Klammerauf.org
I'm Ines and this is my blog. I'm twenty and I currently live in Berlin, Germany. I love music, art and the simple pleasures of life which is basically what this is going to be all about.

Archive for "Persönlich"


Persönlich
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Wochenende #2

padds

Das neue Paddingtons-Album ist doof. Zum ersten Mal habe ich es dieses Wochenende gehört und ich war enttäuscht. Über- oder meinetwegen auch unterproduziert, öde und ohne die Frische und Punkattitüde des Vorgängers.

Das Wochenende verbrachte ich damit, Musik zu hören, immer auf der Suche nach neuem Stoff. Am Wochenende ist viel Zeit zum Musikhören, überhaupt bieten Wochenenden eine lange, freie Zeit am Stück, die nicht von Arbeit und Uni unterbrochen wird. Es melden sich lediglich hin und wieder die noch zu bewältigenden To-Do-Listen zu Wort, die irgendwo im Hinterkopf rumoren.

Ein wenig Paddingtons-Nostalgie:

Medium: www.youtube.com

13.01.2009 at 10:38 pm
Persönlich
5

Wochenende #1

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Wie angekündigt, versuche ich in diesem Jahr jedes Wochenende, oder zumindest sooft wie möglich, über meine Wochenenden zu schreiben. So wie Jens Friebe. Nur vielleicht nicht ganz so cool. Dieses Wochenende stand ganz im Zeichen des Housewarmings. Man läd sich Freunde ein, die entweder Geschenke, alkoholische Getränke oder gar nichts mitbringen und mit wachsamen Augen die neue Bleibe begutachten.

Freitagnachmittag kam Franzi vorbei. Die Tatsache, dass ich nun wieder MTV habe, hat meine Liebe zu amerikanischen Trash-Reality-TV-Shows wieder neu entfacht und so guckten wir die neue Folge von Flavor Of Love. Ein Haufen fernsehgeiler Mädels schlagen sich zum dritten Mal um den in die Jahre gekommenen Ex-Public-Enemy-Star Flava Flav, der einfach nur die ganz große Liebe sucht. Zum dritten Mal. Und wie es das Schicksal will, scheint es nie eine Dame wirklich ernst mit dem armen Kerl zu meinen.

Am Samstag kamen Mikey, Jasmin und ihre Schwester Sonja. Wir saßen auf der neuen Couch, tranken Gin Tonic und spielten Black Jack. Black Jack heißt auf Deutsch “Siebzehn und vier” und klingt noch nicht mal halb so cool - schon allein deshalb nannten wir es Black Jack und ich gewann alle Runden.

Als wir im Irish Pub den Abend ausklingen ließen, beschlich mich wieder die Lust, zu verreisen. Man kann seine Umgebung noch so oft verändern, innendrin bleibt man immer gleich. Man selbst ist wohl die einzige Person, vor der man nicht weglaufen kann. Ich bin eben einfach nicht sesshaft - wenn ich alt bin, habe ich immer noch genug Zeit, zur Ruhe zu kommen.

04.01.2009 at 11:59 pm
Persönlich
5

Zweitausendneun

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Ich halte ja nicht viel von Jahreswechseln, das ist ein bisschen so wie mit Geburtstagen. Einfach irgendein Datum, nach dem auf einmal irgendwie alles anders sein soll. Deshalb habe ich mir auch keine Vorsätze gemacht.

Doch da das neue Jahr quasi mit meinem Umzug zusammenfiel, wird es doch einige Veränderung mit sich bringen. Zu zweit haben wir am Dienstag mein Hab und Gut, d.h. zehn Kisten, drei Reisetaschen und ein paar Möbel von Bonn nach Köln transportiert und die schmalen Treppen hinaufgetragen. Zwischenduch waren wir noch im IKEA-Paradies und krallten uns im Eiltempo das vorletzte SOLSTA-Sofa aus dem Sonderangebot.

Eigentlich wollte ich Silvester zu Hause verbringen, aber letztendlich endete ich doch wieder auf dem roten Sofa in der Südstadt. Der Hamster hopste durch den Käfig, wir saßen auf dem Boden, tranken Strongbow und machten Bleigießen. Ich kam mir ein wenig vor, als würde ich auf dem Löffel Heroin aufkochen.

Während meine Freunde am laufenden Bande kreative Gebilde aus dem Wasser fischten, sahen meine Resultate stets aus wie eine Kreuzung aus Kaulquappe, Spermium und Golfschläger. Während ich mir überlegte, was das für meine Zukunft bedeuten könnte, rief meine Freundin Jasmin schon begeistert “Ines will have a lot of sex!” durch die Wohnung.

Das war sie also, meine Prophezeiung für 2009. Um ehrlich zu sein, es hätte mich schlimmer treffen können.

01.01.2009 at 07:22 pm
Persönlich
12

Zukunftsplanung

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So wie’s aussieht, übernehme ich bald die Wohnung einer Freundin in Lindenthal. Dann habe ich wenigstens eine kleine aber feine Bleibe. Für wie lange, weiß ich noch nicht, aber ich bin mir sicher, dass es eine sehr kuschelige neue Wohnung werden wird.

Während des Filmtheorie-Seminars klärten wir schon einmal zu viert grafisch die Fakten, die volle Version des Meisterwerks gibt es hier.

05.12.2008 at 09:14 am
Persönlich
1

We Are Family

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“Ines, wir haben uns ein Haus gekauft!” Meine Mutter klang am Telefon ganz aufgeregt.
“Seid ihr jetzt verschuldet? Und krieg ich jetzt BAföG?” fragte ich.
“Bestimmt!”

Ich fuhr also zu meinen Eltern, um es mir anzusehen. Drei Etagen. Garten. Gartenhaus. Es war groß, mit hellen Zimmern, aber nicht zu protzig. Ich stellte mir den Tannenbaum im großen Wohnzimmer, das bereits terracottafarben tapeziert war, vor und vor meinem inneren Auge sah es gemütlich aus. Trotzdem würde ich mich hier wohl immer fremd fühlen und an Heiligabend wahrscheinlich auf der glänzenden Treppe stolpern und mir das Genick brechen.

Später gab es gutes Essen. Nicht, dass ich nur des Essens wegen nach Hause fahren würde, aber mein Vater ist gelernter Koch und zaubert stets Dinge auf den Tisch, zu der mir mit meiner Studentenküche Zeit, Lust und Geld fehlt. (In der Schule gehörte ich immer zu den versnobbten Kindern, die Schulbrote in Bagel-Form mit Salat und Remoulade dabeihatten. Manchmal schenkte ich die Hälfte einer Freundin, die unentwegt aß und trotzdem gertenschlank war.)

Ich mag meine Familie. Mein Bruder ist 13, war letztens mit seiner Band im Kölner Stadtanzeiger und wenn ich ihn sehe, fallen mir Dinge ein wie “Gott, was bist du groß geworden!” und ich fühle mich wie meine eigene Großmutter. Er ist mittlerweile fast größer als ich und ich trage seine alten Klamotten auf. Ich kann mich noch an Zeiten erinnern, als das umgekehrt war. Das waren auch die Zeiten, wo wir uns wie Hund und Katz durchs Haus jagten und er mir Post-Its mit diversen Schimpfwörtern, die er in der Grundschule aufgeschnappt hatte, an die Zimmertür klebte.

Heute sitzen wir zusammen auf dem Sofa und gucken The Mighty Boosh und ich nehme ihn hin und wieder mit auf Konzerte. Er will einmal Licht- und Tontechniker werden und seinen eigenen Club betreiben. Oder Rockstar werden - wenn alle Stricke reißen.

Am Wochenende fahre ich mal wieder nach Hause, um zu schauen, ob das Haus noch steht.

25.11.2008 at 09:33 pm
Persönlich
5

Quote me

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© Lewis Chaplin

Ich: “Die sagen ‘ey’ und ‘Alter’! Die sind wie ich!”
J: “Ich weiß ja nicht, ob das eine gute Sache ist…”
Ich: “Okay, ‘Die sind wie ich!’ ist wohl nie eine gute Sache…”

18.10.2008 at 12:15 am
Persönlich
7

Letzte Nacht hatte ich einen Traum

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© Lewis Chaplin

Letzte Nacht hatte ich einen Traum. Ich war in einem fernen Land. Offiziell China, Japan oder Indien. Es wirkte eher wie eine Mischung aus allem. Ich wollte das Land erkunden und meine Familie machte leckeres Essen fernab von Spaghetti Bolognese. Wir saßen auf einer Wiese und ich war glücklich.

In einem Zimmer fand ich ein Notizbuch von früher. Scheinbar hatte ich auf mehreren hundert Seiten Dinge gesammelt, die wirkten, wie ein Comic. Ein buntes Buch voller Erinnerungen.

“Du hattest so tolle Ideen damals, du hättest schon früher eine coole Person sein können.” meinte meine Cousine zu mir und blätterte durch die glänzenden Seiten. “Weißt du,” sagte ich zu ihr, “egal was ich damals für Ideen hatte, für mich waren das immer Pläne für später. Dinge, die ich mal machen würde, wenn ich groß bin.”

Ich wollte mich gerade an den gedeckten Tisch setzen, da wachte ich auf. Es war weg und ich vergrub mein Gesicht in den Kissen und wollte schreien. Ein Traum. Da war ich wieder in meinem Alltag, der ja eigentlich ganz okay war. Aber irgendwie war da dieses Gefühl in mir drin. So viele Gedanken, so viele Menschen. Letzte Nacht, vorletzte Nacht, …

Positiv denken: was fehlt mir noch, damit es mir so geht? Was fehlt mir dafür? Was muss ich verändern? Und wie immer, wenn ich nicht mehr weiter weiß, war da der Entschluss. Weglaufen. Wegfahren. Veränderung. Ich muss weg.

Allen Ernstes habe ich noch halb schlaftrunken diverse Websites nach last minute Flügen abgesucht. Abflug Köln-Bonn. Ziel egal. So schnell wie möglich und so billig wie möglich, immerhin steht mein Umzug an und eins ist klar: billig wird es nicht. Und dafür werde ich mir auch diesen Monat wieder den Arsch abarbeiten.

Aber ich kann nicht weg. Nicht mal für ein paar Tage. Deshalb werde ich aufräumen, gesund essen und mein neues Ich planen. Ich lese ermutigende, bebilderte Blogs, die in mir den Tatendrang und den Enthusiasmus aufkommen lassen und schaue mir Wohnungen an. Alles wird gut, also ich bin da optimistisch. Oder?

05.10.2008 at 08:38 pm
Persönlich
23

I Want You

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Da ich jetzt hier seit nun 452 Tagen (Das sind ganze 10848 Stunden! Oder 650880 Minuten!) mein Unwesen treibe, ihr immer treu und nett wart und mich immerhin ertragen habt, will ich jetzt auch einmal eure Meinung hören.

Was wolltet ihr schon immer einmal über mich wissen? Worüber sollte ich mich einmal richtig auslassen? Worüber schreiben? Was kann ich und ihr nicht? Was wollt ihr wissen? Und woran sollte ich die Welt teilhaben lassen?

Stellt mir Fragen! Schreibt mir Leserbriefe! Das alles in den Kommentaren oder per E-Mail an ines(at)klammerauf.org.

25.09.2008 at 10:31 am
Persönlich
12

Pedobear Is Watching Me

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Was hat das eigentlich für einen Sinn?

24.09.2008 at 12:29 pm
Persönlich
12

Rock’n'Roll im September

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© roboppy, massdistraction, Grant MacDonald, Rose Club, Miss Sixty Parfums, Feed Icons

ROCK’N'ROLL: fünfmal die Woche arbeiten; das neue Kings Of Leon Album - allen Kritiker zum Trotz; gute Samstagabende im Rose Club; Mangosaft; lockige Haare ausprobieren - das ganze Glätten nervt auf Dauer; lustig-naive und unglaublich fanatische Fanfictions über Bravo-Teeniebands; Apfel-Vanillepudding-Kuchen selberbacken - lecker!; Katerforschung alias “Crapulogie”; Fashionblogs lesen und sich inspirieren lassen; der RSS-Feed von Immobilienscout24; es herbstet langsam - juchu!; Miss Sixty Rock Muse - reduziert und gar nicht so schlecht; positive Energie vom Positivity Blog; gewagte Thesen von RTL, ääh, seriösen Wissenschaftlern natürlich; die neue Wohnung planen.

EHER NICHT SO: Wohnungssuche, Kautionen und unverschämte Marklerprovisionen; krank sein - doofe Grippe und Magenverstimmung; das elektronische Vorlesungsverzeichnis; R.I.P. Nils; Schlafmangel; neue Layouts von bekannten Social Networks - Twitter geht ja noch, aber Facebook ist furchtbar; ekliger Regen; die berühmte kreative Blockade.

Und bei euch so?

23.09.2008 at 12:22 am
Persönlich
9

Wohnung gesucht!

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© Google Maps

Es ist amtlich: Ich tausche meine Einzimmerwohnung in Bonn hoffentlich bald gegen eine schöne, helle Zweier-WG (jaja, ich und WG, aber es wird sicher eine tolle Sache) mit hohen Decken in der Kölner (Süd-)Stadt.

Daher durchstöbere ich seit Tagen die Wohnungsmärkte on- und offline. Und neuerdings findet man ja Wohnungen auch gern über Blogs.

