Das Berlin Festival war durch und durch chillig, voller umsonst-und-draußen-Flair, schöner Musik, VIP-Bier, Frühstück mit Cheeseburgern bei McDonalds und viel zu stickigen Clubs. Trotzdem, es war wunderschön, an jeder Ecke bekannte Berliner Menschen zu treffen und schließlich auch noch Marten und Stephi aus der angeblich neon-reinen Stadt Rostock.

Fotos: Anni
So sahen wir dann unter anderem Peter Bjorn and John (live ja leider recht unspannend), Tocotronic (nach wie vor genial, auch bei Tage), Datarock (rote Overalls und “The Time Of My Life”-Cover), The Presets (viel besser als beim Melt!), Uffie (auf Platte geil, live eine graue Maus und unglaublich unspektakulär) und schließlich Peaches (das nenn ich mal eine Powerfrau!).
Den besten, tollsten und großartigsten Artikel zum Berlin Festival und mein persönliches Lieblingsstück Journalismus fand man ganz klar am nächsten Morgen im Berliner Tagesspiegel:
New Rave, dieser Bastard aus Punk und Disco Music, verheißt eine Befreiung, die an den Punk erinnert – wobei sie sich nicht gegen das System richtet, sondern aus der Mitte der Maschine kommt. Ein riesiger Ball mit dem Logo eines Mobilfunkkonzerns stürzt wieder und wieder auf die Menge ein [...]: Es ist nicht auszumachen, ob hier der Kapitalismus alles überrollt oder ob bereits auf seinen Trümmern getanzt wird.
Von hier: Kolja Reichert - “Sinn ist sinnlos“ - wer’s nicht liest, ist selbst schuld. Ich jedenfalls fühlte mich in meiner bedrückenden Aftershow-Erkenntnis bestärkt…

Die offizielle Aftershow (kostenlos mit Bändchen, 10€ ohne) fand im überheißen Tape statt, der wohl das neue Rio wird. Der Club erinnerte eher an eine Messehallen-Disco, zwei Floors, einmal Electro mit unter anderem DJ Mehdi von Ed Banger, einmal Indie von Karrera. Zugegeben, Karrera ist zu 90% langweilig und Mainstream, aber zwischen all den Hipsters in pinken Neonshirts wurde mir schließlich klar, was mir die gute alte Gitarrenmusik bedeutete. Der Rock’n'Roll, das waren noch Zeiten. Kleine Britrockbands in noch kleineren Clubs, einfach mal Rockmusik statt Synthesizern und Jungs in Jeans und Lederjacken.
Alles vorbei, mag man meinen und fühlt sich als Indiekid fast schon wieder super alternativ. Vergangene Dekaden kommen ja bekanntlich wieder, wenn auch in veränderter Form - das waren dann also die 60ies und 70ies. Jetzt sind wir beim 80ies-Revival in Form der Rave-Bewegung und das wird sicher noch eine Weile so weitergehen, bis es auch der Letzte kapiert hat - es gibt ja schließlich auch noch immer Leute, die gerade erst die Arctic Monkeys entdeckt haben.
Electro, Neon, Ravekids, das wird also die Zukunft, ob wir wollen oder nicht. Da waren Josie und ich uns einig, als wir gestern gegen 5 Uhr Nachmittags Käsebrot mit Dijonsenf frühstückten. Sie ist ab Herbst in Manchester, ich vielleicht in Berlin, so kanns gehen. Wie wird das 90ies-Revival wohl aussehen? Plastic Pop meets Hip Hop in Union-Jack-Plateauschuhen?