Siggi und Heike. An die Bahnhofskneipe, das Keyboard und die tanzende Vorstadtmädchen, die Wodka Red Bull trinken und den alten Männern reiheweise den Kopf verdrehen.

27.09.2007 at 12:56 am
Unterwegs
11

Es wird Herbst

Während ich mir gestern Abend bei den warmen Temperaturen mit meiner Mütze schon fast dämlich vorkam, regnete es heute Morgen in Strömen. Und es war kalt. Ich begab mich auf einen morgendlichen Ausflug zu Maries Wohnung quer durch Friedrichshain und verzweifelte schließlich unter einem Kneipen-Regenschirm neben dem Plus.

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© Jonas Dittmar

Nun bin ich wieder zurück in Köln und auch hier ist es Herbst. Wenn man abends aus der Bahn steigt, ist es schon dunkel, die Bäume bombardieren harmlose Spaziergänger mit Kastanien und der Satellit hat keinen Empfang, weil es zu windig ist. Sämtliche Bands kündigen Touren an, weil die Festivalsaison (endlich) zu Ende ist, die Pyjamas werden länger und wenn man im T-Shirt draußen herumrennt, droht die Erkältung.

Hier meine ultimativen Tipps für einen schönen Herbst 2007:

  • Eine Party über den Dächern der Stadt feiern, mit Musik, dicken Jacken und bunten Tüchern. So wie die Rakes im “We Danced Together”-Video.
  • Mützen kaufen und tragen. Eine Bommelmütze, eine Baskenmütze oder ganz einfach eine billige H&M-Strickmütze.
  • Mit der Familie Federweißen trinken, der eher nach Limo als nach Wein schmeckt. Wahlweise auch mit Zwiebelkuchen von Mama (oder aus dem Supermarkt, falls Mama nicht backen kann).
  • Sich mit einem Berg frisch ertauschten Büchern ins Bett verkriechen.
  • Gemütlich mit Freunden essen gehen, zum Beispiel im White Trash in Berlin. Bei gedimmtem Licht, chinesischer Wanddeko, Bier und einem Chili Cheeseburger mit Pommes.
  • Die Herbstsonne genießen. Immerhin folgen einige Monate ohne wärmende Sonne und wen das stört, der sollte lieber tanken, anstatt im Winter über die Kälte zu nörgeln.
  • Schöne Frauenmusik hören, wie die von Amy Winehouse, Regina Spektor, Kate Nash, Laura Marling oder Emmy The Great.
  • Durchsichtige Regenschirme. Da wirkt selbst das regnerischste Wetter hell, freundlich und weniger grau in grau.

Also ich bin gewappnet. Und triste kahle Bäume, papperlapapp, der Herbst ist eine schöne Zeit des Umbruchs, für alle, die mal was verändern wollen.

19.09.2007 at 01:24 am
Unterwegs
14

Ein Morgen in Berlin

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© Steffen42

Als wir morgens an der Warschauer Straße nach Hause kommen, eröffnet der Crêpe-Mann gerade seinen Stand. Der Wind pfeift kalt auf der Brücke und am Straßenrand steht ein Mann mit Gitarre, der sicher genauso müde ist wie wir. Das Geklimper soll wohl Oasis darstellen, denke ich mir, und wir gehen weiter, vorbei am Matrix, vor dessen Tür noch immer ausnüchternde Besucher herumlungern. Die kennen bestimmt Bushido persönlich.

Vorurteile habe ich allerdings keine, Berlin ist eine tolerante Stadt. Die angetrunkene, taubstumme Clique, der Goliath mit schwarz-weißem Irokesen, die mürrischen Rentner - das alles ist keine Besonderheit und auch wenn sich die Leute hier mehr Zeit nehmen, jegliche Auffälligkeiten ihrer Mitmenschen lautstark zu kommentieren, gibt es für jeden irgendwo einen Ort, an dem er unter Seinesgleichen ist. Man muss nur wissen, wo.