Also: Ich bzw. wir suche(n) eine Wohnung in Köln. Hell, hohe Decken, 2 Schlafzimmer und WG-geeignet. Fußweg zum Bahnhof Süd, entweder Richtung Sülz, Süd- oder Innenstadt. Miete unter 700€ warm, am liebsten natürlich bei günstiger Kaution.

Falls jemand etwas hört, weiß oder kennt - lasst es mich wissen!

10.09.2008 at 02:17 am
Persönlich
2

Schlaflos

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© Lewis Chaplin

Ich zog mich an und schlich aus dem Haus. Ich weiß nicht, warum ich es heimlich tat, denn es war niemand da. Niemand, den es stören könnte und niemand, der mich vermissen würde. Ich hätte laut polternd nach draußen stürmen und die halbe Welt verfluchen können und lediglich meine Nachbarn hinter den papierdünnen Wänden hätte es aus dem Schlaf gerissen. Dann waren sie genauso schlaflos wie ich.

Der Zug war leer. Ein paar seltsame Gestalten saßen mit mir im Wagen: ein Mann mit Hut, der seine Taschen und Tüten auf dem ganzen Vierer verteilte hatte und irgendwie traurig guckte. Zwei junge Männer in weißen Hemden, die den klaren Wodka pur aus der Flasche tranken und schon lange von all ihren Kräften verlassen worden waren.

Ich schloss die Augen. Ich wusste noch, wie ich hier saß, mit dem kribbeligen Gefühl der Vorfreude im Bauch, die Minuten bis zum Kölner Hauptbahnhof zählend. Draußen tauchte die Sonne die Landschaft in einen goldenen Schimmer und obgleich ich jeden Baum, jedes Haus, ja sogar jeden Stein in und auswendig kannte, hatte ich an diesem Tag laufend neue Dinge auf meinem Weg in die benachbarte Großstadt entdeckt. Ich bemerkte das pinke Grafitti an der Hauswand und zugleich, das da etwas in mir war. Ein Funke Hoffnung.

Heute war alles dunkel. Hier und da waren erleuchtete Fenster und das Industriegebiet, dessen Anblick mich sonst stets beeindruckte, entlockte mir nur einen müden Blick. Fast hätte ich die Haltestelle verpasst, obwohl ich sie kaum hatte erwarten können.

Der Club war dunkel und an den glitzernden Wänden spiegelte sich das Licht. Ich nahm die anderen Menschen um mich herum nur aus den Augenwinkeln wahr, sie interessierten mich nicht. Waren Statistem für diese eine - meine - Nacht. Die laute Musik versetzte mich in einen Rausch, obwohl ich komplett nüchtern war. Ich hatte schon lange nicht mehr getrunken, ich brauchte es nicht. Es machte mich schwach und unzurechnungsfähig.

Wenn ich mich unter die Menschen auf der Tanzfläche mischte, fühlte ich mich, als tauche ich in tiefes Wasser ein. Als Kind hatte ich mich oft stundenlang mit Schnorchel unter Wasser auf den Schwimmbeckenboden gesetzt und einfach regungslos die Ruhe genossen. Die Isolation. Bis die Bademeisterin mich bat, mich doch öfter zu bewegen, damit sie ausschließen könne, ich sei ertrunken.

“Hey, wie geht’s?” Meine heutige Bademeisterin in Gestalt eines jungen Mädchens in Leggins und T-Shirt riss mich aus meinen Gedanken. Ich nickte ihr im Takt der Musik zu und versuchte fieberhaft, mich an sie und Details zu ihrer Person zu erinnern.

“Bist du ganz allein hier?” Ich nickte wieder. Ich erinnerte mich nicht an ihren Namen, aber ich hatte sie eines nachts in einer kleinen Kneipe kennengelernt, wo die inoffizielle Aftershow eines Konzertes stieg und die Engländer mit billigen Drogen um sich warfen. Wir hatten derweil auf Barhockern gesessen und uns Drinks ausgeben lassen.

Nun trafen wir uns wieder in der brutalen Realität. Ein Typ mit Karohemd schüttete mir Bier über das Kleid, aber mir fehlte die Kraft, mich verärgert umzudrehen. So ging es eine halbe Stunde, vielleicht länger. Ich vergaß die Zeit, aber das war ohnehin mein Ziel gewesen. Zugegeben, die Party verfolgte einen anderen Sinn: Spaß, Tanzen und Alkohol. Und ich stand hier auf der kleinen Tanzfläche und versuchte, über die Musik, die ich nur aus Trägheit nicht mitsang, alles andere zu vergessen.

Als ich nach draußen stolperte, wurde es fast schon wieder hell. Ich war wieder allein. Oder immer noch.

28.08.2008 at 03:00 pm
Persönlich
5

Woche in Bildern

Weil Bilder mehr sagen als Worte und ich momentan trotz vieler Ideen eine kleine Schreibblockade habe.

Josie besuchte mich in Bonn und wir verbrachten ein Wochenende, kochten und gingen abends gepflegt aus.

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Ich räumte meine Wohnung auf, entrümpelte meinen Kleiderschrank und entdeckte verloren geglaubte Klamotten am laufenden Bande.

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Gestern Mittag gönnte ich mir dann eine Portion Sushi. Darauf hatte ich schon seit Ewigkeiten Heißhunger.

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Das muss auch mal sein.

27.08.2008 at 08:01 pm
Persönlich
11

Morgenstund hat Gold im Mund

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© Lewis Chaplin

Eigentlich ist es viel zu früh, um wach zu sein. In meiner Zeit als Studentin habe ich mir das Frühaufstehen so gut es geht abgewöhnt. Wozu morgen aus dem Bett quälen - die Mensa macht doch eh erst um zwölf auf. Und die Morgenstunden sind - es sei denn, man arbeitet - generell die ereignisloseste und das Bett ist - es sei denn, es ist hart - generell viel weicher und kuscheliger.

Im Radio läuft typische Morgenmusik. Ich höre seit Ewigkeiten mal wieder Radio, zwar ohne großen intellektuellen Anspruch, aber wenigstens tue ich es überhaupt. Coldplay. Chris Martins Stimme geht mir auf den Geist, wie er pathetisch Zeilen zu schnulzigem Piano haucht.

Jetzt kommt Justin Timberlake, den toleriere ich. Wie Amy Winehouse. Bei uns im Shop läuft ständig Amy Winehouse. In allen erdenklichen Variationen und irgendwie scheint die Musik die Kunden zu beruhigen.

Auch als Verkäufer kann man sich ein wenig swing-end dazu bewegen, während man die Schaumbäder aufschäumt oder Schränke putzt. Und wenn man allein im Laden ist, kann man mitsingen, da die Songs eh ständig laufen und man sie mittlerweile auswendig kann.

Bisher habe ich allerdings nur in einem Song den Ausdruck kitchen floor ausmachen können, auch wenn meine Dozentin für Methodenlehre im letzten Semester etwas anderes behauptet hatte. Amy Winehouse hätte eine wahre Obsession mit ihrem Küchenboden. Eine empirisch nachweisbare Obsession. Auf den Grund gegangen bin ich der Sache aber noch nie.

Es ist immer noch früh. Ich glaube, ich gehe erstmal frühstücken, bevor ich nachher meinen Besuch aus Berlin vom Bahnhof abhole. Auf ein schönes Wochenende!

22.08.2008 at 09:12 am
Persönlich
19

Haareschneiden live

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Alles fing an mit einer fixen Idee bei Twitter. Meine Haare langweilten mich, ich wollte einen vernünftigen Pony und da ich nicht gern zum Frisör gehe, musste ich eben selbst ran an die Schere. Es konnte ja nicht so schwer sein, immerhin war es nicht das erste Mal und ich freute mich schon auf den Adrenalinkick, den so ein einfaches Abschneiden einer Haarsträhne in meinem Körper auslöst.

Und wie es sich für meine Generation gehört, habe ich das Ganze live dokumentiert.


klammerauf Mission Haareschneiden live mitgetwittert: Habe eine Schere und einen Plan. Es kann losgehen. #MissionHaareschneiden

klammerauf Circa 10cm sind schon ab. Also vorne. Haare über Haare auf meinem Badezimmerboden. Au wei. #MissionHaareschneiden

klammerauf Es nimmt Gestalt an. Ich glaube allerdings, ein paar Strähnen sind zu kurz geworden. #MissionHaareschneiden

klammerauf Haarschnitt fast fertig. Jetzt nur noch eine Position finden, wie sie am besten liegen. #MissionHaareschneiden

klammerauf Ooookay, noch ein bisschen kürzer? Noch ein bisschen kürzer! #MissionHaareschneiden

klammerauf Das war jetzt aber vielleicht nervenaufreibend. Aber es ist vollbracht. Und es sieht gut aus. #MissionHaareschneiden

klammerauf http://twitpic.com/89w1 - Ha! #MissionHaareschneiden

bluesshoe @klammerauf :) Kommen da nun alle Bilder der Schneidsession? :))

klammerauf @bluesshoe Naja, ich hab nur ein paar wenige Fotos gemacht. Ist eher so ein… Symbolfoto.

pasue @klammerauf sieht gut aus =D

klammerauf Kleine Nachbesserungen. Hoffentlich mache ich nicht alles wieder kaputt. #MissionHaareschneiden

klammerauf http://twitpic.com/89y3 - Sieht ja gar nicht SO viel aus. #MissionHaareschneiden

bluesshoe @klammerauf Da zupf ich ja mehr Haare aus der Nase… (NUR EIN SCHERZ!) ;)

kcpr @klammerauf Viel interessanter als dieses Häufchen wäre ja die Ansicht deines Hauptes.

klammerauf http://twitpic.com/8a13 - Fertig. Vernünftige Fotos.. ähh… morgen. #MissionHaareschneiden


Das war’s also. Ich fühle mich unglaublich mutig und schon allein deswegen verändert. Wenn jetzt kein guter Zeitpunkt ist, um auch noch ein paar andere Facetten meines Lebens zu ändern, dann weiß ich auch nicht.

19.08.2008 at 07:36 pm
Persönlich
11

Rock’n'Roll im August

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© LUSH, BackKönig, konqui, FailBlog, yasu2909

ROCK’N'ROLL: Hörbücher - ich habe schon “Trainspotting” durch und als nächstes höre ich “High Fidelity”; neue Produkte von LUSH zum Testen zugeschickt bekommen - das “Rub Rub Rub”-Duschgel ist super!; BEAT!BEAT!BEAT! - die Jungs werden groß; 10% Studentenrabatt bei meiner neuen Lieblings-SB-Bäckerei Back-König; Klausurergebnisse bekommen und sich darüber freuen - Wie habe ich bloß die 2,0 geschafft?; mein Muxtape Day; special surprise guests auf Festivals; zufällig alte Schulfreunde wiedertreffen; der FAIL-Blog; meine neuen Schuhe - endlich mal wieder Boots; Nerdgespräche; das Gewölbe im Kölner Westbahnhof als Location.

EHER NICHT SO: aufkommende Langeweile aufgrund der Semesterferien; Crystal Castles live; der Vorverkaufsstart für das London Calling Festival und die damit verbundene Hetze; wie schnell die Zeit vergeht - es ist ja schon wieder August!; Platzregen auf Festivals; Electrofreaks auf Speed; Geldsorgen; Sommerlöcher.

Und bei euch so?

18.08.2008 at 02:18 pm
Persönlich
5

Die Flucht aus der Stadt

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Nur wenige hundert Meter von meinem Haus entfernt befinden sich die Felder. Dass sie da waren, wusste ich eigentlich schon immer - manchmal begegneten mir mittags auf dem Weg zur Uni ein paar Jogger oder ältere Frauen, die dort ihre Hunde spazieren führten. Aber mein Lebensumfeld erstreckte sich bisher eigentlich nur auf die Supermärkte in der Gegend, meine Tankstelle, den Weg zur Uni und die Innenstadt mit ihren Einkaufsstraßen, Geschäften und Fastfood-Restaurants.

Dabei habe ich lediglich fünf Minuten entfernt die Natur. Der Straßenlärm war mit einem Schlag verschwunden, stattdessen zirpten Grillen und ich inspizierte die umgeknickten Ähren auf den Feldern dahingehend, ob es sich nicht vielleicht um mysteriöse Kornkreise handeln könnte. Ich war einMedienopfer und ich konnte mich nicht daran erinnern, wann ich das letzte Mal aus der Stadt mit ihren Bussen, Dönerbuden und lauten Menschenmengen herausgekommen war.

Die Gegend erinnerte mich an die Landstriche, in denen ich früher im Urlaub mit meinen Eltern oft spazieren war. Wir waren abends essen im Restaurant, holten uns an der Eisbude eine Kugel Marzipaneis in der Waffel und spazierten dann durch den Ferienort. Auch wenn mich Familienurlaube meist zu Tode langweilten, war dort das Gefühl von Geborgenheit, das weit über üppiges Restaurantessen und frische Betten in Ferienwohnungen hinausging. Die reine Luft und der Geruch der Felder, während es langsam dämmerte. Und dann müde und glücklich ins Bett fallen und sich unter den blütenweißen Laken verkriechen.