Mittlerweile ist es Mittag, nach acht Stunden Schlaf scheint über Berlin die Sonne, im Fernsehn läuft ein Sean-Connery-Film und ich habe einen guten Blick auf die wunderschönen Altbauten gegenüber. Gegen aufkommende Sonntags-Langeweile hilft nur eines: hausgemachter Käsekuchen bei Freunden in Zehlendorf.

16.09.2007 at 01:58 pm
Unterwegs
8

Auf ein Neues in die Hauptstadt

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© Aennekin

In etwas weniger als 2 Stunden fährt mein Zug und die Zeit bis zum 18. September werde ich mal wieder in Berlin verbringen. Unsere geplanten Aktivitäten reichen von indisch Essen über IAMX bis hin zu ominösen Clubnights und ich bin gespannt, was das Leben so bringt.

Werd mich jetzt mal anziehen und mein Online-Bahn- und Flugticket ausdrucken. Schönes 21. Jahrhundert. Bis nächste Woche! (Auch wenn ich für das ein oder andere Berlin-Update sicher nochmal den Weg zu einem Computer finden werde.)

13.09.2007 at 12:37 pm
Unterwegs
10

Wie bestellt und nicht abgeholt

Heute telefonierte ich mit Franzi, sie wohnt nun nahe Leeds in England. Dort, wo jeder Schüler eine ID-Card um den Hals tragen muss, damit niemand auf der Schule die Polizei ruft, und die Leute einen liebenswerten Akzent sprechen, den der ein oder andere ungebildete Deutsche noch nicht einmal als vernünftiges Englisch wahrnehmen würde.

Es gibt allerdings auch Menschen aus Leeds mit schönen Akzenten. Ricky Wilson zum Beispiel, in dem ich mich auf einem Showcase im Februar unterblich verliebte - weil er meiner Meinung nach meinem Lieblingsmusiker ähnelt und das, obwohl die Kaiser Chiefs schon fast zu Mainstream zum cool sein sind.

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© Emo Squid

Die Sache mit den ID-Cards hat mich trotz allem am meisten geschockt. Natürlich weiß man so bei der ersten Begegnung gleich, wie das Gegenüber heißt und in welche Klasse er oder sie geht, wirkt allerdings gleichzeitig wie bestellt und nicht abgeholt. Ich fühlte mich zurückerinnert an die Zeit als sehr junger Fluggast mit einer gelborangenen, hässlichen LTU-Mappe um den Hals, die meine persönlichen Daten sowie Informationen über meine Reise enthielt. Damit ich auch ja am Ziel ankomme. Meist trug ich diese Tasche in der Hand, das sah cooler aus und man wirkte nicht ganz so bescheuert.

Als ich 9 war, flog ich das erste Mal allein in die Schweiz. Dort wohnte mein Onkel, bevor er zum Drehbuchschreiben nach China auswanderte und er nahm mich gerne für ein paar Tage bei sich auf. Ich fand das Fliegen spannend, denn als alleinreisendes Kind genoss man die volle Aufmerksamkeit der Stewardess, bekam Malbücher und Känguru-förmige Chips umsonst und durfte als erster ein- und aussteigen, sowie im Zubringerbus beim Fahrer sitzen. So lernte ich Daniel kennen, ebenfalls alleinreisend und aus Köln. Er war ein wenig jünger als ich und rief ständig über den Not-Knopf die Stewardess, um sie nach neuen Malbüchern zu fragen. Sie half ihm gern, bat ihn jedoch, in Zukunft nur noch bei Notfällen zu drücken. Gesagt getan, es bimmelte wieder. “Habt ihr auch noch einen Spitzer?” Die arme Frau war mit ihren Nerven am Ende.

Jetzt fliege ich nur noch mit Billigfluglines, beteilige mich am CO2-Ausstoß und muss vor allem keine hässliche Mappe mehr um den Hals tragen. Die britischen Schüler übrigens finden die ID-Sache ganz in Ordnung (”damit keiner randaliert”) und Ricky Wilson spielt im November in den größten Hallen, die unser Land für Pseudo-Indie-Konzerte zu bieten hat. Wird wohl nichts mit der Hochzeit.

09.09.2007 at 08:35 pm
Unterwegs
9

Köln lebt!

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Kurz nachdem ich mich entschieden habe, diese Stadt zumindest für eine Weile hinter mir zu lassen, entdecke ich die coolste Kneipe der Welt. Mit ultimativem Stammkneipen- und Lieblingsclubpotential. Das Leben ist doch schon irgendwie unfair.

Empfehlenswert allerdings: Vice-Parties und The KBC.

02.09.2007 at 11:23 pm
Unterwegs
7

Emanuela

Köln, heute Nachmittag. Zwei Spanierinnen, Emanuela und ihre Freundin, wollten ohne Geld im IC von Köln nach Berlin und baten mich am Hauptbahnhof auf Englisch mit spanischem Akzent um meine Hilfe. “Kontrollieren die hier?” und “Meinst du, wir können die Strecke auf dem Klo ausharren?” Prinzipiell schon, entgegnete ich. Nur die Klotür nicht abschließen, denn jeder geübte Schaffner bleibt vor der Tür stehen und wartet, wenn die Anzeige unter der Klinke rot zeigt. Gesagt getan, sie baten mich dann, sie mit Klopfzeichen vor dem Schaffner zu warnen.

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© x****

Ich habe nunmal Verständnis für Leute, die ohne Geld durch Deutschland reisen, denn was gibt es schöneres, als die Freiheit auf den Schienen und spontanes Reisen mit Minimalbudget, kalten Ravioli und billigem Alkohol? Und was gibt es dabei hindernderes, als die total überteuerten Preise der deutschen Bahn?

“If they catch you, just pretend not to speak German or English!” war mein letzter Rat und während ich Musik hörte, die NEON las und Sudokus aus dem Hausaufgabenheft meines Bruders löste, drückte ich den Mädchen beide Daumen. In Stendal, c.a. eine Stunde vor Berlin sah ich sie das letzte Mal und ich hoffe, sie haben es geschafft. Und Emanuela kann von Glück sagen, dass die Spanier Fettes Brot nicht kennen.

Nun bin ich also in Berlin. Mal wieder. Gleich fährt unsere Bahn und es geht ab in die Nacht. Das Leben kann manchmal echt schön sein.

24.08.2007 at 11:12 pm
Unterwegs
2

Happenings in Berlin

“Hey, lass doch nächstes Wochenende was zusammen machen!” - “Sorry, da bin ich in Berlin.” Meine Freunde müssen sich mittlerweile auch relativ vernachlässigt fühlen, aber mich hälts einfach nie lange irgendwo. Ich bin wieder weg. Allerdings nur übers Wochenende und diesmal nehm ich meinen kleinen Bruder mit (natürlich nur für die Tagesaktivitäten).

Abgesehen vom typischen Berlin-bei-Nacht-Tourismus gibt’s sogar eine Mission: Wir geben dem ominösen Web 2.0 ganzen eine neue Dimension, und zwar Internet real. Reaaaaaal, ganz in echt und so. Mehr dazu, wenn ich wieder da bin, harhar.

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Auf dem Programm stehen diesmal Death By Pop & Bad Taste (trashige Klamotten, schlechte Musik und immer viel los), am nächsten Tag geht’s dann super fit und ausgeschlafen shoppen mit meinem Bruder, der Junge braucht dringend eine neue Hose und außerdem will er einmal das Brandenburger Tor gesehen haben (das übrigens sehr popelig wirkt, kennt man vorher nur den Nachbau im Phantasialand).

Samstag dann die Kitty Yo & Kitty Go Labelnight im White Trash, das sind dringend mal schönere Flyer leisten sollten. Die Location ist aber wirklich toll und wenn dort nicht gerade überlangweilige Schweden alias Mando Diao auf ihrer überüberlangweiligen Aftershow abhängen, kann es sogar richtig Spaß machen. Ich hoff also mal, dass es gut wird.