Nun holte ich mir ein Stückchen davon nach Hause. Hin und wieder fahren ein paar Fahrradfahrer auf der schmalen Straße an mir vorbei. Ich sitze auf einer Bank, schaue über das Feld und höre den Grillen zu. Für einen Moment vergesse ich den Stress. Die Zukunft. Die To-Do-Listen. Den Stadtlärm. Den Bunker, in dem ich morgen sitzen und all mein Wissen zu Papier bringen werde. Es wird langsam dunkel, hinten flimmern die Lichter der Stadt und die Luft riecht nach Sommer und ein bisschen nach Marzipaneis.

13.07.2008 at 09:53 pm
Persönlich
11

Die Klausurenphase

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… beginnt am Montag. Ich habe noch nie viel davon gehalten, sich wochenlang in einem Zimmer zu verbarrikadieren und eine Stimmung zu verbreiten, als sei man das letzte Semester über in keiner einzigen Vorlesung anwesend gewesen. Aber trotzdem würde ich sehr gerne bestehen. Also studiere ich meine Unterlagen und esse dazu auf meinem nagelneuen Toaster frisch getoastetes Toastbrot.

Zitat des Tages:

Wenn jede Sprache nur subjektiv ist, gibt es niemanden, der über die Wirklichkeit objektiv verfügen kann. Es gibt keine intersubjektive Objektivität, nur subjektive Blicke auf die objektive Wirklichkeit.

at 01:51 am
Persönlich
4

Rock’n'Roll im Juli

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© BBC Three, Amazon, stock.xchng, Melt!, Franz Ferdinand, PostSecret, H&M

ROCK’N'ROLL: das Melt! Festival 2008 - ich freue mich vor allem auf Alexander Marcus, Franz Ferdinand, Editors, Neon Neon, Adam Green und Late Of The Pier; die Eissorte “Cookies” vom Eismann an der Ecke; die 3. Staffel von The Mighty Boosh - endlich habe ich sie gesehen und sie ist großartig (“We’re super magic men, we stay up ’til 5 am, although we’re bound by shaman law, what goes on tour stays on tour!”); Besuch aus Berlin haben; der H&M Sale; Kim Wozencraft - Fieberhaft; den Geburtstag von meinem Blog und meiner Seite (07.07.) feiern; PostSecret durchstöbern; MUXTAPE - die neue Generation des Mixtapings; meinem kleinen, 13jährigen Bruder Klamotten abkaufen; Kalkofes Mattscheibe; anstehende Einweihungsparties von Freunden; Frank Turner - The Ballad Of Me And My Friends: “The musicians who lack the friends to form a band are singer-songwriters, the rest of us are DJs or official club photographers.”.

EHER NICHT SO: die Klausurenphase - bei mir steht “Kommunikation und Bildung”, “Methodenlehre”, “Texttechnologische Programmierung” und Englisch an; verstopfte Abflüsse und die Chemiekeule als einziger Ausweg; das neue Album von Cansei De Ser Sexy aka. CSS; zu strenge Festivaleinlasskontrollen - ein Verbot für Flaschen und Alkohol verstehe ich gern, aber einen verschlossenen Tetrapack Saft sollte man doch mitnehmen dürfen; Glühbirnenpreise; der neue Schlager von Tim Toupet - trotz unschlagbarem Wortwitz; Behördenkram und Gewerbeanmeldung beim Finanzamt.

Und bei euch so?

09.07.2008 at 10:37 pm
Persönlich
18

Mein neuer Job

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© Kake Pugh

Ich arbeite jetzt bei LUSH, was so ziemlich der großartigste Nebenjob ist, den man sich nur vorstellen kann. Als ich heute vom Probearbeiten mit einem Arbeitsvertrag und einem Goodie-Bag in der Hand nach Hause kam, roch mein ganzer Körper nach Vanille-Massageöl, johannisbeerigem Schaumbad und bunten Badekugeln und ich fühlte mich wie ein lebender, glitzernder Teil dieses wunderbaren Ladens.

Mein Job ist es nun, den Leuten, die angelockt vom Duft unseren Laden auf der Bonner Fußgängerzone betreten, die wunderbaren Badekometen, Bubble Bar Slices, Shower Jellies und Seifen näherzubringen, vorzuführen und zu verkaufen. Die “Champagne Supernova” Badekugel zum Beispiel. Oder die “Honey I Washed The Kids” Seife.

LUSH ist wundervoll, auch aus ethischer Perspektive nicht zu verachten und ab heute bin ich ein Teil davon. Und glücklich. Demnächst gibt es hier also auch Interessantes rund um die Arbeitswelt, Begegnungen mit Kunden, “Nein, das ist Seife, kein Käse!” und “Ey! Es ist pink! Und es glitzert!” - Man darf gespannt sein.

(Vielleicht werde ich demnächst via Twitter über meine Arbeitszeiten informieren - dann ist jeder gern eingeladen, mich zu besuchen und sich von mir in die duftende LUSH-Welt einführen zu lassen.)

Mehr zum Thema LUSH:

  • Offizielle Website
  • Freie Stellen bei LUSH in Deutschland
  • Gala Darling: How to get a job at LUSH
  • peta2: LUSH ist wie Schokolade, denn LUSH macht glücklich
  • LUSH Times - Das Magazin - zum Downloaden und Staunen
14.06.2008 at 05:18 pm
Persönlich
11

Rock’n'Roll im Juni

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© LUSH, H&M, Kolby Kirk, Stadt-Flohmarkt, Tesa, Dirty Pretty Things, my_amii

ROCK’N'ROLL: LUSH - unwiderstehliche Beauty-Schmankerl, die auf die Namen Champagne Supernova, Sex Bomb oder Rockstar hören und die man am liebsten aufessen würde; Notizbücher - wirken wahre Wunder und halten den Kopf frei, für To-Do-Listen, Tagespläne, Ideen, Skizzen und Inspiration; meine neue Lederjacke; der Flohmarkt am Kölner Unicenter - jedem Samstag von 8 bis 16 Uhr und ein Paradies für Schnäppchenjäger und Vintage-Liebhaber; bei schönem Wetter mal nach Hause laufen anstatt den Bus zu nehmen; in der Not erfinderisch werden und sich wie MacGyver fühlen - verstopfte Waschbecken mit Tesa Powerstrips reparieren und Toast Hawaii mit dem Föhn zubereiten; im sonnigen Hofgarten auf der Wiese sitzen und im Internet surfen; Wayfarer-Sonnenbrillen; reinhören in die neue Dirty Pretty Things Platte - “Romance At Short Notice”; nächtliche Stromberg-Wiederholungen.

EHER NICHT SO: die EM - dank dem lauten Stimmorgan meiner Nachbarn bin ich auch unfreiwillig stets über die aktuellen Spielstände informiert; Dauerregen im Juni - vor allem gerade dann, wenn ich meinen freien Tag habe; das konzerttechnische Sommerloch - alle Bands sind auf Festivals beschäftigt und niemand spielt Konzerte, dabei ist mein erstes Festival noch Ewigkeiten hin; schlechter WLAN-Empfang; der Anblick der schottischen Munchy Box; das berühmte Motivationsloch.

Und bei euch so?

12.06.2008 at 02:22 pm
Persönlich
6

Live aus dem Hofgarten

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Hallo aus dem wunderschön sonnigen Hofgarten der Uni Bonn. Ich sitze hier auf der Wiese mit meinem Laptop, einer besseren W-Lan-Verbindung als bei mir zu Hause und mit einem Blick auf das Unigebäude, die grünen Bäume, schlafende, rumsitzende und fußballspielende Studenten und den blauen Himmel. Soeben habe ich meine Programmier-Hausaufgaben erledigt, bis zum nächsten Kurs ist es noch eine Stunde und ein angenehmer Wind streift mir durchs Haar. Aus meinen Boxen tönte bis eben noch Jack Peñate und vielleicht hätte ich doch vorne an der Ecke eine Schale Erdbeeren kaufen sollen. Hmmmm.

Ich war ja nie ein Sommer-Fan, aber momentan ist es wirklich schön hier. Ich revolutioniere gerade mein Leben (was die kurzweilige Blog-Abstinenz erklärt), genieße jeden Tag und meine neuen Ideen füllen seitenweise mein Notizbuch. So weit, so gut. So lange es noch warm und sonnig ist, werde ich noch ein bisschen barfuß auf der Hofgartenwiese sitzen.

(Das obrige Foto entstand übrigens aus einer cleveren Kombination von meinem billigen Fotohandy und meinem billigen Laptop mit Infrarotport. Wer braucht schon Multifunktionsgeräte und so?)

10.06.2008 at 03:46 pm
Persönlich
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Sorry, verwählt!

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© Guas

Wunder Technik hin oder her, solange noch immer Menschen darin involviert sind, läuft immer irgendwo irgendetwas schief. Täglich vertippen sich weltweit abertausende Menschen beim Telefonieren, speichern die Nummern ihrer Discobekanntschaften falsch ab oder schicken SMS an fremde Nummern. (Allerdings sind auf diese Weise offenbar schon zahlreiche Liebesbeziehungen entstanden.)

Vor einiger Zeit bekam ich regelmäßig Anrufe auf meinem Handy mit der Bitte, mich doch um die Pferde zu kümmern. Meist Sonntagmorgens gegen 9. Ich blieb jedes Mal freundlich, erklärte, dass ich noch nie ernsthaft etwas mit Pferden zu tun gehabt hätte und dass es sich sicher um einen Zahlendreher in der Handynummer handle. Das Mädchen am anderen Ende schien zu verstehen. Zehn Minuten später, gerade als ich wieder friedlich eingedöst war, klingelte es wieder. Was denn die Pferde machten, wollte ein Mädchen wissen.

Eine Woche drauf rief sie wieder an. Seitdem warte ich auf meinen persönlichen Großstadtmärchenprinzen, der rein aus Versehen, aus dem menschlichen Versagen heraus, zufällig meine Nummer wählt und mich glücklich macht. Träumen darf man ja noch.

03.06.2008 at 12:07 am
Persönlich
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Eines Tages holen sie mich ein

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© Marco Wehe

“Eines Tages hole ich ihn ein, dann bin ich älter als er!” meinte meine kleine Cousine immer, angesichts der Tatsache, dass sie leider ein Jahr jünger als mein Bruder war. Er war damals vielleicht 6, sie 5. “Das geht nicht!” erklärte ich ihr jedes Mal. “Warum?” wollte sie wissen. “Weil… Menschen werden halt immer gleichmäßig älter.”

Ich war schon immer schlecht darin, kleinen Kindern das Wesen der Welt zu erklären. Und ich hatte noch nicht einmal Recht, denn manche Menschen werden einfach schneller älter als andere. Darüber sinierte ich den Rest des Freitagabends, mit Würstchen mit Ketchup und Cola in der Caféteria der Gesamtschule meines kleinen Bruders.

Die Kinder, die durch die Aula liefen und Krach machten, waren durch die Bank weg größer als ich. Nicht nur so ein bis zwei Zentimeter, sondern mindestens einen Kopf. Manche waren vielleicht fünfzehn, andere zwölf. Andere dreizehn, wie mein Bruder und seine Klassenkameraden und dann waren da noch die ganz Kleinen. Einige von ihnen trugen weiße Masken und probten ihren Auftritt.

Mit der Digitalkamera meiner Eltern bewaffnet, schlich ich am Bühnenrand herum und versuchte, einen Blick auf meinen kleinen Bruder zu erhaschen, der in der hintersten Ecke den Song “Bilder von dir” auf dem E-Bass begleitete. “Da war halt der Verstärker. Ging nicht anders.” Seine Klassenkameraden schmetterten mehr oder weniger im Takt den Text ins Mikrophon und die Solosängerin trug ein glitzerndes Kleid und sah damit sicher glamuröser aus, als ich auf meinem Abiball.

“Das ist meine Tochter!” stellte mich mein Vater unentwegt fremden Eltern vor. Ich nickte. “Geht sie auch hier auf die Schule?” - “Nein, sie studiert schon!” antwortete mein Vater stolz. Ich nickte wieder.

Schulveranstaltungen waren schon immer seltsam und wenn ich die Klassenlehrer mit ihren Schützlingen so ansah, war ich froh, endlich draußen zu sein. Auch wenn ich optisch ganz klar zwischen den Fünft- bis vielleicht Elftklässlern unterging. Das Würstchen mit Ketchup lag mir schwer im Magen. Vielleicht holen sie mich ja doch eines Tages ein.

01.06.2008 at 03:43 pm
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12

Die heiße Phase

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© L. Chaplin

Heute gab ich mich wie immer dem eher gewöhnlichen Alltag hin: schlenderte in der Morgensonne zur Methodenlehre-Vorlesung, fuhr in die Kölner Innenstadt, wo ich mich mit Jasmin traf, bereitete auf der Domtreppe sitzend mein The Mighty Boosh Referat für mein Englischtutorium vor, hörte Of Montreal und dachte nach über den ultimativen Coup.

Und nun, einen Tag vorher, geht es auch mit unserer Party in die heiße Phase. Es geht um last minute Promotion, DJ-Equipment, Catering, Brötchen schmieren und wenn ich mir überlege, dass die Sause in genau 24 Stunden schon in vollem Gange ist, wird es mir ein kleines Bisschen flau im Magen. Aber auf eine positive Art und Weise.

Parties zu organisieren ist gar nicht so leicht, wie man immer denkt und so viel einfacher, als man glauben mag.