Mein Zug geht in dreieinhalb Stunden, ich sitz hier im Pyjama und sollte vielleicht mal ein paar Sachen zusammenpacken. Aber easy, das klappt schon, wir sehn uns in Berlin. Und Sonntagabend bin ich wieder da bzw. hier.

at 01:06 pm
Unterwegs
10

5 Wege, von Köln nach Berlin zu kommen

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“Geh doch nach Berlin” heißt der wohl bekannteste Song von Angelika Express und spätestens nachdem die Berliner uns Kölnern alles inklusive Popkomm genommen haben, hat wirklich jeder einen Grund, diese Stadt zu hassen. Trotzdem, wenn man es zusammenrechnet, habe ich bestimmt einen Monat des bisherigen Jahres 2007 in Berlin verbracht und ich werde es wieder tun - denn am Freitag ist das Berlin Festival in Mitte. Peaches, Tocotronic, Uffie, Peter Bjorn & John und viele andere geben sich die Ehre und da sollte man nicht unbedingt fehlen.

Gesagt getan, hier also meine persönlichen 5 Wege für alle, die sich schon immer mal gefragt haben, wie man denn ohne Auto und viel Geld auf dem Konto günstig nach Berlin kommt.

1. Die Deutsche Bahn: ICE
Wer eine Bahncard25 hat, über ein Wochenende fährt, zudem noch früh genug dran ist, online bucht und keinen Sitzplatz reserviert, bekommt hier eine Fahrt für knapp 29€ - hin und zurück dann um die 59€. Mit 4 1/2 Stunden im ICE lässt es sich leben, man wird zum nagelneuen Hauptbahnhof kutschiert und muss erstmal rumirren, bis man das Erdgeschoss gefunden hat.

2. Die Deutsche Bahn: Wochenendticket
Für alle Reiselustigen bietet die Bahn das Wochenendticket, das mir schon so oft geholfen hat, billig quer durch Deutschland zu fahren. Das Prinzip ist einfach: Samstag & Sonntag, 30€, bis zu 5 Leute, Regionalzüge. Bei 2 Leuten bedeutet das 15€ pro Fahrt, bei 5 Leuten 6€. Da fährt man nach Berlin zwar schonmal 9 Stunden mit 4-6 Mal umsteigen, aber das ist aber alles halb so wild, wenn man einigermaßen Zeit hat und nicht allein ist. Und man lernt faszinierende Kleinstädte kennen, wie beispielsweise Minden oder Kalrsruhe-Durlach.

3. Billigflieger
Mal abgesehen vom CO2-Ausstoß eine sehr gute Alternative. Wenn man beispielsweise in der Happy Hour von Tuifly (Ex-HLX) bucht und Glück hat, zahlt man gerade mal 19,99€ inklusive Gebühren, ist ebenfalls um die 4 1/2 Stunden beschäftigt, allerdings nur knapp 50 Minuten in der Luft. Super Aussicht inklusive, ich kann außerdem den Web Check-in empfehlen, da kann man sich sogar den Sitzplatz aussuchen (Tipp: Wenn man was sehen will nie über dem Flügel sitzen und in der Standard-Boeing nie 5. Reihe - wenn, dann 4. oder 6., sonst sieht man den Bildschirm schlecht).

4. Mitfahrgelegenheiten
“Nie zu Fremden ins Auto steigen!” hat uns Mama früher beigebracht und irgendwie hatte sie ja Recht. Aber das Internet bietet heutzutage diverse Mitfahrzentralen und für 20 - 25€ kommt man innerhalb von 6 Stunden mehr oder weniger bequem ans Ziel. Die Fahrer sind meist Pendler, die eh jedes Wochenende mit 3 freien Plätzen im Auto zu Familie und Freunden in andere Städte fahren. Die langweilige Fahrt wollen sie sich dann mit netten Leuten vertreiben und außerdem an den freien Plätzen das Taschengeld ein bisschen aufbessern - klingt doch eigentlich ganz harmlos. Wer noch immer Horrorgeschichten aus Taff und Explosiv Weekend im Kopf hat, sucht sich eine nett klingende Frau (Klischee, aber gar nicht so falsch) und führt vorher netten Mail- oder Telefonkontakt.

5. Gar nicht
Ja, manchmal muss man eben Abstriche machen und Prioritäten setzen. Einem fehlt das Geld, die Reise ist es nicht wert oder man findet Berlin halt einfach rein aus Prinzip scheiße. Dann spart man natürlich eine Menge Zeit und Geld, muss nicht für die BVG bezahlen oder sich als höflicher Wessie über unfreundliche Berliner Schnauze ärgern.