Morgen um 21 Uhr heißt es im Blue Shell “Shake Some Action!” und wer noch Lust hat, spontan vorbeizukommen, ist natürlich herzlich eingeladen. Nach 2 Tassen Instant-Kartoffelpüree mit Broccoli und Crème fraîche werde ich mir heute einen gemütlichen Abend machen, früh schlafen und morgen hoffentlich mit Energie in den neuen Tag starten. Und mit dem Kuchen, den Franzi mitbringt.

21.05.2008 at 10:06 pm
Persönlich
8

Flyeraction

Diese kleine, aber sehr schwere Kiste, steht seit heute bei mir in der Wohnung. Der Inhalt: sehr mysteriös.

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Manch einer ahnt es vielleicht schon. Aber dazu bald mehr.

29.04.2008 at 02:06 pm
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15

Von Regen und Haaren im Frühling

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© *Solar ikon*

Heute hat es geregnet. In Strömen. Die Straße hinter meinem Haus glich einem Bach und meine Haare wurden sofort lockig. Ergo, scheiße. Wer von Natur aus glatte Haare hat oder seine Haare stets so lässt, wie sie sind, kann nicht nachvollziehen, was ein klein wenig Luftfeuchtigkeit mit einem Büschel Haare machen kann.

Nicht, dass ich eitel wäre, aber wenn ich meine Haare schon ständig mit einem Glätteisen maltretiere, sollte man doch wenigstens davon ausgehen, dass sie auch eine Weile so bleiben. Doch die Illusion ist perfekt, die meisten Leute, die ich treffe, denken, ich hätte glatte Haare. Es sei denn, sie treffen mich im Regen. Dann können sie mich außerdem fluchen hören, was nochmal einen größeren Teil meines Wesens offenbart. Ich fluche viel, und, wie gesagt, wären da nicht meine Haare…

Im übrigen boykottiere ich Wetter. Es ist simpel. Warum soll ich mir von etwas Trivialem wie dem Wetter vorschreiben lassen, ob ich nun eine dicke Jacke tragen muss, gar keine Jacke, wo ich doch gerade eine schön neue habe, oder einen Regenschirm mit mir rumschleppen soll oder nicht? (Auch wenn ich bei meinem Wetter-Boykott oft den Kürzeren ziehe, das ist es mir wert.)

Kurzum: Meine Haare sind Fake, Regen ist doof, Haare und Regen sind eine unglückliche Kombination, von daher sind Schirme vielleicht doch keine so schlechte Erfindung.

28.04.2008 at 07:11 pm
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5

Take me to the riot

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Saturday nights in neon lights, Sunday in the cell. Es passiert nichts. Ich bewege mich in einer nicht enden wollenden Spirale. Durchschnittliche Konzerte, durchschnittliche Parties in durchschnittlichen Clubs, obligatorische Stempel auf dem Handgelenk, durchschnittliche Romanzen und die damit verbundene durchschnittliche Frustration und ein paar mehr oder weniger durchschnittlichen Lichtblicken, die einem hin und wieder die unglaubliche Einzigartigkeit der eigenen Existenz klarmachen. Zumindest manchmal.

Wir sind besser als alle anderen. Die Tatsache, dass genau das jeder denkt, macht uns wieder zu derselben grauen Masse, die wir vorher waren.

So lange die vorlesungsfreie Zeit noch andauert, machen wir uns ein schönes Leben. Wir machten die Nacht zum Tag, veranstalteten Videoabende auf dem Boden meiner Wohnung mit Spaghetti, Kerzen und “Control” und ich ärgerte mich regelmäßig über die nutzlosen Dinge und die überteuerte Nahrung, die ich regelmäßig und nächtlich bei meiner Tankstelle erwarb.

Wir waren im Kino (“Die Welle”) und haben uns vollgefressen mit Popcorn und Nachos, denn Kino macht ohne Essen nur halb so viel Spaß. Sobald man in dem verdunkelten Saal sitzt und auf einer großen Leinwand bewegte Bilder vorbeihuschen, braucht man eine Maxi-Tüte Popcorn in der Hand. Süßes. Auch wenn salziges geiler ist. Und der primäre Reiz des Kinos ist heutzutage nur, dass man keine Fernbedienung hat.

Wir haben jetzt April. Vor einem Jahr gehörte ich zur abiturgebeutelten Jugend zweitausendsieben, ich hatte quasi konstant frei und schäme mich nicht, allen diesjährigen Abiturgestressten ein “Die soll’n sich mal nicht so anstellen!” an den Kopf zu werfen. Hätte man mich “damals” gefragt, wo ich mich in einem Jahr sehe, hätte ich mit den Schultern gezuckt und wahrscheinlich irgendetwas cooles gesagt. So nach dem Motto reich und berühmt, nur dass “reich und berühmt” vielleicht ein unrealistisches Ziel für ein Jahr ist und ich auf das klassische Berühmtsein eh keinen Bock habe.

Eher so reich und glücklich mit der Betonung auf “glücklich”. Und eingeschrieben an irgendeiner Uni, die Montag wieder losgeht, ein Vermögen kostet und meinem Tagesablauf endlich wieder ein passables Schema verpasst. Inklusive Mensaessen, verhältnismäßig frühem Aufstehen und den gleichen Leuten, die man jeden Tag sieht. Hat aber auch etwas gutes, ein geregelter Tagesablauf und ein Lebensinhalt macht produktiver und bringt das Gehirn in Schwung, wenn es darum geht, Zukunftspläne zu schmieden und zu überlegen, wie man ebendiesen Lebensinhalt so schnell wie möglich wieder los wird.

Passenden Soundtrack des Tages: Stars, The Courteeners, The Maccabees und One Night Only. Und der ganzen Indiediscokram, den ich morgens als Ohrwurm habe, wenn ich mir bei Subway ein “Sub des Tages” bestelle.

04.04.2008 at 05:38 pm
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10

Frühlingsgefühle

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© akashgoyal

Jeden Tag, wenn die Sonne am höchsten steht, scheint sie auch in meine Wohnung. Meistens weckt sie mich dabei, manchmal setze ich mich ans offene Fenster und höre laut Musik.

Ich glaube, dass Sonne glücklich macht, ist irgendwo universal in jedem Menschen angelegt. Genetisch, frei nach der Devise je mehr Licht, desto mehr Aktivität, je mehr Licht, desto weniger Winterschlaf, je mehr Licht, desto mehr Leben draußen. Dagegen kann man sich nicht wehren, genauso wenig wie gegen Schmetterlinge im Bauch oder Klausurfragen, auf die man gerade keine Antwort weiß.

Ich hasse die Sonne, weil sie warm macht und Hitze ein Scheißgefühl ist. Ich würde lieber erfrieren, als verbrennen, auch wenn dieser Vergleich irgendwie hinkt und irrelevant ist, weil ich eigentlich noch gar nicht sterben möchte. Und wenn ich müsste, dann würde ich lieber vom Hochhaus fallen wollen oder friedlich einschlafen, denn neben Musik ist Schlafen bekanntlich mein Lebenselixier.

Aber gegen den Frühling bin ich machtlos, er ist zweifelsohne die schönste Zeit des Jahres, wenn man von ein paar anderen Dingen absieht. Die schönste Zeit des Jahres ist immer die, die am schönsten ist und so banal es klingt, das Wetter ist lediglich etwas, worüber wir reden, wenn es nichts anderes zu reden gibt. Ich mache mir einen Drink aus Zitrone, Sprudel und Eiswürfeln, Eiswürfel aus meinem Eisfach, so tiefgefroren, dass sie durch und durch weiß sind.

Frühlingsgefühle.

Im Frühling gehörte die Welt schon immer uns. Wir saßen hinter der großen, ehemaligen Kirche aus Backstein an einem der hunderten Amsterdamer Kanäle und winkten den Booten. Sangen Lieder und aßen Eis. Stolperten aus dunklen Schulräumen nach draußen und sahen die Bäume grün werden und freuten uns nach getaner Arbeit über die ersten Sonnenstrahlen. Wir gingen auf Tour durch Deutschland, lebten für die Musik und den Frühlingsduft an den Bahnsteigen und tanzten in fremden Parks zu Musik aus kleinen Lautsprecherboxen.

Spätestens morgen weckt er mich wieder: mein Frühling.

13.02.2008 at 04:16 pm
Persönlich
4

Ich bin multitaskingsüchtig

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© _TomTom_

Richtig. Ich habe nicht viele gute Angewohnheiten. Und die, die ich habe, sind meist schlechte.

Vor allem wir Frauen sind ja - statistisch gesehen - in der Lage, so viele Dinge wie möglich gleichzeitig zu tun. Vielleicht wie so oft ein Überbleibsel aus der Steinzeit. Wir können gleichzeitig reden und zuhören beispielsweise. Telefonieren und essen. Und dabei fernsehen und Mails checken. Musik läuft auch im Hintergrund und während ich den Abwasch mache und mit der superpraktischen Bürste die Teller schrubbe, schaue ich schnell die Nachrichten und hör mir das Neue von We Are Scientists an.

“Wer von Ihnen macht erst einmal den Fernseher an, wenn er oder sie nach Hause kommt?” war letztens die Frage in unserer Vorlesung zur Medienkommunikation. Ich überlegte kurz. Nö. Ich bin ja nicht einsam oder so und jedes Mal nach einem Kurzurlaub im Heim meiner Eltern weiß ich die wohltuende Ruhe in meiner Wohnung zu schätzen. Doch die süße Reizüberflutung ist oft doch zu verlockend.

“Nie vor dem Fernseher essen, dann isst man doppelt so viel.” heißt eine schlaue Diätweisheit, aber ich schere mich wenig darum. Denn der Teller Nudeln mit Ketchup wird schließlich auch nicht weniger, wenn ich ihn ohne Seitenbeschallung verputze und ebenso wenig mehr, wenn die volle Dröhnung aus Trash-TV (möglichst geistreiche Boulevardmagazine) und Computer voller blinkender E-Mail- und Feedreader-Meldungen auf mich hereinprasselt. So erfahre ich zum Beispiel, dass Microsoft Yahoo! kaufen will und warum Désirée Nick damals nochmal den pelzigen Hoden gegessen hat. Gleichzeitig verpasse ich auch die Tatort-Pointe nicht, genauso wie meine neuen Mails.

Außerdem: Wo soll ich denn sonst essen? Ich hab’ nunmal keinen Esstisch. Und ich kann es einfach nicht lassen. Wenn ich nicht mit mindestens zwei Dingen gleichzeitig beschäftigt bin, fühle ich mich chronisch unterfordert - egal ob drinnen oder draußen. Und wenn man es einmal genau betrachtet, sind die Zeiten vorbei, in denen man sich noch hingebungsvoll einer einzigen Sache widmete. Schluss, aus, vorbei - Multitaskingsucht. Ich bin doch auch nur ein Opfer der Welt, mit der ich mich tagein tagaus beschäftige.

Nachtrag: Beim Schreiben dieses Beitrags guckte ich die Wiederholung der neuen Niels-Ruf-Sitcom, las meine Feeds geschätzte fünf Mal, versuchte als Klausurvorbereitung die Theorie Schopenhauers herunterzubeten (irgendwie gescheitert) und aß ein paar eklige Cheese-Nachos von “meinem” Norma.

02.02.2008 at 01:16 am
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11

Meine Tankstelle und ich

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© brennSL

Nur wenige Meter von meinem Haus entfernt befindet sich eine Shell-Tankstelle. Jedenfalls vermute ich, dass sie von Shell ist, denn sie leuchtet gelb - aber so genau habe ich mir noch nie das Schild angeguckt. Dass es eine Tankstelle ist, ist auch recht nebensächlich - eher stören die ganzen Autos, denn man muss auf dem Weg dorthin ständig aufpassen, wo man läuft und dass man nicht von einem überfahren wird.

Im Gegensatz zu “meinen” Supermärkten, hat “meine” Tankstelle 24 Stunden auf (so wie “mein” Subway am Wochenende). Hier gibt es dann mittelgroße Chipspackungen für zwei Euro neun, Eintöpfe und Ravioli, Fertiggerichte in Plastikbechern, Getränke und Zeitschriften, alles was das Herz begehrt. Wenn nach dem Frühstück gegen 17 Uhr (Nudeln mit Tomatensoße) wieder mein Kühlschrank leer ist und mich gegen 23:35 Uhr der kleine Heißhunger packt, lockt es mich gehüllt in meine Lederjacke immer wieder auf die Straße.

Es ist kalt. Der Wind weht. Ich friere. Und sehe schlecht aus. Die Straßen sind leer. Nur die Tankstelle leuchtet. Ich schnappe mir irgendetwas aus den Regalen und seufze beim Gedanken an meinen Geldbeutel. Da lebe ich schon sparsam wie Dagobert Duck und schließlich lauert die Falle beim Cheese-Dip, ohne den die Nachos doch eigentlich gar nicht schmecken.

“Haben Sie getankt?” fragt mich der Mann an der Kasse. Scheinbar sehe ich so gammelig aus, dass ich unmöglich zu Fuß unterwegs sein konnte. Allenfalls mit dem Auto nach sechs Stunden anstrengender Nachtfahrt - wer sonst kommt mitten in der Nacht vorbei, um eine Tüte Chips und eine 5-Minuten-Terrine zu kaufen? Und einen Cheese-Dip natürlich.

“Nee.” sage ich, schmunzle und schnappe mir die EC-Karten-Quittung über 5,59€. Was würde ich bloß ohne meine Tankstelle tun? Die biorhythmusgestörte Jugend von heute braucht einen Ort der Zuflucht. Jemand, der ihnen mit Fingerzeig klar macht, dass es irgendwie schon ein bisschen spät ist, aber trotzdem nett zu ihnen ist. Der immer da ist, auch nachts. Der Mitleid hat und doch in Wirklichkeit ein Kapitalistenschwein ist.

Ja, wir verstehen uns, meine Tankstelle und ich.

15.01.2008 at 07:59 pm
Persönlich
4

Weihnachtskonsum

Vom Jules bekam ich ein Stöckchen zum Thema Weihnachten zugeworfen - kein Problem. Bei mir liegen ja bekanntlich der Geburtstag und das Weihnachtsfest um 10 Tage beieinander und somit verschwimmen die Grenzen, wenn es um Geschenke geht - aber trotz allem bin ich ein Weihnachtsmensch und somit kommen mir diese Fragen gerade recht.

Drei materielle Wünsche zu Weihnachten (und Geburtstag):

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(1) Gutschein von American Apparel - die sind ja leider echt teuer, die Sachen
(2) Ein kleines, gebrauchtes Notebook für die Uni. Richtig, kein MacBook. Brauch ich nicht.
(3) Visitor Travelcard für London (28.12. bis 4.1.)
(4) Receiver, DVB-T oder so. In meiner Wohnung ist das Kabel schlecht
(5) Ein NEON-Abo. Der Spiegel wär auch nicht schlecht, aber das wird wohl zu teuer
(6) USB-Kabel, um den Drucker mit dem PC zu verbinden
(7) Eine Wayfarer Sonnenbrille, muss ja keine Original Ray Ban sein

Drei Menschen, mit denen ich gerne Weihnachten feiern würde / drei Menschen, die von dir ein Weihnachtsgeschenk erhalten: Ich feiere Weihnachten mit meiner Familie, sprich meinen Eltern, meinem Bruder und meinen Großeltern mütterlicherseits. Wir essen Heringssalat, sitzen im Wohnzimmer und hören alte Weihnachtslieder - das ist immer noch die schönste Art. Geschenke bekommen auch nur meine Eltern, mein Bruder und meine Großeltern, sowie ein paar Freunde - ich bemühe mich immer, Dinge zu verschenken, die nicht allzu teuer, aber persönlich und passend sind. Ob mir das immer gelingt, ist eine andere Frage.

Und falls meine Eltern und/oder das Christkind das hier lesen, kann ich mir auch den Oldschool-Wunschzettel sparen.

02.12.2007 at 12:40 pm
Persönlich
3

Familiennostalgie

Ich sitze im Wohnzimmer und meine Familie pennt. Vater, Mutter, Bruder. Oder Family, wie die coolen Kids sagen, die ihre Eltern auch ganz traditionell mit “Mum” und “Dad” ansprechen und die Worte dabei künstlich-amerikanisch in die Länge ziehen. Alles andere, was in meiner “Family” außer “Maaam”, “Däääd” und Bruder noch existiert, zählt eher zu den entfernten Verwandten.

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Das war mein Großmutter väterlicherseits, sie hatte drei Söhne, die sich nach ihrer Aussage nie stritten und am Mittagstisch stets um Schnitzel mit Pulli-Pulli, Erbsen in Mayonnaise, kämpften.

Als sie einmal mit dem Auto unterwegs waren, parkten meine Großeltern den Wagen auf einem Hügel, stiegen aus um ein paar Besorgungen zu machen und ließen die drei Jungs, die in meiner Vorstellung stets den Eindruck von Tick, Trick und Track machen, allein in ihren Kindersitzen zurück. Es begann ein Überlebenskampf, denn das Auto rollte unermüdlich rückwärts, und steuerte die Brüder geradewegs in den Tod, ohne dass ihre Eltern auch nur das Geringste ahnten. Todesmutig, wie er schon immer war, zog mein Vater die Handbremse und rettete den Nachwuchs seiner Familie. Diese Geschichte erzählte meine Großmutter immer gern, wenn wir früher bei Tomatensaft und Toast im 18. Stock des Hochhauses saßen. Natürlich nicht, ohne zu erwähnen, dass ihr Ältester immer friedlich war und den Damen stets die Hand küsste. (Ob er dies allerdings freiwillig tat, ist mir nicht bekannt.)

Ich rannte viel lieber auf den Balkon, lehnte mich über die Brüstung und versuchte, ein wenig des väterlichen Todesmutes nachzuempfinden. Nicht selten stürzten sich Leute aus diesem Haus in die Tiefe und landeten im Sandkasten des angrenzenden Kindergartens. Nachdem ein Mann einmal seine kleinen Kinder mitnahm, wurden sogar alle öffentlichen Balkone vergittert.

Damals war ich vielleicht 8, gelangweilt und lebensmüde. Ich hüpfte im Fahrstuhl, benutze die kaputten Fitnessgeräte im Hochhauskeller und versteckte die Zigaretten meiner Großmutter. “Ich brauche keinen Mann.” verkündete ich damals. “Wir sprechen uns in zehn Jahren wieder.” meinte meine Oma altklug. Fast immer, wenn ich am Rhein entlangfahre, sehe ich die große Leuchtreklame des Hochhauses, es ist noch immer so steril und ich bilde mir ein, es wackle im Wind.

24.11.2007 at 04:25 pm
Persönlich
2

Jetzt bin ich hier - und nun?

Seit bald 2 Wochen wohne ich hier und alles ist wie vorher. Anfangs war sie noch da, die Aufregung, das Neue, ich wollte so vieles besser machen und irgendetwas verändern, sei es auch nur eine kleine Routine. Aber alles ist wie vorher.

Die australische Bloggerin Gala Darling hat schon vor einer ganzen Weile einen tollen Artikel namens “Wherever you go there you are” veröffentlicht. Und so trivial wie der Titel klingt, als ich es erneut las, dachte ich, es handle von mir:

As we move from city to city, place to place, the one constant is us. Once the newness & excitement of moving has worn off, we often find that we are depressed again. We still dislike people. We still hate work. Our relationship still drains our energy & happiness. We still binge eat or drink too much or fritter our money away. If we don’t change anything about ourselves, we just take whatever is inside us wherever we go.

So weit, so gut - hier bin ich. Die Aufregung ist weg, der Alltagstrott ist wieder da und ich bin genauso misanthropisch wie vorher. Dabei habe ich habe kein Problem mit meiner Stadt, ich wohne nicht in einem Ort ohne Auswege und muss mich nicht zwanghaft mit meinem Umfeld arrangieren. Ich bin glücklich hier und vielleicht sollte man sich von einer oberflächlichen Veränderung einfach nicht zu viel erwarten.

[...] shifting your physical location is not going to change who you are. It will change your life in trivial ways, but not you.

Fazit: Wer Veränderung will, muss sich selbst verändern? Scheinbar ja, sei es eine kleine Routine, die Erfüllung eines langersehnten Wunsches und das Umsetzen von etwas, was man sich schon lange vorgenommen hat. Eine To-Do-List in einem kleinen Notizbuch, das man immer bei sich trägt.

[...] if you can learn to appreciate where you live now, & all the small, seemingly insignificant but wholly beautiful things which make up your life, your days will be filled with joy & beauty.

Joy & beauty, joy & beauty… Ich glaube, eine positive Einstellung ist der Schlüssel zu allem, selbst wenn es nach alter Hippie-Romantik klingt - sei es in der neuen Umgebung, im Internet oder an der Supermarktkasse. Ich mag Menschen, die etwas aus ihrem Leben machen und lese gerne Blogs, die eine positive Einstellung vermitteln. Dann ist es, Gott sei Dank, auch vollkommen egal, wo man ist.

22.11.2007 at 10:20 pm
Persönlich
9

Rebellion

Seit circa 10 Tagen wohne ich nun allein und schon jetzt bin ich zu der Erkenntnis gekommen, dass “tun und lassen, was man will” eigentlich viel unspannender ist, als es klingt.

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© Lastnightsparty

Sicher, ich kann mitten in der Nacht auf dem Boden sitzend dritte Programme gucken und die Studenten im Haus gegenüber beobachten, mittags vor dem Fernseher Suppe aus dem Topf löffeln und drei Stunden am Stück duschen, da niemand an die Tür hämmert und an mein Gewissen appelliert und der Wasserpreis außerdem in meinen fixen Nebenkosten miteinbegriffen ist.

Ich kann nach durchfeierter Nacht und schlechtem Schlaf in Bandapartments morgens um 10 nach Hause kommen, ohne dass sich jemand um mich sorgt und Leute einladen, die weder Schwiegersohnqualitäten, noch einen Kamm besitzen. Ich kann Poster auf dem Klo und in der Küche aufhängen (über meinem Wasserkocher hängt David Bowie), den Kühlschrank mit unnützem Zeug vollstopfen und wie bei GZSZ immer zur Stimmung passende Musik im Hintergrund laufen lassen.

Überhaupt kann ich eine ganze Menge tun und mich dabei furchtbar rebellisch fühlen. Dass muss auch mal sein - und dass es nur halb so aufregend ist, weil so oder so niemand etwas anderes von mir erwartet hätte, spielt erstmal keine Rolle.

19.11.2007 at 05:38 pm
Persönlich
7

Telegramm

Keine Zeit, Haare nass, morgen Uni, Umzug übermorgen, Zimmer noch voll. Mein Blog döst vor sich hin - der Wille ist da, der Geist aktiv, nur leider fehlt die Zeit (noch nie erlebt sowas). Jeder Student braucht einen Drucker (besser zwei), drucken drucken, lesen lesen, wenig Schlaf und Essen für eins achtzig. Amsterdam ist großartig, Lakritz schmeckt gut und ich bin mainstream (war tatsächlich bei den Kaiser Chiefs - war sehr gut.) Bald geht’s nach London für ein wenig Spaß. Oh, und ich sollte echt mal die Kartons ordnen und vollpacken, sonst gibt das alles nichts mehr - und heute ist übrigens meine letzte Nacht zu Hause. Unspektakulär (finde ich).

07.11.2007 at 06:35 pm
Persönlich
10

Süßes oder Saures?

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© TwisterMc

“Happy Halloween!” rufen sich die Leute heute fast schon so theatralisch zu, wie “Fröhliche Weihnachten!” in amerikanischen Santa-Claus-Filmen. Was vor Jahren noch eine Begrüßung der österreichischen Hauptstadt war (Vorsicht, Wortwitz), ist heute scheinbar fast so geil wie Karneval. Mit 11 feierte ich einmal eine Halloweenparty mit Freunden, wir schminkten uns dunkel, sprühten über Kopf Haarspray in die Haare, toupierten sie und fanden uns wahnsinnig furchteinflößend. Heute ist dies das Standardprogramm pubertärer Subkulturen, bevor sie sich ins Nachtleben stürzen, oder sich ihre Lieblingsband angucken, die mit “The” anfängt und mit “Horrors” aufhört.

In besagtem Aufzug stellten wir uns um sechs an die Straßenecke und provozierten verwunderte Blicke der Passanten, die erst nach einer gefühlten Ewigkeit begriffen, dass Halloween war und wir nur deswegen so unglaublich gruselig aussahen. Sie lächelten uns freundlich zu und gingen weiter. Wir standen weiter rum. An den Türen der Nachbarn zu klingeln, das trauten wir uns nicht, auch wenn diese sicher schon bergeweise Martinssüßigkeiten in ihrer Vorratskammer horteten.

Heute ist das anders. “Süßes oder Saures!” blöken die kleinen Kinder an der Tür und sehen in ihren Kostümen aus wie mutierte Kürbisse gekreuzt mit Ninja Turtles. Ich überlege, ob diese Biester mir nun eine reinhauen würden, sollte ich keine Süßigkeiten parat haben und stopfe dann doch widerwillig ein paar Schokoriegel in ihre ohnehin schon vollen Stoffbeutel. “Happy Halloween!” steht auf ihrem T-Shirt und trotz aller Fröhlichkeit bedanken sie sich natürlich nicht. Vielleicht gehen sie auch nur perfekt in ihrer Rolle als Monster auf, denn die halten sich ja bekanntlich beim Gähnen noch nicht einmal die Hand vor den Mund.

Dem nächsten Monster, das an unserer Tür klingelt, werde ich eigenhändig Saures verpassen. Trick or treat, ihr habt es nicht anders gewollt. Morgen ist Allerhalloween, da erholen wir uns dann von den Strapazen des Böseseins und die Verkäufer haben Zeit, die Überreste des schaurigen Konsumfestes durch noch schaurigere Lebkuchen und Christbaumkugeln zu ersetzen. Happy Halloween!

31.10.2007 at 07:02 pm
Persönlich
5

Ein Tag im Leben eines 0815,5-Menschen

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© The Cobrasnake

Ich hasse es. Mein Wecker klingelt um 6:50 und während irgendein Mist bei Einslive läuft, schlafe ich halb wieder ein und wache um 7:04 mit einem Ohrwurm von James Blunt auf. Na danke. S-C-H-L-A-F-E-N. Ich glaub, ich schmeiß alles wieder hin, dann kann ich jeden Morgen ausschlafen.