Wir haben uns übrigens für eine Kombination aus Weg 2 und 4 entschieden - hin mit einer netten Mitfahrgelegenheit und zurück mit dem Wochenendticket. Schlafen können wir Gott sei Dank bei guten Freunden (oder wenn wir tot sind) und Spaß haben werden wir garantiert. Und hey, hätte ich an irgendso einem Paid-Blogging-Kram teilgenommen, hätte ich mit diesem Post doch richtig Kohle verdienen können. Mist, schade aber auch.

22.07.2007 at 10:59 pm
Unterwegs
9

Impressionen der letzten Tage

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Foto: Franzi

Dass man halbwegs als Jugendlicher und potentielles Drogenopfer durchgeht, merkt man dann, wenn man im ICE aus Amsterdam zwischen Duisburg und Düsseldorf von zwei Zollbeamten kontrolliert wird, die einen daraufhin ausfragen und einem das gesamte Gepäck durchwühlen. Er: “Haben Sie Drogen dabei?” - Ich: “Nein.” - Er: “Sind Sie sicher? Nichts Illegales?” - Ich: “Ja, ganz sicher.” - Er: “Auch keine Waffen?” - Ich kann mir das Schmunzeln nicht verkneifen. “Nein, auch nicht.” - Er, todernst: “Man weiß ja nie.” Ich offenbare ihm meine unordentlich gepackte Tasche mit getragener Unterwäsche, Nachthemd, Kulturbeutel und Regenschirm und er lässt uns schließlich in Ruhe.

Hier ein paar Dinge, die mich in den letzten Tagen beschäftigt haben, Namedropping und Schleichwerbung inklusive:

  • Knoppers. Das Frühstückchen, morgens halb zehn in Deutschland und so. Diese Marke besticht nicht nur mit den wahnsinnig authentischen TV-Spots, sondern auch mit 132 Kalorien pro Stück. Schmeckt aber trotzdem gut.
  • SET! von Ravensburger. Ich bin mir sicher, das kennt niemand, aber es macht Spaß - vor allem, wenn man bei einer richtigen Kombination statt “Set!” in alphabetischer Reihenfolge Bandnamen oder ähnliches rufen muss. Beim falschen Buchstaben hat man genauso verloren wie bei einer falschen Kombination.
  • Elektromusik live ist nicht immer nur ein Typ hinterm Laptop, bei dem man ständig das Gefühl hat, er würde den Song in iTunes laufen lassen und nebenbei exzentrisch Tetris spielen. Oder Solitär. Oder Minesweeper, am besten die durchaus amüsante Version in grün mit den Blumen. Does It Offend You, Yeah? haben schon einen geilen Bandnamen plus schickes Logo und waren live super. Hätte ich echt nicht gedacht.
  • Chess Titans von Windows Vista. Ich habe in irgendeiner schlaflosen Nacht Zweigs Schachnovelle gelesen und war für einen Moment davon überzeugt, ich könne jede Partie gewinnen, wenn ich nur vernünftig nachdenken würde. Vor allem gegen so einen lächerlichen Schachcomputer von Microsoft. Plötzlich war allerdings mein König weg, so kann’s gehen.
  • Die Burger King Filiale in Amsterdam am Leidseplein. Von oben hat man einen guten Blick auf das Bulldog, Amsterdams berühmtesten Coffeeshop, und kann beim “Long Chicken”-Burger-Mampfen die Touristen beobachten, die total zugedröhnt und stoned aus dem Laden in die Kälte stolpern. 100%ig mehr Entertainment als die langweiligen Fernseher mit Burger King TV hierzulande.

Danke an meine wunderbaren Freunde und Bekannte hier und auf der anderen Seite der Grenze. Franzi, Ima, Janna, Eru, Roos, Laura, Laura, die nette Türsteherin und alle anderen, deren Namen ich gerade nicht weiß.

So, bis Freitag heißt es jetzt erstmal wieder “Es sind Ferien und selbst wenn keine wären, hätte ich nichts zu tun.”

08.07.2007 at 01:32 am

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