Die Lockführer fordern mehr Lohn statt Schlaf und ich nehme lieber die 16, die fährt zwar gefühlte zwei Stunden, dafür aber immer und zuverlässig. Vorsichtshalber schlafe ich ohne Musik in den Ohren, in der Hoffnung, dass ich wach werde, falls ich im Schlaf anfange zu reden. Möglichst bevor es die ganze Bahn mitkriegt, die um die Zeit hauptsächlich von Rentnern bevölkert ist. Kurz vor Bonn quetscht sich eine Oma neben mich, dabei wäre gegenüber noch ein ganzer Platz freigewesen. Für einen Augenblick überlege ich, aufzustehen, aber die Oma wirkt recht fidel. “Geht das so für Sie?” fragt sie mich. “Ja, kein Problem, aber ist das Ihnen nicht zu eng? Soll ich aufstehen?” - “Nein, passt schon.” Ich versuche, mit den Schultern zu zucken, aber diese sind zwischen Bahnwand und ihrem Oberarm eingequetscht. “Steh auf!” scheinen mir ihre Hüften zu signalisieren, aber ich bleibe schon allein aus Prinzip sitzen.

Kurz vor 10. Dank Gott existiert das akademische Viertel, sprich cum tempore oder 15 Minuten Verzögerung und ich muss nicht rennen. Meine Schuhe sind sowieso, wie so ziemlich 50% meiner Klamotten, kaputt und alles tut mir weh. Wie schön könnte ich mich jetzt in den Hofgarten auf die nasse Wiese legen und schlafen… Aber warum meckern, andere Leute sitzen nun schon seit 2 Stunden im Büro oder stehen seit 6 Stunden in der Backstube. Im Hörsaal angekommen bin ich wach und der Tag vergeht unspektakulär aber recht interessant.

Während wir in unserer Sprachliche-Kommunikation-Übung durchzählen, denke ich nach. Vielleicht sollte ich mal meinen zukünftigen Hausmeister anrufen. Ihm sagen, dass ich den Schrank behalten will, das Bett auch, nur die Regale nicht. “Eins…” - “Zwei.” - “Drei!” - “Vier…” - “…” - “Hey, du bist dran!” - “Oh…vier!” - “Hatten wir schon!” - “Fünf.” - “Sechs.” - “Acht!” … Ich muss mich um meine Fahrten kümmern, Geld sparen, packen. Wochenende in der Eifel, Festivaltour nach Amsterdam, 3 Tage in Berlin und Silvester in London, das klingt nach Jetset, dabei schlage ich mich mit Minimalbudget herum und renne der kleinen Eurolines-Bude am Breslauer Platz die Türe ein, um dann zu erfahren, dass sie nur Dienstags und Samstags fahren. Und Sonntags und Mittwochs wieder zurück, oder so. Also doch wieder last-minute-Bahn, oder Kifferbusse, die es geschafft haben, im Internet ein Mitfahrangebot zu inserieren. Irgendwann sind wir bei “Achtundvierzig.” angelangt. “Also rund fünfzig.”

Zu Hause angekommen ist mein “Heute gehst du um 10 ins Bett, dann kannst du morgen ausschlafen!”-Vorsatz fast verflogen, obwohl ich bei Cobra 11 fast einpenne, und ich packe meine Reisetasche. Eifel wird es diesmal, Erstsemesterfahrt, Bitburg. Kommt da nicht Bitburger Pilsener her? Und warum liegt diese Stadt dann in der tiefsten Eifel und nicht im Norden? Und wo zum Teufel sind meine Sportschuhe?

Vielleicht bin ich ja doch nicht so langweilig, nur weil ich morgens früh aufstehe, “was mit Medien” mache und immer die Bild- und Express-Schlagzeilen am Automaten lese. Vielleicht bin ich nich ganz 0815, eher so 0815,5. Ein bisschen zumindest.

26.10.2007 at 12:08 am
Persönlich
14

Damals hieß das noch Erstsemester

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© Lastnightsparty

“Ersti-Tag, wie das klingt… also bei uns hieß das noch Erstsemester.” Meine Mutter recherchierte schon wieder auf der Uni-Website und gab mir das Gefühl, faul, unmotiviert und uninformiert zu sein. Wahrscheinlich wusste sie mindestens doppelt so viel über mein Studium wie ich und konnte mir erzählen, dass sich 2499 Menschen mit mir auf 70 Studienplätze beworben hatten oder dass man mit der Mensa-Card auch im Juridicum kopieren kann.

Ich zuckte die Schultern und ging trotzdem hin, selbst zur lustigen Bonn-Rallye, die daraus bestand, im Bistro ältere Stundenten zu verwundern während wir uns um den Heizstrahler tummelten und versuchten, auf der Karte den Preis für ein Pils herauszufinden. Überhaupt, wer geht eigentlich in ein Bonner Studentenbistro und trinkt dort ein Pils?

Eines Tages werden wir auch über die Erstsemester schmunzeln, die hektisch die Straße entlanghetzen und wissen wollen, wo “Medienwirkungen” von Michael Jäckel steht oder sich zu sechst auf die blaubelichtete Mensatoilette quetschen, um ein möglichst originelles Foto zu schießen. Ich überlegte mir, ob man tatsächlich im blauen Licht seine Venen nicht findet, traute mich allerdings nicht, es auszuprobieren. Ganz davon abgesehen, dass ich meine Venen eh noch nie gesehen habe, noch nicht einmal beim Arzt, und mich somit wohl eher schlecht für eine Heroinsucht eignen würde.

In der Mensa stecke ich mir die neue UNICUM-Ausgabe ein, “Das rockt!” klang irgendwie vielversprechend und der Titel zeigte einen gitarrespielenden Studenten im grünen Waschsalon. Über das Inhaltsverzeichnis war ein Gratis-Kondom geklebt, Durex Performa in easy-on Passform für extra langen Spaß. Wir sind schließlich Studenten, da scheint man so etwas zu brauchen. Überhaupt scheint der typische Student so einiges zu brauchen und sich nur von Kaffee und Zigaretten zu ernähren, einmal abgesehen vom Mensa-Essen für ein paar Euro und Sonderangeboten der Bonner Studentenkneipen. Draußen standen die Fahrräder, drinnen gab es Astra-Tage und Longdrink-Specials, durch die Boxen tönte “What A Waster” und in der Luft lag allgegenwärtig die Uni.

Am Ende des Abends bleiben nur noch wir übrig. Und die Fachschaft.

19.10.2007 at 05:56 pm
Persönlich
15

Der theoretische Teil

Zu 90, oder sagen wir 99% habe ich die Wohnung.

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20m², Kochnische, Bad, ruhige Lage, 10 Minuten bis in die Innenstadt und zur Uni, großer Garten, WLAN, nette Nachbarn - was will man mehr? (Okay, eine andere Stadt vielleicht, aber es hätte mich schlimmer treffen können.)

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Und ich gebe es ja zu, ich bin sowohl Planungs- als auch IKEA-Freak und freue mich schon darauf, meine vorhandene Ausstattung (sowie vielleicht ein paar neue Teile) irgendwo unterzubringen. So viel zur Theorie. Die Praxis folgt hoffentlich nächsten Monat.

15.10.2007 at 03:13 pm
Persönlich
12

Universitätendschungel Vol. 5

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Wortlos füllte die Frau im Zimmer “Le - Ni” meine Papiere aus und drückte mir einen Hefter in die Hand. Er war blau, trug den Schriftzug “Uni Bonn” und die aufgedruckten, blauen Bilder zeigten fröhliche Studenten beim Lernen, Forschen und Hochwerfen ihrer Baretts (ich habe mir schließlich die Uni mit der amerikanisiertesten Abschlussfeier ausgesucht, ohne es vorher zu wissen). Das war also die Uni und seit heute bin ich offiziell Studentin.

Meine erste Wohnungsbesichtigung heute früh war ziemlich vielversprechend und ich kriege gerade wieder Lust, mein mittlerweile recht chaotisches Zimmer nochmals generalzuüberholen. Da sieht man es mal wieder, man gebe mir genügend Zeit und ich freunde mich mit jedem Schicksal an. Ich liebe es, über fehlende Alternativen zu wettern, aber in Wirklichkeit will ich es doch gar nicht anders.

11.10.2007 at 06:44 pm
Persönlich
17

Universitätendschungel Vol. 4

Heute morgen weckte mich mein Handy. Ich lag in Sarahs Bett in Berlin und hatte seltsam geträumt: draußen stand ein Zelt, unsere Wohnung war polizeilich versiegelt, der Kater hatte gekotzt und meine Oma machte für alle Nudeln.

Das Handy klingelte also und mein Bruder war dran. “Ines, du hast einen Studienplatz!” - “Ich habe was?” - “Einen Studienplatz.” - “…” - “In Bonn.” Ich wusste nichts zu sagen, gerade jetzt, wo ich mich mit meinem Schicksal abgefunden hatte, durchkreuzte eine Stadt, in die ich nie wollte, all meine Pläne. Meine Mutter schickte mir sogleich ein paar Auszüge aus dem Zulassungsbescheid.

*Zulassungsbescheid*
[...] aufgrund Ihres Antrages auf Zulassung zum Studium der
*Kommunikationswissenschaften ohne Begleitfach (Bachelor of Arts)*
kann ich Ihnen mitteilen, dass Sie zum Wintersemester 2007/08 an der
Universität Bonn zugelassen sind. [...]

Ich darf Sie bitten, sich in der Zeit vom 09. bis 12. Oktober 2007
persönlich im Studentensekretariat bei dem für Ihre Einschreibung
zuständigen Sachbearbeiter einzuschreiben.

Ich besorgte mir eine Mitfahrgelegenheit nach Hause für 6,60€, recherchierte ein wenig zum Thema Kommunikationswissenschaften an deutschen Universitäten, telefonierte mit meiner Freundin aus Bonn und dachte nach.

“Ich habe damals auch nicht meinen Wunsch-Platz bekommen.” meinte meine Mutter zum Abschied. “Und siehe da, wäre ich nie nach Heidelberg gekommen, hätte ich nie deinen Vater kennengelernt.”

06.10.2007 at 05:37 pm
Persönlich
6

Brotlose Kunst

Um mal wieder ein wenig Pepp in mein Leben zu bringen, erzählte ich meinen Eltern beim Abendessen, dass ich in eine Altbauwohnung nach Berlin ziehen wolle, um Schriftstellerin, Künstlerin oder Musikerin zu werden. Eigentlich wollte ich sie aus Spaß nur ein wenig schocken, aber sie blieben erstaunlich gelassen. “Schriftstellerin, das wär natürlich was für dich.”

lesen.jpg
© The Skullset

Nachdem mein Onkel aus Madrid zurück war, wo er sich erfolgreich vor dem deutschen Wehrdienst gedrückt hatte, gab er ein silbernes Buch über Geisteswissenschaftler in der Wirtschaft heraus, in dem er unter anderem sich selbst und täglichen Sport anpries. Vor Ewigkeiten einmal schenkte er mir “Wie man einen verdammt guten Roman schreibt” von James N. Frey - damals war ich vielleicht 11 Jahre alt und seitdem habe ich das Buch mindestens fünfmal gelesen. Der Autor schrieb über Prämissen, Humbert Humberts Psyche und dem inneren Konflikt der Protagonisten und jedes Mal, wenn ich das Buch beendet hatte, schien der eigene Roman zum Greifen nahe. Ich wollt es wissen, denn nicht umsonst hatte ich mit 7 Jahren haufenweise Kassetten mit meiner unbescholtenen Stimme besprochen und dem Rekorder meine Geschichten erzählt.

“Nie etwas ausdenken, sondern dem Leben vertrauen.” lehrte mir Wladimir Kaminer und das ist in der Tat auch das, was ich mir immer wieder vor Augen führe. Wenn man richtig hinguckt, steckt das Leben voller Geschichten, die aufgeschrieben werden wollen. Voller Merkwürdigkeiten, Exzesse und Absurditäten, die man gar nicht besser hätte erfinden können.

Nun lebt mein Onkel in China um Remake-Drehbücher zu schreiben und wenn ich einmal mein erstes Buch veröffentliche, werde ich es ihm mit der Notiz “falls verstorben, bitte zurück” zukommen lassen.

25.09.2007 at 10:56 pm
Persönlich
11

Konsum

Dinge, die ich haben möchte:

konsum.jpg

(1) Kopfhochpillen von liebeskummerpillen®
(2) “Ich bin kein Berliner” und “Mein Leben im Schrebergarten” von Wladimir Kaminer
(3) Eine super billige Sonnenbrille von Keep Company
(4) Die Ärzte - Jazz ist anders, Die Ärzte - Junge (Single), Babyshambles - Shotter’s Nation
(5) Ein The Streets Feuerzeug. Das The Streets Feuerzeug.
(6) The Headhoops Buttons. Für uns und unsere Freunde.
(7)
Ein Holzfällerhemd. Mein Traum. Ich werde es umnähen und es wird perfekt.
(8) Initial Rings von GirlProps, wahlweise auch mit anderen Wörtern
(9) MultiPlux Profi-Gehörschutz für Konzertbesucher, von Musicsafe
(10) Ein professionelles Diktiergerät
(11) Die BahnCard 50
(12) Ohrringe, gibt’s auch bei GirlProps. Mir egal, dass Lily Allen die auch hat.
(13) Kleine bunte Kugelschreiber!
(14) Ein iPod-Nano-Dock für die 1. Generation. Gern auch die No-Name-Version.
(15) Einmal im Leben eine Obdachlosenzeitung.

Im Großen und Ganzen beschränken sich meine Wünsche allerdings doch eher auf immatrielle Dinge. Was waren das noch für Zeiten, wo man zu jedem Kindergeburtstag eine lange Wunschliste parat hatte…

Wer will, kann das Ganze natürlich auch als Stöckchen übernehmen. Aber bitte mit Collage.

22.09.2007 at 03:24 pm
Persönlich
16

Mein Handy und ich

Mein Handy und ich lebten nebeneinander her. Keiner war wirklich abhängig vom anderen und das war auch gut so. SMS schreiben? Nervig und mühsam. Anrufen? Teuer und mühsam. Handyspiele? Nach einer Woche langweilig und mühsam. Fotografieren? Schlechte Qualität und mühsam. Ton aufnehmen? Praktisch für Interviews, ansonsten mühsam.

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© The Cobrasnake

Aber nun ist alles anders. Im TXL-Bus zum Flughafen merkte ich, dass irgendetwas in meiner Tasche fehlte. Das Handy. Entweder lag es irgendwo auf der Kreuzung am Alexanderplatz oder in Sarahs Bett. Während ich wie immer auf den letzten Drücker eincheckte, war mein erster Gedanke: Sarah anrufen und fragen.

Nur wie, mit lediglich 70 Cent im Geldbeutel und ohne Telefonbuch im Sicherheitsbereich des Flughafen Tegel? Ich malte mir aus, was ich alles verloren hätte. All die Telefonnummern. Alte Freunde, neue Freunde, Familie, britische Musiker, Lehrer, Pressemenschen. Die besten Textmitteilungen der Welt. Meinen Gary-Numan-Klingelton, eine Hommage an die Tundra-Episode von The Mighty Boosh. Meine perfekte Telefonnummer.

Und außerdem ein altes, halb kaputtes Mobiltelefon. Das Berlin 05 Festival für junge Politik hatte eine kleine Schramme auf dem Display hinterlassen, draufladen kann ich nichts, da die zugehörige Software nicht mit Vista kompatibel ist und der Joystick klemmt manchmal. Ich glaube, Sony Ericsson will mir damit sagen, dass ich mir schnellstens ein neues Modell zulegen soll. Von Sony Ericsson natürlich.

Das verlorene Handy ließ mich nicht los. Zu Hause angekommen schrieb ich Sarah, die gerade vom Goose-Gig zurück war. “Nachdem ich dich soeben angeklingelt habe, habe ich festgestellt, dass du es vergessen hast” schrieb sie mir zurück. Puh, ich warte sehnsüchtig auf das Päckchen aus Berlin. Die Moral von der Geschicht: Wir sind doch irgendwie abhängiger, als wir immer denken.

20.09.2007 at 02:50 am
Persönlich
4

French Connection

malajube.jpg

Diese Frankokanadier, mit denen ich gestern Abend das Vergnügen hatte, nennen sich Malajube. Sie singen auf Französisch, aber live merkt das kaum einer und ich bin überzeugt, dass sie genauso gut Kochrezepte singen könnten.

Meine Französischkenntnisse beschränken sich im Allgemeinen auf “Je m’appelle Ines et j’aime la musique du rock”, außerdem kann ich spärlich bis 10 zählen. In der 11. Klasse dachte ich mir als langjähriger Lateinschüler, es sei cool, jetzt noch schnell eine lebende Fremdsprache zu lernen - man muss schließlich alles mitnehmen, was man kriegen kann. Dass Schule allerdings kein Supermarkt ist, lernte ich schnell. Schon als unsere Lehrerin mit deutschem Doppelnamen uns auf Französisch begrüßte, wusste ich: Dieses Fach wähle ich so schnell wie möglich wieder ab.

Wenigstens bestand der gesamte Kurs aus Anfängern und wir lernten alles von Grund auf - die einen langsamer, die anderen schneller. Da war zum Beispiel mein Sitznachbar Marcus, der immer mit Tintenroller schrieb und mir während der Stillarbeit Dinge wie “La erection!” ins Ohr flüsterte - dabei weiß doch jedes Kind, dass “die Erektion” im Französischen männlich ist und es somit “L’erection!” heißen müsste.

Da die Französischstunden in die nullte Stunde fielen, war es teilweise noch mitten in der Nacht, wenn wir uns im ersten Stock zur fröhlichen Runde versammelten und man sah die glühende Sonne am Himmel hinter Porta aufgehen. Trotz dieser Romantik wählte ich nach schon einem halben Jahr Hals über Kopf ab. Auf meinem Abizeugnis steht nun “Französisch - 11.1 bis 11.1″ und darauf bin ich mächtig stolz.

12.09.2007 at 03:34 pm
Persönlich
14

Der Radiowecker

Meinen Radiowecker habe ich seit einem guten halben Jahr nicht mehr benutzt. Früher, als ich noch zur Schule ging, schaltete er sich jeden Morgen pünktlich um 06:30 ein und ich wurde bereits vom leisen Knistern wach, noch bevor die erste Musik ertönte. Diese klang meist eh seltsam, denn beim Fernsehen ist mir oft langweilig und ich mache mir einen Spaß daraus, mit der Schnurantenne zu spielen und sie zu ent-isolieren.

Seit März also steht der Radiowecker hinter meiner Gardine und verstaubt. Und selbst wenn er immer zuverlässig die Zeit anzeigt, bin ich meist zu faul, den Kopf zu heben und werfe lieber einen Blick auf meinen Satellitenreciever oder die Schallplattenähnliche Wanduhr, auch wenn die keine Zahlen hat und man eher die Zeit schätzen muss.

radioclock.jpg
© Robin Madden

Geweckt werde ich entweder Mittags um 2 von meinem Vater, der die Wohnung in wundersame Gerüche taucht und schließlich “Wir können essen!” durch das gesamte Haus brüllt, oder von meinem Handy, das seit Jahren den evangelischen Kirchenklassiker “Aufstehn’, aufeinander zugehn’” als einzigen Klingelton besitzt.

Manchmal ruft auch um 10 eine Frau von der Barmer an und erkundigt sich nach meinen Zukunftsplänen (”Ist das jetzt sicher, dass Sie etwas in der Richtung Medien studieren werden?”), oder eine euphorische Stimme begrüßt mich nach gefühlten 3 Stunden Stille in der Leitung mit den Worten “Herzlichen Glückwunsch! Sie wurden soeben von unserem Zufallsgene…” - wie es weitergeht weiß ich nicht, denn meist lege ich schon vorher auf.

Ich schlafe weiter bis es Essen gibt oder mein Vater widerwillig den Adoptivkater hereinlässt, der lautlos auf mein Bett springt, sich auf mich stellt, seinen Kopf an mir reibt und sich beschwert, dass sein Napf schon wieder leer ist. Irgendwann legt er sich neben mich und pennt. Katze müsste man sein. Die schlafen und fressen nur, haben keine Sorgen und werden immer gestreichelt.

05.09.2007 at 03:37 pm
Persönlich
23

Meine Vergangenheit als Messie

Auf dem Boden steht ein voller Papierkorb, der zweite heute, sowie eine Tack-Tüte voll mit Müll, in der ich vor einer Weile noch meine neuen Stiefeletten-Stiefel-Schuhe nach Hause transportierte. Es ist schon das zweite Mal, dass ich aufräume und ausmiste und es erstaunt mich immer wieder, wie viel sich über die Jahre in diesem kleinen, knapp neun Quadratmeter großen Zimmer angesammelt hat.

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© The Mae Shi

Ich habe die Angewohnheit, Dinge lieber schnell irgendwo hinzustopfen, als sie an ihren Ursprungsort zurückzustellen - ich bin ein Messie, lässt man mir nur genügend Zeit, kriege ich jede Bude voll und so entstanden immer wieder Kisten voll mit Krimskrams, von dem ich mich einfach nicht trennen konnte.

Kleine Schlüsselanhänger für 99 Pfennig damals aus dem Ramschladen, nie getragene Armbänder, Disketten aus meiner Grundschulzeit, eine alte Diddl-Dose (die man trotz ihrer Hässlichkeit ja nicht einfach wegwerfen kann), leere Afri-Cola-Flaschen, alte Musikzeitschriften, Papiere über Papiere, Gebrauchsanweisungen von Geräten, die schon lange kaputt sind, ein alter Kalender mit Katzenbildern, hässliche Flyer von Clubnächten, Plastikblumen, Kassetten mit Radiomusik, langweilige Landschaftsfotos aus dem Urlaub, defekte Kulis, Parfumproben, Notizbücher, Glowsticks, …

Aber jetzt ist Schluss damit. Meine Besitztümer sind nun überschaubar, einfach in Kisten zu verpacken und ich besitze kaum etwas, was ich nicht unbedingt benötige. Meine Schränke und Boxen sind zum Teil leer und nur noch meine Wände voller Flyer erinnern mich an das Chaos, das einst hier herrschte. Ich hab Frieden geschlossen mit meinen Besitztümern. Ein wundervolles Gefühl.

04.09.2007 at 02:44 am
Persönlich
9

Hey Scenesters!

Gestern war großer Abschied. Franzi geht nach Bradford, Vanessa nach London und auch ich bin bald weg und es gab Kuchen und Martini Bianco während die Vorband vergeblich versuchte, ihren Van neben uns einzuparken.

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Die Cribs waren gut, höchstens ein wenig in die Jahre gekommen. Von dem bei den NME-Awards über-Tische-fliegenden Ryan Jarman war nicht mehr viel übrig geblieben, die Songs rockten nur mäßig und “Hey Scenesters!” war viel zu schnell vorbei.


© Insound

Trotzdem ein schöner Abend und ich habe viel nachgedacht. Momentan wird alles anders und genau das ist der perfekte Zeitpunkt, auch für mich etwas zu ändern. Ich werde nach Berlin ziehen, nur dort habe ich die reellsten Chancen, überhaupt einmal studieren zu können (die FU hat bei 2 Wartesemestern einen NC von 1,7 auf Publizistik, das lässt hoffen). Ich komme hier raus, kann etwas Neues anfangen. Wer will das nicht? Ich glaube, das ist meine endgültige Entscheidung, zumindest so entgültig, wie man sie bei meinem stimmungsschwankenden Wesen nennen kann.

Auf meinem Nachhauseweg begegnete mir auf der dunklen, menschenleeren Kleinstadtstraße am Marktkauf ein Igel. Ich wollte ihn streicheln, doch dann fiel mir ein, dass Igel ja bekanntlich pieksen und dass hinter jedem Busch ein potentieller Vergewaltiger sitzen könnte. Also ging ich nach Hause, mit “hey darlin’, hey hey darlin’!” im Ohr und irgendwie glücklich. Hey Scenesters, hey Berlin, hey Zukunft!

31.08.2007 at 03:41 pm
Persönlich
29

Kurz vor achtzehn

Anhalten. Die Zeit. Schnell. In 3 1/2 Monaten werde ich 18 und es macht mir Angst. Nicht, dass ich nicht bereit fürs gesetzlich Erwachsensein wäre, ganz im Gegenteil, aber momentan scheint mir das Achtzehnwerden wahnsinnig unnötig.

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© The Cobrasnake

In Clubs kommt man auch so, wenn man weiß, wie. Führerschein? Brauch ich eh noch nicht. Legal harten Alkohol? Scheiß drauf. Ernst genommen werde ich ebenfalls und wenn nicht, wird daran auch eine 8 hinter der 1 nichts ändern.

Der 14. Dezember ist Stichtag, nie mehr werde ich dann lästige Vertreter, die einem auf der Kölner Fußgängerzone Mitgliedschaften andrehen wollen, mit einem “Sorry, ich bin noch unter 18!” kurz und schmerzlos abwimmeln können, ohne lügen zu müssen.

Und auch wenn heute scheinbar noch 30-jährige jugendlich-frisch durchs Leben hüpfen, ist man als gesetzlich Volljähriger doch irgendwie weniger jung als vorher (logisch). Jung ist man nur einmal im Leben und als ob das nicht schon genug wäre, habe ich das konstante Gefühl, ich hätte eine Menge verpasst. Was muss man mal gemacht haben als minderjähriger Mitbürger?

3 1/2 Monate bleiben mir noch, also lasst mal hören!

28.08.2007 at 01:56 pm
Persönlich
23

Universitätendschungel Vol. 3

Sehr geehrte Bewerberin, sehr geehrter Bewerber, leider müssen wir Ihnen mitteilen, dass Sie im Hauptverfahren der Studienplatzvergabe für das Wintersemester 2007/08 nicht zugelassen worden sind. [...]

Kam heute per Mail, Absender info.zulassung at verw.uni-hamburg Punkt de. In der angefügten .xdp-Datei (die übrigens zu Acrobat Reader gehört) erfuhr ich außerdem, dass der schlechteste angenommene Bewerber einen Durchschnitt von 1,1 hatte und ich mit meinem Schnitt 10 Semester warten muss, sollte ich trotzdem in der Hansestadt Hamburg studieren wollen.

Da waren es nur noch 3 2, die Uni Düsseldorf, Humboldt-Uni Berlin und Freie Uni Berlin. Ich werd morgen telefonisch klären, ob in Berlin wirklich schon die Immatrikulationsfrist abgelaufen ist (wenn ja, käme das einer Absage gleich), meine Chancen stehen irgendwo im Bereich “schlecht”, aber Rumheulen bringt eh nichts. Abwarten und Tee trinken ist angesagt.

26.08.2007 at 10:41 pm
Persönlich
18

Haare sind übrigens ein rudimentäres Organ…

… brachte mir einst meine Biolehrerin bei. Daran musste ich denken, als ich heute auf dem Frisörstuhl saß. Meine Haare sind wieder gestufter, ich bin glücklicher und meinem Vater ist es natürlich gar nicht erst aufgefallen.

Die Bezeichnung “Friseuse” ist abwertend gemeint, habe ich mir sagen lassen, daher nenne ich sie nun “Frisörin”, neudeutsch eben. Wie dem auch sei, ich bezahle eine Frisörin (im Billigladen sind es immer verschiedene) im Grunde dafür, dass sie mir die Haare schneidet. 14€ für waschen, schneiden, selberföhnen; 16 €, wenn sie mich überredet, noch eine Sprühpflege zu nehmen, weil meine Haare ja so kaputt und vertrocknet sind.

Wenn ich alt bin und keinen mehr zum reden habe, werde ich vielleicht auch den Unterhaltungsservice meiner Frisörin nutzen - aber momentan kann ich getrost drauf verzichten, wenn es sich dabei um eine fast karikierte junge Frau handelt, wie sie glatt in “Alles Atze” vorkommen könnte.

haare.jpg
© The Cobrasnake

Es ist schon eine ganze Weile her, eine Freundin war zu Besuch und begeistert von ihrem neuen Haarschnitt mussten wir direkt unseren lokalen Frisörsalon aufsuchen, damit auch ich mit ihrer Haarpracht mihalten konnte.

Ich kam an die Reihe und die Frisörin (jung, blondgesträhnte lange Haare und einen Brilli auf dem Eckzahn) begann zu schneiden. Ich unterhielt mich derweil mit meiner Freundin und wir planten den Rest unseres Tages. Vielleicht ein bisschen in Köln herumlaufen, eine nette Bar suchen, reden.

“Geht ihr heute abend noch nach Köln?” ertönte sofort eine hohe Stimme von der Seite. “Ja, das hatten wir eigentlich vor.” erwiderte ich und betrachtete mich wieder im Spiegel. Ein paar Haarsträhnen fielen herunter und ich freute mich auf meine neue Frisur.
“Also ich kenne da eine tolle Bunny-Party, die kann ich nur empfehlen! Ist total supi da!”

Ich lehnte dankend ab. Das sei nicht so unser Style und überhaupt wollten wir es doch eher etwas ruhiger angehen lassen. Das verstand sie natürlich sofort. “Ja, es mus ja nicht immer Party sein. Ist diese Länge okay?” Sie hielt eine Haarsträhne zwischen ihren Fingern, ich nickte und die Schere glitt wieder durch meine Haare.

Themawechsel. “Und, was machst du so?”
“Ich bin Abiturientin.”
“Oh!” Ihre eigentlich säuselnde Stimme klang fast bewundernd, dabei war ich noch nicht mal so wirklich stolz darauf. “Bei mir hat es leider nur für die Hauptschule gereicht. Aber macht ja nichts. Und was willst du später mal machen?” Die Holzhammer-Frage.
“Etwas in der Medienrichtung. Vielleicht was auch Kreatives.” Diese knappe und recht allgemeingültige Antwort sollte genügen und möglichst verschleiern, dass ich es selbst nicht so genau wusste.

“Also ich bin ja auch sehr kreativ…” Volltreffer. “Mathe war nie so mein Fall, aber ich hab immer schon gern gemalt und ich versuch das immer mit meinem Beruf zu verbinden.”
“Ahja, na das kann man ja recht gut.”
“Letztens, da hab ich so Schablonen entworfen, weißt du, für Männer, die sich etwas auf den Kopf rasieren wollen. Einmal ein Playboy-Bunny, das ist sehr gut angekommen. Aber auch andere Muster, Tribals und so.”

Ich zeigte mich beeindruckt und stellte mir die Männer vor, die mit einem rasierten Playboy-Bunny auf der Seite ihres Schädels durch die Straßen von Köln liefen. Sowas hat in etwa den Charme eines Eiterpickels, aber ich lächelte freundlich und ärgerte mich innerlich über meine Unehrlichkeit.

Meine Friseuse brachte den Spiegel, ich begutachtete den Schnitt von hinten und freute mich über die kleine Veränderung. Sie freute sich ebenfalls, schon wieder einer Kundin den langweiligen Frisörbesuch ein bisschen versüßt zu haben. “Wiedersehn!” flötete sie uns hinterher.

Seitdem habe ich sie nie wieder gesehen.

22.08.2007 at 04:22 pm
Persönlich
10

Egomania

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© Mona

Selbstreflexion ist in, genauso wie zu hinterfragen, was man eigentlich so tut. Jeder bloggt übers Bloggen (wahlweise auch über das iPhone oder MacBook), philosophiert über unser pathetisches Leben im Netz oder macht sich zum Teil der grauen Masse. Andere wiederum bewundere ich für ihre Individualität und ihren Ideenreichtum.

Dabei kann nichts so spannend und besonders sein, wie ein junges Leben. Dafür liebe ich Blogs und dafür lese ich sie.

Irgendwann ist mir eingefallen, dass die meisten Menschen, die das hier lesen, relativ wenig über mich wissen. Ich habe kaum etwas erzählt, was ich so gemacht habe und was mich zu dem gemacht hat, was ich bin - und wer mich erst seit meinem ersten Post hier kennt, muss mich irgendwie ziemlich uncool finden. Eine schlechte Basis. Also stellt mir Fragen, ganz viele, und ich werde sie alle beantworten.

Ganz bald schon kommen hier spannende Sachen. Ich werde jetzt erstmal meiner Livemusikliebe frönen, dann vom 24. bis zum 26. August nach Berlin fahren und jeden Mittag könnte ich einen Brief bekommen, der mein Leben verändert. Und ihr könnt alle dabeisein!

15.08.2007 at 11:55 pm
Persönlich
8

Universitätendschungel Vol. 2

Heute kam der zweite Brief, durchnässt vom Regen und ich wurde erst wach, als mein Vater mich damit bewarf (Ohropax halten, was sie versprechen). Absender: Universität Bonn.

[...] zu meinem Bedauern mußte [sic] Ihr Zulassungsantrag für das Studium der Kommunikationswissenschaften ohne Begleitfach (Bachelor of Arts) für das erste Fachsemester zum Wintersemester 2007/08 abgelehnt werden. [...]

Hachja. Dafür konnte der Brief mit einer sympathischen Sans-Serif-Schrift punkten. Noch übrig sind jetzt die Uni Düsseldorf, Uni Hamburg, Humboldt-Uni Berlin und Freie Uni Berlin.

To be continued.

09.08.2007 at 02:26 pm
Persönlich
23

Ich habe Ambitionen

Ich will endlich weg von hier. So wie es ist, langweilt mich alles. Ein Ziel wäre schonmal nicht schlecht, aber woher nehmen, wenn nicht stehlen?

mess.jpg
© The Cobrasnake

Ja, ich bin multitaskingfähig. Ich bin schließlich weiblich, auch wenn diese beiden Eigenschaften nicht zwangsläufig zusammenhängen müssen, habe ich mir sagen lassen. Ich gucke nach 3 Monaten zum ersten Mal wieder Fernsehn, lese “Ich mache mir Sorgen, Mama” von Wladimir Kaminer, neben mir liegen Notizblock und Kuli für Ideen, zwei Fernbedienungen, eine Bürste, die ich zu faul war wegzuräumen und wahlweise irgendetwas zu Essen.

Irgendwann um halb 3 nachts kommt dann der Moment, wo nichts Vernünftigs mehr im Fernsehn kommt. Nirgendwo. Nightquiz versus Oli Geissen versus Sexy Sport Clips und so schalte ich auf GoTV, lasse mich von den Cold War Kids bedudeln und lese weiter.

Morgens um 7 kommen die Bauarbeiter. Machen einen Höllenlärm, das ganze Haus vibriert. Im Halbschlaf kommt es mir vor wie ungleichmäßige Metal-Musik, ich schließe Türen und Fenster, hole mir grüne Ohropax und schlafe weiter. Mein Bett vibriert.

Beim Mittagessen gucken die Bauarbeiter uns durch die große Wohnzimmerfensterscheibe zu. Ja, ich habe viele Ambitionen.

Ich bin fest davon überzeugt, dass ich auf der Welt bin, um sie ein bisschen schöner zu machen. - Mian Mian (aus: “Lalala”)

07.08.2007 at 05:36 pm
Persönlich
19

Universitätendschungel Vol. 1

Vorgestern “morgen”, circa 13 Uhr. Während der Briefträger unseren Briefkasten füllte, schlief ich noch in meinem gemütlichen Bett. “Das ist bestimmt der Bescheid, dass deine Bewerbung eingegangen ist!” meinte meine Mutter, die mir die Post brachte. Absender: Universität zu Köln. Ich riss müde den Umschlag auf und überflog das Schreiben.

[...] Sie haben sich zum Wintersemester 07/08 für folgende zulassungsbeschränkte Studienfächer beworben: [Medienwissenschaften] Medienpsychologie Bachelor - 1 Fach/Verbund

Ihrem Antrag auf Zulassung kann nicht entsprochen werden. [...]

Verschlafen wie ich war hatte ich das fettgedruckte Wort “Ablehnungsbescheid” in der Betreffzeile überlesen, aber ich verstand es auch so. Wie ich später im Internet nachlesen konnte, liegt der Numerus Clausus dieses Jahr bei 1,3 (in Worten: Eins Komma Drei) und somit war ich schlicht und ergreifend zu schlecht. Ich habe nämlich nur 1,7 - meine Oma findet das super, die Universitäten leider nicht.

Kein Problem, rede ich mir ein, ich habe mich schließlich auch noch bei der Uni Bonn, Uni Düsseldorf, Uni Hamburg, Humboldt-Uni Berlin und der Freien Uni Berlin (Favorit neben Köln) für ähnliche Fächer beworben. Berlin wollte interessanterweise sogar Praktika und andere Qualifikationen sehen, der Rest noch nicht einmal mein Abizeugnis in Papierform. Und wenn alles nichts hilft, gibt’s ja auch noch das Nachrückverfahren.

Das einzige Problem: Ich hasse Warten. Ob in Einlass-Schlangen oder auf Universitätsbescheide. Aber ich glaube, da muss ich jetzt durch.

To be continued.

05.08.2007 at 08:28 pm
Persönlich
4

Meine Cousine Sarah aus Zürich

sarah.jpg

Das ist meine Cousine Sarah aus Zürich. Sarah ist bis Samstag noch bei uns zu Besuch. Sarahs Mama ist Geschäftsfrau, Sarahs Papa jückelt durch China und morgen gehen wir Shoppen und zum Chinesen, das heißt, ich bin momentan ziemlich beschäftigt.

24.07.2007 at 11:10 pm
Persönlich
21

My little brother just discovered Rock’n'Roll

Heute Mittag rettete Nils vom Melt! mein kommendes Wochenende und teilte mir telefonisch mit, dass die Presseakkreditierung klargeht. Dabei hatte ich eigentlich schon fest mit einer Absage gerechnet, wegen “zu großer Nachfrage und leider zu wenig Presseplätzen” (”Zu wenig Presseplätze” ist der kleine Bruder von “Wir wollen euch nicht haben”). Aber im Allgemeinen sind Leute, die irgendwas mit Presse und Plattenfirmen zu tun haben, unglaublich freundlich. Nicht scheißfreundlich wie die Leute der Behörden, sondern einfach nur so menschlich und nett, dass man sich fragt, wie die das bei ihrem Job bloß durchhalten.

Überbracht wurde die frohe Botschaft indirekt von meinem kleinen Bruder, der mich weckte, mir kommentarlos das Telefon übergab und auf die Frage hin, wer denn dran sei, nur ratlos den Kopf schüttelte.

Mein kleiner Bruder heißt Julian, ist zwölf und irgendwie cooler als seine Altersgenossen. Er hört am liebsten Die Ärzte und Abwärts (ja, die 80er-Punkband, jedoch eher die neuen Alben), ist aber auch meiner Musik nicht abgeneigt. Seine Stil-Ikonen sind Pete Doherty und Vince Noir von The Mighty Boosh, wir gehen zusammen in der H&M-Kinderabteilung und Secondhandshops einkaufen und er hasst es, “Emo” genannt zu werden. In seiner Freizeit spielt er Bass und wenn es mit der Rockstarkarriere nicht klappt, möchte er später mal zur Bundeswehr und Panzer bauen. Er kann mir stets Geld leihen und wenn ich dieses Jahr ausziehe, wird er mich regelmäßig besuchen kommen um für mich zu kochen (wie aufmerksam). Ja, ich habe gerne einen kleinen Bruder. Und ich fahre aufs Melt!

04.07.2007 at 08:44 pm

ines @ klammerauf.org
inesmontani.com


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